April 2026
Von meinem Zweitwohnsitz im bergigen Bezirk Murau ist es nicht weit an die italienische Grenze: In gut achtzig Minuten ist man dort. Nach Triest ist es nicht weiter als nach Wien. Ich nutzte in den letzten Jahren diese Gelegenheit für regelmäßige Kurzurlaube im Friaul. Drei oder vier Nächte meistens. Eben war es wieder so weit, und ich blieb einige Tage in Cividale del Friuli, einer fast kitschig-malerischen Kleinstadt mit jeder Menge Italienflair. Bekannt auch als Langobardenstadt, gibt es dort diverse interessante Besichtigungen über dieses antike Migrantenvolk. Vom legendären Langobarden-Altar bis hin zu diversen Ausgrabungen im archäologischen Museum.
Auf dem Weg dahin ein Zwischenstopp in Venzone, einem während des Erdbebens 1976 zerstörten historischen Kleinod, das danach komplett restauriert wurde. Es gibt ein sehenswertes Erdbebenmuseum. Sehenswert, weil die Katastrophe gut dargestellt wird, bis hin zu 3D-Animationen. Erinnerungspolitisch spannender ist allerdings die Darstellung des Wiederaufbaus, nämlich eine Lobeshymne auf Politik und Zivilgesellschaft. Eine kurze Recherche ergibt, dass es beim Wiederaufbau jede Menge Probleme und auch Proteste gab. Das wird im Museum zugunsten einer hagiographischen Darstellung komplett ausgeklammert. Man durchschreitet geschichtsrevisionistische Propaganda.
Schwerpunkt der Reise war dieses Mal aber der erste Weltkrieg, konkret die Isonzoschlachten, zu denen es in der Region viele aufschlussreiche Besichtigungen gibt. Etwa das riesige Monument Sacrario di Redipuglia, das die Faschisten später ihren „Helden“ errichtet haben. Mit monumentalen Betonstufen an einem Hang sollte die Bevölkerung monumental beeindruckt werden. Beeindruckt ist man insofern, weil man buchstäblich auf Massengräbern steht. Weniger förderlich für die Pietät ist freilich, dass direkt davor der Kommerz qua Gewerbegebiete fröhliche Urstände feiert. Das beeinträchtigt auch den Gedenkpark direkt gegenüber, in dem Waffen aus dem ersten Weltkrieg gezeigt werden.
Nicht weit davon entfernt ist der Berg San Michele, der im Kriegsgeschehen damals eine wesentliche Rolle spielte und wo man zumindest nicht mit Lagerhallen belästigt wird.
Um beim Thema zu bleiben, fahre ich über den Predilpass zurück, also durch Slowenien. Erster Stopp ist Kobarid, wo es das Italienische Beinhaus zu besichtigen gibt. Es liegt hoch über der Stadt. Redipuglia ist eine monumentale, horizontale Treppe, die den Hang hinaufsteigt. Das Denkmal in Kobarid ist dagegen zentriert. Es besteht aus drei konzentrischen Achtecken, die sich kegelförmig um die Kirche St. Antonius winden. Hier liegen 7000 Soldaten begraben.
Sehr positiv überrascht hat mich das Weltkriegsmuseum in Kobarid. Im Unterschied zum gängigen ideologisch problematischen Gedenkkitsch, setzt es den Schwerpunkt auf die Grausamkeiten des Krieges. Von den Zuständen in den eisigen Schützengräben bis zu brutalen Fotos, welche die Verstümmelungen der Soldaten zeigen. Die Sonderausstellung im Erdgeschoss widmet sich in mehreren Räumen dem Thema Tiere im Krieg, die als Opfer ja gerne vergessen werden. Auch Russland setzt ja bei seinen Angriffen auf die Ukraine derzeit immer wieder Esel und Pferde als Transportmittel ein.