Iwan Gontscharow: Oblomow [2.]

Oblomow (1859) zählt zu jenen Romanen, die ich aus meinen jungen Lesejahren exzellent in Erinnerung habe. Jahrzehnte später bin ich bei der zweiten Lektüre weniger enthusiastisch. Brillant ist immer noch das erste Drittel des Buchs, in welchem sich Oblomow keinen Schritt aus der Wohnung bewegt: Das groteske Porträt eines Gemütszustands, der irgendwo auf der Skala… Weiterlesen Iwan Gontscharow: Oblomow [2.]

Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens

Einer meiner Lieblingsklassiker, über den noch keine Notiz existiert! Für Nietzsche waren die Gespräche “das beste deutsche Buch, das es gibt.” Ganz soweit würde ich jetzt nicht gehen, aber es gibt tatsächlich wenige Bücher der deutschen Literatur, die so ergiebig sind. Klassiker zeichnen sich dadurch aus, dass sie viele interessante Metaebenen mitbringen. Oft sind diese… Weiterlesen Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens

Thomas Hardy: Jude the Obscure (1895)

Von allen mir bekannten Klassikern ist Jude the Obscure (1895) wohl am misogynsten. Das ist insofern erstaunlich, weil es gerade im 19. Jahrhundert sehr viele mit Empathie bedachte Frauenfiguren gibt, von Madame Bovary bis Effi Briest. Misogyn vor allem deshalb, weil fast alle Frauen in dem Buch sich charakterlich mies verhalten. Das fängt mir der… Weiterlesen Thomas Hardy: Jude the Obscure (1895)

Erasmus von Rotterdom: Adagia. Der Sprichwörtliche Weltbürger

Der deutschsprachige Buchmarkt wird nicht gerade von den Büchern des Erasmus von Rotterdam überschwemmt, obwohl er sicher zu einer der spannenderen Persönlichkeiten der europäischen Geistesgeschichte zählt. Wer sich einmal unterhaltsam mit ihm beschäftigen will, dem sei das biographische Buch Stefan Zweigs (Notiz) empfohlen. Deshalb hier mein Hinweis auf dieses kurze Büchlein, das aus seiner Sprichwort-Sammlung… Weiterlesen Erasmus von Rotterdom: Adagia. Der Sprichwörtliche Weltbürger

Camus: Die Pest (2.)

Den Roman lese ich wie den Pestbericht des Daniel Defoe während des Lockdowns als eine Art literarische Krisenbewältigung. Nebenbei bemerkt: Durch den kurzen Abstand der beiden Bücher bemerke ich auch schnell, wie sehr Camus sich an Defoes Buch inhaltlich orientierte. In der Literaturwissenschaft wird ja rund um die Rezeptionsästhetik und dem empirische Rezeptionsforschung seit Jahrzehnten… Weiterlesen Camus: Die Pest (2.)

Stephen Greenblatt: Tyrant. Shakespeare on Politics

Klassikerkenner*innen wissen, dass Stephen Greenblatt schon viele gute Bücher über Shakespeare schrieb. Dieses stellt aber ein besonderen Kunstgriff dar, weil es sich in Wahrheit eindeutig auch um ein Buch über Trump handelt, obwohl dessen Name kein einziges Mal genannt wird, oder ein expliziter Kontext hergestellt würde. Greenblatts Beschreibungen von diktatorischen Ambitionen sind aber in dieser… Weiterlesen Stephen Greenblatt: Tyrant. Shakespeare on Politics

Daniel Defoe: History of the Plague in London

In Krisenzeiten greifen die Menschen gerne auf lang eingespielte Verhaltensmuster zurück. In meinem Fall ist eines dieser Muster, aktuelle Probleme durch kulturgeschichtliche Einordnung zu persönlich zu bewältigen. Das schafft Überblick und Distanz. Deshalb greife ich zu einem der berühmtesten Pestklassiker der Weltliteratur: Defoes History of the Plague in London. Er wird oft immer noch, wie… Weiterlesen Daniel Defoe: History of the Plague in London

Retif de la Bretonne: Monsieur Nicolas oder Das Enthüllte Menschenherz

Einer der ungewöhnlichsten Klassiker mit dem ich mich in den letzten Jahren beschäftigte. Autor und Titel sind mir in der Vergangenheit schon mehrmals begegnet, aber nie mit einer dringenden Lektüre-Empfehlung verbunden. Vor zwei Jahren erschien nun diese von Reinhard Kaiser herausgegebene und hervorragend übersetzte deutsche Ausgabe. Ohne Zweifel ein sehr verdienstvolles Projekt, zumal er den… Weiterlesen Retif de la Bretonne: Monsieur Nicolas oder Das Enthüllte Menschenherz

Peter Rosegger Museum

Oktober 2019 Vor Jahren stand ich schon einmal vor der verschlossenen Tür des Museums. Dieses Mal klappt der Abstecher während meiner Rückreise nach Wien. Kommt man von der Obersteiermark, ist das ehemalige Landhaus Roseggers nur ein paar Minuten von der Schnellstraße entfernt. Schön restauriert zeigt es die üblichen Devotionalien eines Schriftstellermuseums: Fotos, Gebrauchsgegenstände sowie diverse… Weiterlesen Peter Rosegger Museum

Karl Philipp Moritz: Anton Reiser

„Unter diesen Umständen wurde Anton geboren, und von ihm kann man mit Wahrheit sagen, daß er von der Wiege an unterdrückt ward.“ Als ich in jungen Jahren diesen außergewöhnlichen Roman zum ersten Mal las, war ich sehr beeindruckt, und setzte ihn auf meine mentale Liste mit Lieblingsbüchern. Höchste Zeit also, dieses Urteil aufzufrischen. 1785 erschienen,… Weiterlesen Karl Philipp Moritz: Anton Reiser