Euripides: Helena

Wiener Festwochen / Burgtheater 10.6.

Regie: Luc Bondy
Übersetzung: Peter Handke
Bühnenbild: Karl-Ernst Herrmann

Helena: Birgit Minichmayr

Es ist erfreulich, wenn eine Rarität des Euripides auf die Bühne gebracht wird. Wer um die Bedeutung des trojanischen Krieges als kulturellen Hintergrund für die Athener weiß, versteht sofort die ironische Sprengkraft des Stücks.

Laut Euripides war Helena nämlich nie wirklich in Troja. Der Krieg samt sämtlicher Verwickelungen beruhte auf einem Trugbild. Während Helena in Wirklichkeit nach Ägypten gebeamt wurde, flogen vor den Toren Ilions also wegen eines göttlichen Hologramms die Fetzen. Das ist frühe metafiktionale Spielerei mit der sich Euripides über den kulturellen Horizont seiner Landsleute elegant lustig macht.

In der ersten Hälfte funktioniert Luc Bondys Inszenierung nicht so schlecht, er setzt auf die Schauspieler und man bekommt passables Literaturtheater. Danach läßt er das Stück aber in einen komödiantischen Klamauk umkippen, welcher dem Stück in keiner Weise gerecht wird, und den Zuseher zunehmend ratlos zurück läßt. Daran ändert auch die ansehnliche schauspielerische Leistung des Ensembles nichts.

Erwähnt sei noch, dass der Chor aus einer Gruppe Studentinnen besteht, die sich immer wieder Bücher aus einem großen Turmregal holen. Eine nette Anspielung auf die Metafiktionalität des Stücks. Es bleibt zu hoffen, dass die Zuschauer den faden Theaterabend berechtigterweise Luc Bondy anlasten und nicht dem grandiosen Text des Euripdes.

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