Kategorie: 20. Jhd. (Geschichte)

Anna Haag: „Denken ist heute überhaupt nicht mehr Mode“. Tagebücher 1940 – 1945

Es verblüfft, dass dieses beeindruckende Buch erst jetzt erscheint. Herausgeberin Jennifer Holleis gebührt dafür großer Dank. Schön auch, dass diese Tagebücher im Reclam Verlag erscheinen – als gebundene Ausgabe. Die Schriftstellerin Anna Haag verlebt die Nazizeit in einer Siedlung am Rand von Stuttgart. Wie ihr Gatte und ihre Tochter ist sie eine überzeugte Nazigegnerin und…
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Frank Dikötter: How to be a Dictator

Als ich ein geistreiches Interview mit Frank Dikötter in einem Economist Podcast höre, bestelle ich mir sein letztes Buch. Er untersucht darin ausführlich, wie Diktatoren ticken. Konkreter: Wie die Diktatoren des letzten Jahrhunderts zum “Trick” des Persönlichkeitskults greifen, um an der Macht zu bleiben und ihre Untertanen zu manipulieren. Die längsten und besten Kapitel sind…
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Wahrheitssuche an der US-Zensur vorbei

[Erschienen im Falter 36/2020] Es war die Story des Jahrhunderts: Ein neues Buch schildert, wie ein amerikanischer Journalist die Wahrheit über Hiroshima aufdeckte Als die Amerikaner am 6. August 1945 die erste Atombombe auf Hiroshima werfen, setzt gleichzeitig eine genau geplante Kommunikationskampagne ein: Die Atombombe sei ein notwendiges Übel zur Beendigung des Krieges gewesen. Die…
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Nelson Mandela: Long Walk To Freedom: The Autobiography of Nelson Mandela

Das dritte hier besprochene Buch, das ich wegen meiner Studienreise ins Südliche Afrika lese. Einmal mehr bestätigt sich: Ohne meine vielen Reisen läse ich viele tolle Bücher nicht. Meine Erwartungshaltung ist, primär eine politische Autobiographie zu erhalten und selbstverständlich steht dieser Aspekt auch im Mittelpunkt. Überraschend ist für mich aber dann, mit welcher Ausführlichkeit Mandela…
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John Reader: Africa. A Biography of the Continent

Langjährige Notizenleser wissen: Ich habe eine große Schwäche für megalomane Überblickswerke. Im Zeitalter der Spezialisierung grenzt es ja an eine Art intellektuellen Suizid, sich so ein Projekt vorzunehmen. John Readers Buch zählt zweifellos dazu: Er will nichts weniger als eine komplette Geschichte Afrikas vorlegen. Das Ergebnis sind achthundert eng bedruckte Seiten. Wer nicht viele Stunden…
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Ken Burns: The Vietnam War

Was Kriegsdokumentationen angeht, setzt diese auf Netflix angebotene zehnteilige Serie mit einer Laufzeit von über 17 Stunden neue Maßstäbe. 2017 zuerst auf PBS ausgestrahlt zeichnet sie gerade für amerikanische Verhältnisse ein ungewöhnlich schonungsloses Bild über das historische Desaster des Vietnamkriegs. Formal ist das Format nicht revolutionär: Es wird sehr viel auf Zeitzeugen von allen Seiten…
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Philipp Blom: Der taumelnde Kontinent: Europa 1900-1914

Nach dem Beginn des neuen Jahrtausends samt den diversen politischen Turbulenzen fühlte sich Philipp Blom vermutlich an an den Beginn des letzten Jahrhunderts erinnert und kam auf die Idee, uns diesen historischen Spiegel vorzuhalten. 2009 erscheint schließlich sein Buch Der taumelnde Kontinent: Europa 1900-1914. Seitdem lag das Buch auch ungelesen auf einem meiner „dringend zu…
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Tim Marshall: Die Macht der Geographie

Zugegeben eine originelle Idee von mir, ein auf Karten basierendes Buch als Hörbuch zu „lesen“. Da Tim Marshall jetzt aber keine exotischen Weltgegenden behandelt, stellt sich schnell heraus, dass diese Entscheidung kein Problem ist. Die zehn Kapitel des Titels beschäftigen sich unter anderen mit Russland, China, Westeuropa, dem Nahen Osten und den USA. Alle sind…
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Leo Löwenthal: Falsche Propheten. Studien zur faschistischen Agitation

Die menschliche Natur ändert sich ja leider kaum. Schon gar nicht zum besseren. Deshalb sind die Demagogenbeschreibungen des Thukydides heute noch so aktuell wie damals. Deshalb trifft auch Leo Löwenthals nach dem zweiten Weltkrieg erschienene Studie Falsche Propheten heute noch ins Schwarze. Das Anschauungsmaterial sind amerikanische Faschisten aus den dreißiger Jahren, die heute weitgehend aus…
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Marjorie Perloff: The Vienna Paradox. A Memoir

Es ist ein Artikel in der New York Review of Books, der mich auf diese in den USA geschriebenen Memoiren aufmerksam macht. Marjorie Perloff – in Wien 1931 als Gabriele Mintz geboren – muss als Siebenjährige aus Wien vor den Nazis fliehen und wird schließlich Professorin für Vergleichende Literaturwissenschaft in Stanford. In The Vienna Paradox…
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