Aktuelle Ausstellungen in Wien

Nach längerer Zeit wieder einmal im Museum für angewandte Kunst, wo es mehrere sehenswerte Ausstellungen gibt. Die Hauptausstellung beschäftigt sich mit Helmut Lang: Eine auf seinen Schaffensprozess fokussierte Retrospektive mit viel Multimedialem. Mir ist die Modewelt ja sehr fremd, weshalb ich hier überdurchschnittlich viele neue Erkenntnisse mitnehmen konnte. (Bis 3.5.)

In einem kleineren Raum beschäftigt sich Hito Steyerl gegenwartskünstlerisch mit einigen wichtigen Fragen unserer Zeit und setzt diese in Bezug mit der deplorablen Situation der Kurden im Nahen Osten. Ihr gelingt es dabei hervorragend, exzellent groteske Kontraste herzustellen, etwa wenn sie das Video eines Flüchtlingslagers mit AI Training Symbolik überblendet oder sich mit Siri bei einem Stadtspaziergang unterhält. (Bis 12.4.)

Vom MAK ist es nicht weit zur U4 und nach Heiligenstadt zum Roten Waschsalon, einem Ausstellungsraum im legendären Gemeindebau Karl-Marx-Hof, der sich thematisch mit dem Roten Wien beschäftigt. Die eben zu Ende gehende Schau widmete sich der famosen von den Nazis getöteten Käthe Leichter. Auf Schautafeln werden wir durch ihr Leben und ihre Leistungen geführt bis sie schließlich im KZ ermordet wurde. Ein beeindruckendes Lebenswerk. Die österreichische Sozialdemokratie würde solche Persönlichkeiten heute dringend brauchen.

Im Belvedere 21 sind gleich drei Ausstellungen zu sehen, die den Besuch lohnen. Am wichtigsten die Werkschau der Sue Williams, die sich schonungslos und schmerzvoll mit sexueller Gewalt gegen Frauen beschäftigt. In ihren früheren Werken zum Teil in schockierender Deutlichkeit. Im Spätwerk werden ihre Arbeiten zunehmend abstrakter und ornamentaler, ohne von ihrem Kernthema komplett wegzugehen. (bis 7.6.)

Im Untergeschoss die Installation Skin to Skin von Sandra Mujinga mit 55 überlebensgroßen Figuren und Spiegeln, die beim Durchgehen einen intensiven Eindruck hinterlassen. Dazu trägt auch die sphärenhafte Musik bei. Die hört man allerdings auch oben bei Sue Williams, wo sie so gar nicht passt. (bis 31.5.)

Im Keller des Belvedere 21 schließlich Friedl Kubelka mit über 100 Zeichnungen und Gouachen sowie ausgewählten experimentellen Filmen. (bis 7.6.)

Vom Belvedere 21 kann man ins neue Foto Arsenal Wien spazieren. Dort gibt es eine Daido Moriyama Retrospektive, den ich vorher nicht auf meinem Radar hatte. Er fing nach dem zweiten Weltkrieg in Japan ästhetisch innovativ den Alltag ein. Sein Markenzeichen wurden gröbkörnige Fotos.  Von der britischen Zeitung The Guardian wurde sie zur besten Fotoausstellung des Jahres gekürt, lese ich auf der Homepage. Die Ausstellungsfläche des Foto Arsenals ist relativ klein, deshalb fand ich sie mit den hunderten an Fotos und Gegenständen etwas überladen. Sehenswert aber unbedingt. (Bis 10.5.)

Für Michelle Piergoelams Across the Water, fehlte mir etwas die Geduld. Sie setzt sich intellektuell anspruchsvoll mit der Kolonialzeit auseinander, indem sie sich nicht nur semiotisch mit nativen Zeichensystemen beschäftigt. Dokumentarisches und Narratives ist komplex miteinander verwoben. Um das zu würdigen, bräuchte es eine intensive Vorbereitung. (Bis 10.5.)

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