Kategorie: Fremdsprachig

António Lobo Antunes: Reigen der Verdammten

dtv bzw. btb (Amazon Partnerlink) „Das Handbuch der Inquisitoren“, mein erster Roman von Antunes, steckte die Erwartungen hoch. Sein innovatives, bildmächtiges, dichtes Erzählen war eine Entdeckung. Der „Reigen der Verdammten“ enttäuschte nicht, auch wenn er etwas weniger abgerundet als das später erschienene Werk anmutet. Lesemüde Kritiker, die an ein Buch nicht mehr Ansprüche stellen als…
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Philip Roth: Der menschliche Makel

Selten konnte man die deutschsprachige Literaturkritik so hysterisch erleben: „Meisterwerk“, „grandios“, „furios“, „atemberaubend“ und eine Fülle ähnlicher Attribute wurde über den neuen Roman von Philip Roth ausgeschüttet. Das Erstaunliche dabei: Diese Hymnen sind berechtigt, es handelt sich um einen brillanten Roman, der keine Vergleiche etwa mit Updikes Rabbit-Tetralogie zu scheuen braucht. Worin liegen die spezifischen…
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Michael Frayn: Kopenhagen

Theater Drachengasse 23.3. Stücke über naturwissenschaftliche Themen sind sehr selten, deshalb verdient dieser Versuch eines britischen Schriftstellers ein gewisses Interesse. Der Zuschauer wird Zeuge einer viel diskutierten Begegnung zwischen Niels Bohr und Werner Heisenberg im Jahr 1941 (bzw. diverser Rekonstruktionen, die Beteiligten werden als Tote eingeführt). Heisenberg riskierte die Reise nach Kopenhagen, um mit Bohr…
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V.S. Naipaul: An der Biegung des großen Flusses

Roman, dtv bzw. List TB (Amazon Partnerlink) Mein erstes Buch von Naipaul, aber sicher nicht mein letztes. Nach den klassischen Kriterien für einen realistischen Roman ist das Werk gelungen: Scharf gezeichnete Figuren in einer lebendigen Umwelt. Der Ich-Erzähler übernimmt ein Geschäft in einer großen Stadt in Ost-Afrika und wird Zeuge des Auf und Ab der…
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Agota Kristof: Die dritte Lüge. Roman

Serie Piper (Amazon Partnerlink) Mehrteilige Werke sollte man eigentlich komplett kritisch würdigen, denn es ist unwahrscheinlich, dass alle Teile dieselbe Qualität besitzen. So reicht der dritte Teil von Kristofs Roman-Trilogie nicht mehr ganz an die beiden Vorgänger heran. Vielleicht liegt das auch an der fiktionalen Meta-Ebene, welche die Literarizität der beiden ersten Romane thematisiert. Damit…
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John Updike: Bessere Verhältnisse

Angesichts des überragenden „Unter dem Astronautenmond“ fällt der dritte Teil der Rabbit-Tetralogie etwas ab, was angesichts des hohen Ausgangsniveaus nicht als Kritik gemeint ist. Im Zentrum des Romans steht, neben der tristen Alltagsschilderung des nun wohlhabenden Rabbit, der Konflikt mit dessen Sohn Nelson. Ästhetisch gibt es wenig Unterschiede zu den beiden Vorgängern, detaillierte Beschreibungen der…
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Überraschung bei Goldmann

Literarische Avantgarde bei Goldmann? Ich traute meinen Augen kaum als ich im aktuellen Taschenbuchprogramm des eigentlich überflüssigen Verlagshauses auf William Gaddis‘ Roman „JR“ stieß.

Agota Kristof: Der Beweis. Roman

Serie Piper (Amazon Partnerlink) „Der Beweis“ folgt dem Roman „Das große Heft“ als Mittelteil der Trilogie. Kristof beschreibt das trostlose Leben in einer osteuropäischen Kleinstadt nach dem 2. Weltkrieg. Die emotionslose, fast nur aus kurzen Hauptsätzen bestehende Sprache steht in starkem Kontrast zur Handlung, vor allem zur Gefühlswelt der Figuren. Zur Sprachknappheit passend die Zeitstruktur:…
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Antonio Lobo Antunes: Das Handbuch der Inquisitoren

Manche Bücher stehen eindeutig zu lange ungelesen im Regal. Hätte ich gewusst, wie souverän Antunes die Möglichkeiten moderner Erzähltechniken einzusetzen weiß, hätte ich es längst gelesen. Der Roman ist aus der Perspektive verschiedenster Figuren erzählt, die wiederum auf knappem Raum ihre Vorgeschichte schildern. Der Wechsel zwischen den Zeitebenen erfolgt oft quasi-musikalisch von einem Satz zum…
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Eingetroffen: Schreibheft Nr. 56

Schon das Durchblättern der neuen Ausgabe reicht aus, um den besonderen Rang dieser Zeitschrift bestätigt zu finden. Ein Schwerpunkt ist diesmal das Verhältnis von Literatur und Wissenschaft. Als Beispiel seien nur Jan Kjaerstads „Die Spaltung des Romans. Literatur und Quantenphysik“ sowie Svend Age Madsens „Der Gen-Spiegel“ genannt.