Kategorie: 18. Jhd. (Klassiker)

Cellini / Goethe: Das Leben des Benvenuto Cellini

Aus drei guten Gründen empfiehlt sich die Lektüre der Lebensgeschichte des Benvenuto Cellini: Erstens ist sie literatur- und mentalitätsgeschichtlich spannend, weil sie die autobiographische Rekonstruktion eines Renaissancemenschen zeigt. Zweitens enthält man faszinierende sozialgeschichtliche Einblicke in die italienische Kunstszene des 16. Jahrhunderts. Drittens schließlich übersetzte Goethe das umfangreiche Werk, allerdings nicht aus dem toskanischen Original, sondern…
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Laurence Sterne: Leben und Meinungen des Tristram Shandy, Gentleman.

Der Tristram Shandy ist einer der raffiniertesten Romane der Weltliteratur. Veröffentlicht wurde er in neun Bänden zwischen 1759 und 1767. Bereits der erste Band macht seinen Verfasser berühmt. Er zählt zu den komischsten Büchern der Literaturgeschichte und ist ein Höhepunkt des britischen Humors. Wer verstehen will, aus welcher Tradition der abartige Humor Monty Pythons stammt,…
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Gert Hofmann: Die Rückkehr des verlorenen J.M.R. Lenz nach Riga

Darf ein deutschsprachiger Autor nach dem famosen Lenz des Georg Büchner eine weitere Erzählung über J.M.R. Lenz schreiben? Selbstverständlich! Vor allem, wenn es sich um ein Sprachtalent wie Gert Hofmann handelt. Hofmanns Erzählung setzt dort ein, wo Büchner aufhört, und beschreibt Lenz‘ Rückkehr nach Riga zu seiner Familie. Er trifft dort nach vielen Jahren auf…
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Choderlos des Laclos: Gefährliche Liebschaften

Anzügliche Literatur war zur Zeit der französischen Aufklärung nichts Ungewöhnliches, kaum ein Buch erreichte allerdings den Bekanntheitsgrad der Gefährlichen Liebschaften. Das Anzügliche ist bei des Laclos nämlich nur eine Beigabe zu einem beißenden Gesellschaftsporträt der Aristokratie des Ancien Regime. Der Briefroman erschien 1782 anonym und wurde mit erfolgsversprechender Entrüstung aufgenommen. Die 175 Briefe des Romans…
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Robinson Crusoe – Projekt einer Insel

Burgtheater 4.5. 2012 Regie: Jan Bosse Bühnenbild: Stéphane Laimé mit Ignaz Kirchner Joachim Meyerhoff Auf Joachim Meyerhoffs Initiative entstand dieser schräge Abend zu einem der berühmtesten Klassiker der Weltliteratur. Der Aufwand für diese Inszenierung ist enorm: Die Zuschauer sitzen auf der umgebauten Bühne, während sich Meyerhoff und Kirchner im Zuschauerraum austoben. Das darf durchaus wörtlich…
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Der große Religionskritiker Jean Meslier (1664-1729)

Eine meiner größten Buchentdeckungen der letzten Jahre ist das furiose Testament des Jean Meslier. Zwar kannte ich ihn dem Namen nach schon seit meiner Studienzeit als Vertreter der französischen Frühaufklärung, zu einer näheren Beschäftigung mit ihm inspirierten mich aber erst Philipp Bloms Böse Philosophen. Die erste Überraschung: Eine der brillantesten Religionskritiken der Geistesgeschichte wurde von…
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Faust

Filmcasino 13.1. Russland 2011 Regie: Alexander Sokurow Ein Faust-Film, der den Goldenen Löwen nebst vielen Vorschusslorbeeren erhält, machte mich selbstverständlich so neugierig, dass ich gleich die erste Aufführung besuchte. Auch so mancher Burgschauspieler konnte es offenbar nicht erwarten und saß im Publikum. Eines ist gleich zu Beginn festzuhalten: Es ist keine Goethe-Verfilmung. Zwar gibt es…
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Philipp Blom: Böse Philosophen

Zu dem Buch schrieb ich bereits Ende Juli eine Notiz, die beim Umzug der Notizen leider verloren ging. Blom will dem interessierten Lesepublikum ein wenig bekanntes Kapitel der Geistesgeschichte näher bringen: Die radikale Aufklärung im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Als konzeptueller Ausgangspunkt eignet sich dafür bestens der Salon des kultivierten Baron d’Holbach in dem sich…
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Rousseau in Romanform

Jean-Jacques Rousseau ist nicht nur einer der einflussreichsten Denker des 18. Jahrhunderts, sondern auch einer der problematischsten. Damit meine ich nicht seine fragwürdigen Lebensentscheidungen, wie etwa pädagogische Bücher zu schreiben und gleichzeitig die eigenen fünf Kinder in ein Findelheim abzuschieben. Viel schlimmer ist, dass er intellektuell großen Schaden anrichtete. Sein soziopathischer Rachefeldzug gegen Vertreter der…
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Goethe und Zelter: Briefwechsel

Goethes Briefwechsel mit Schiller zählt zu meinen Lieblingsbüchern. Trotzdem las ich erst jetzt die berühmte zweite Korrespondenz mit dem Berliner Komponisten Carl Friedrich Zelter (1758-1832). Eine Grund dafür war der Umfang: Die beiden wechselten 30 Jahre lang Briefe, was in der Münchner Ausgabe einen 1200seitigen Band ergibt. Dazu kommt ein ebenso dicker wie kenntnisreicher Kommentarband.…
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