António Lobo Antunes: Ein Werkstattbericht

Wieland Freund hat den Autor in Lissabon besucht und ihn besonders über seine Schreibgewohnheiten befragt. Auch Reflexionen über die Lektüre seiner Bücher fehlen nicht:

Nicht umsonst erntet Antunes mit seinen Büchern entweder helle Begeisterung oder ein hilfloses Schulterzucken. Wer Antunes liest, ist Fan; wer kein Fan ist, liest ihn nicht. Mit dem Bleistift hinter dem Ohr kommt man Antunes‘ Texten kaum bei, die Bastler unter den Kritikern runzeln die Stirn, und wer Gewissheit sucht in der Lektüre, wird von Antunes gewiss im Stich gelassen. Wer spricht? Was geschieht? Wo sind wir? Und wann? – das alles sind Fragen, die zweitrangig sind im Erzähluniversum des Portugiesen, und vielleicht „liest“ man ihn besser gar nicht, sondern geht einfach mit, taucht ein in den Strom der Rede, lässt sich treiben und an ein Ufer spülen zum Schluss, erschöpft und nass und mit sausenden Ohren. „Ich möchte nicht gelesen werden“, sagt Antunes. „Ich möchte, dass mein Buch eine Art Krankheit ist. Als litte man an einem Fieber.“

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