Autor: Christian Koellerer

Thomas Hardy: Jude the Obscure (1895)

Von allen mir bekannten Klassikern ist Jude the Obscure (1895) wohl am misogynsten. Das ist insofern erstaunlich, weil es gerade im 19. Jahrhundert sehr viele mit Empathie bedachte Frauenfiguren gibt, von Madame Bovary bis Effi Briest. Misogyn vor allem deshalb, weil fast alle Frauen in dem Buch sich charakterlich mies verhalten. Das fängt mir der…
Weiterlesen

Privatbibliothek: Neuzugänge

Jede Menge neue Klassikerausgaben dieses Mal sowie eine Neuerscheinung über den Wiener Kreis und andere sehr spannende Sachbücher. Ermäßigt erworben: Philipp Blom: Was auf dem Spiel steht (Büchergilde Gutenberg) Giambattista Vico: Prinzipien einer neuen Wissenschaft über die gemeinsame Natur der Völker (Meiner) Bob Mankoff (Editor): The New Yorker: Encyclopedia of Cartoons (The New Yorker) (Wienand)…
Weiterlesen

Wahrheitssuche an der US-Zensur vorbei

[Erschienen im Falter 36/2020] Es war die Story des Jahrhunderts: Ein neues Buch schildert, wie ein amerikanischer Journalist die Wahrheit über Hiroshima aufdeckte Als die Amerikaner am 6. August 1945 die erste Atombombe auf Hiroshima werfen, setzt gleichzeitig eine genau geplante Kommunikationskampagne ein: Die Atombombe sei ein notwendiges Übel zur Beendigung des Krieges gewesen. Die…
Weiterlesen

Hagen Quartett

Wiener Konzerthaus 5.10. 2020 Daniel Ottensamer, Klarinette Wolfgang Amadeus Mozart Streichquartett G-Dur K 387 (1782) Klarinettenquintett A-Dur K 581 »Stadler-Quintett« (1789) Mein zweites „Pandemie-Konzert“. Im Gegensatz zum letzten, Anfang Juli, findet es nicht mehr im großen Saal, sondern wieder im Mozart-Saal statt. Allerdings nur mit dem halben Publikum und den entsprechenden Abständen: Das Programm wird…
Weiterlesen

Privatbibliothek: Neuzugänge

Nach Jahrzehnten gibt es eine neue solide Ausgabe der Werke Georg Trakls. Außerdem wurde die Werkausgabe Robert Musils fortgesetzt. Gratis bekommen: Achim Landwehr: Diesseits der Geschichte. Für eine andere Histeriographie (Wallstein) Ermäßigt erworben: Heinz Spielmann: Oskar Kokoschka. Bilder zur Weltliteratur. (Wienand) Regulär erworben: Jan Swafford: Beethoven. Anguish and Triumph (Houghton Mifflin Harcourt) Jocho Yamamoto: Hagakure.…
Weiterlesen

Gelesen & Gehört & Gesehen

Friedrich Schiller: Don Carlos (Werkausgabe, Wissenschaftliche Buchgesellschaft) Heinrich von Kleist: Die Hermannsschlacht (dtv klassik) Stephen Greenblatt: Tyrant. Shakespeare on Politics (W.W. Norton & Company) Thomas Bernhard: Der Untergeher. (Suhrkamp Werkausgabe) Michael Töteberg: Fritz Lang (rororo bildmonographie) John Hersey: Hiroshima. (Vintage Books) Lesley M.M. Blume: Fallout: The Hiroshima Cover-up and the Reporter Who Revealed It to…
Weiterlesen

Erasmus von Rotterdom: Adagia. Der Sprichwörtliche Weltbürger

Der deutschsprachige Buchmarkt wird nicht gerade von den Büchern des Erasmus von Rotterdam überschwemmt, obwohl er sicher zu einer der spannenderen Persönlichkeiten der europäischen Geistesgeschichte zählt. Wer sich einmal unterhaltsam mit ihm beschäftigen will, dem sei das biographische Buch Stefan Zweigs (Notiz) empfohlen. Deshalb hier mein Hinweis auf dieses kurze Büchlein, das aus seiner Sprichwort-Sammlung…
Weiterlesen

Camus: Die Pest (2.)

Den Roman lese ich wie den Pestbericht des Daniel Defoe während des Lockdowns als eine Art literarische Krisenbewältigung. Nebenbei bemerkt: Durch den kurzen Abstand der beiden Bücher bemerke ich auch schnell, wie sehr Camus sich an Defoes Buch inhaltlich orientierte. In der Literaturwissenschaft wird ja rund um die Rezeptionsästhetik und dem empirische Rezeptionsforschung seit Jahrzehnten…
Weiterlesen

Hagen Quartett

Wiener Konzerthaus 1.7. 20 Dmitri Schostakowitsch Streichquartett Nr. 4 D-Dur op. 83 (1949) Ludwig van Beethoven Streichquartett cis-moll op. 131 (1825–1826) Wir leben noch immer mitten in der Coronapandemie, weshalb dieses Konzert nun mein erstes seit Februar ist. Zwei Konzerte sind dem Lockdown zum Opfer gefallen, eines wird heute nach geholt. Mit viel Aufwand! Es…
Weiterlesen

Stephen Greenblatt: Tyrant. Shakespeare on Politics

Klassikerkenner*innen wissen, dass Stephen Greenblatt schon viele gute Bücher über Shakespeare schrieb. Dieses stellt aber ein besonderen Kunstgriff dar, weil es sich in Wahrheit eindeutig auch um ein Buch über Trump handelt, obwohl dessen Name kein einziges Mal genannt wird, oder ein expliziter Kontext hergestellt würde. Greenblatts Beschreibungen von diktatorischen Ambitionen sind aber in dieser…
Weiterlesen