Kategorie: Renaissance (Klassiker)

Klug beobachtet

Seht doch nur, wie die Leute darauf abgerichtet sind, sich vereinnahmen und mitreißen zu lassen! Das geschieht überall, in kleinen Dingen wie in großen; ob es sie selbst betrifft oder nicht, unterschiedslos springen sie ein, wo immer eine Arbeit oder Aufgabe zu erledigen ist – fehlt ihnen diese hektische Betriebsamkeit, sind sie ohne Leben. Sie…
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Evolution und Shakespeare

Die Spannbreite der Themen in der The New York Review of Books zeigt sich in der Ausgabe 8/06 vom 11. Mai. Israel Rosenfield and Edward Ziff geben einen ausführlichen Einblick über neue Erkenntnisse zur Evolutionstheorie. Dabei beschreiben sie ausführlich den möglich Einfluss der „hox genes“, welche die embryonale Entwicklung steuern, auf das Entstehen komplexer Organe.…
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Wahrheit

Heute hingegen nennen wir Wahrheit nicht das, was ist, sondern was man andren einzureden vermag. [Montaigne, Essais S. 330]

Montaigne: Essais Erstes Buch (3)

Essais (Eichborn, Amazon Partnerlink) Ein zentraler Essay ist Nr. 20 „Philosophieren heißt sterben lernen“. Das Thema des Todes und des Sterbens zieht sich fast leitmotivisch durch das Buch: Berauben wir [den Tod] seiner Unheimlichkeit, pflegen wir Umgang mit ihm, gewöhnen wir uns an ihn, bedenken wir nichts so oft wie ihn! Stellen wir ihn jeden…
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Erfolg und Verdienst

Nebenbei bemerkt, Erfolg ist etwas ziemlich Häßliches. Seine scheinbare Ähnlichkeit mit dem Verdienst täuscht die Menschen. Für die Menschen hat der Erfolg fast das gleiche Gesicht wie die Überlegenheit. Der Erfolg, dieser Doppelgänger der Begabung, betrügt die Geschichte. Allein Juvenal und Tacitus murren darüber. Heutzutage ist eine nahezu offizielle Philosophie in seine Dienste getreten, trägt…
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Montaigne: Essais Erstes Buch (2)

Essais (Eichborn, Amazon Partnerlink) Sich systematisch Montaigne zu nähern, ist schwierig. Diese Autobiographie in Versuchen schließt das Scheitern im Denken ein. Nicht selten wird ausprobiert, weshalb man zu vielen Fragen keine konsistenten Antworten erwarten darf. Montaigne führt eher eine Art des Denkens vor, die sich nicht nur durch Skeptizismus auszeichnet, sondern auch durch große Freiheit.…
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Montaigne über die Postmoderne

[Siehe auch mein Aufsatz Die Errungenschaften der Postmoderne als Theorie. Eine philosophische Kritik“] Warum haben denn keineswegs nur Aristoteles, sondern auch die meisten anderen Philosophen es darauf angelegt, schwerverständlich zu schreiben, wenn nicht, um der Nichtigkeit des Gegenstands ein Ansehen zu geben und die Neugier unsres Geistes beschäftigt zu halten, indem sie ihm als Futter…
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Bibliomane Betrachtungen (4)

Ohne Bücher bleibt die Geschichte stumm, die Literatur sprachlos, die Wissenschaft verkrüppelt, das Denken kommt zum Stillstand, Bücher sind Zeugen des Wandels, Fenster zur Welt, sie sind Banken des Geistes, Bücher sind gedruckte Humanität. (Barbara Tuchmann) Bezüglich der von mir gelobten historischen Differenz bei Klassikern wies mich ein Freund berechtigterweise darauf hin, dass es bei…
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Montaigne: Essais Erstes Buch (1)

Essais (Eichborn, Amazon Partnerlink) Ein gutes Beispiel für meine in den Bibliomanen Betrachtungen beschriebenes Leseverhalten sind derzeit die berühmten „Essais“ des Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592). Ich lese seit gut einem Monat an der von Hans Stilett übersetzten Gesamtausgabe und nähere mich langsam erst der Hälfte. Dabei handelt es sich um keine neue Begegnung mit…
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Die Frage der genetischen Reproduktion

Der größte und gesündeste Teil der Menschen hält es für ein großes Glück, viele Kinder zu haben; ich und einige andre für ein ebenso großes, keine zu haben. Als man den Thales fragte, warum er nicht heirate, antwortete er, er liebe es nicht, Nachkommen zu hinterlassen. [Montaigne, „Ob wir etwas als Wohltat oder Übel empfinden“]