Aktuelle Ausstellungen in Wien

Der Titel Animalia – Von Tieren und Menschen verrät den Fokus der aktuellen Sonderausstellung in der Heidi Horten Collection bereits hinreichend. Die Idee, den Menschen als Tier in die Tierwelt zu „integrieren“, ist löblich. Es sind viele sehenswerte Kunstwerke rund um das Thema zu sehen, von Klimt und Chagall bis Baselitz und Hirst. Nicht spektakulär, aber durchaus einen Besuch wert. (Bis 30.8.)

Fatima Hellberg ist die neue Leiterin des Wiener Museums für moderne Kunst und gibt mit Terminal Piece ihre Einstandsausstellung, die sich über das ganze Haus erstreckt und erfrischend abwechslungsreich und kompromisslos düster daherkommt. Sie beginnt im vierten Stock und dann geht es langsam abwärts. Namensgeber ist Kate Millets bedrückend wirkende Installation Terminal Piece, eine Reihe von Holzstühlen hinter einem Gitter, die diverse dystopische Assoziationen zulässt. Auf einem Stuhl sitzt eine Frauenfigur. Die Akte der Schau widmen sich unterschiedlichen Themen und zeigen etwa 400 Werke. Sehr sehenswert. (Bis 7.2.)

Auch für Nichtschwimmer beschäftigt sich anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Amalienbads im Roten Waschsalon mit dem Bäderwesen des Roten Wien. Wie gehabt besteht die Ausstellung aus großen textlastigen Tafeln, die mit diversen Quellenmaterialien wie Fotos und Zitaten angereichert sind. Man erfährt viel über diesen Aspekt des vorbildlichen Städtebaus der klassischen Wiener Sozialdemokratie. „Hübsch“ auch zu lesen, wie sich die bürgerlichen Medien über den Bau des Pracht-Amalienbads im Arbeiterbezirk empörten über diese architektonische Verschwendung an das Arbeitergesindel… (Bis 5.9.)

Dann war ich noch im Weltmuseum, wo die von mir gesehenen Ausstellungen aber inzwischen schon ausgelaufen sind. Sehr positiv überrascht war ich wieder einmal vom Museum für angewandte Kunst, das eine Vielzahl von spannenden Sonderausstellungen gleichzeitig zeigt. Inzwischen für mich einer der spannendsten Kunstorte der Stadt. Vor allem der Keller ist besuchenswert in Sachen hochwertiger Gegenwartskunst. Weiter oben findet man Christoph Schlingensief. Es ist nicht mehr mein Problem! Diese Würdigung krankt etwas daran, dass sich gerade Schlingensiefs performatives Werk so gar nicht für eine museale Präsentation eignet. Es gibt natürlich viele Videos etc. zu sehen. Ich habe mich aber trotz dieses konzeptuellen Problems sehr gerne an einige seiner Kunstaktionen erinnern lassen. (Bis 13.9.) Die Wiener Fotografin Barbara Pflaum kannte ich vorher zu meiner Schande gar nicht. Die Fotoausstellung Fenster des Alltags zeigt aber ein sowohl ästhetisch als auch politisch spannendes Wienbild (bis 16.8.).

Die Hauptausstellung im MAK ist Glanzstücke – Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection, die Schmuckproduktion mit den Highlights aus der Standardsammlung (Wiener Werkstätte etc.) ästhetisch und semantisch in Verbindung setzt. Sie ist erstaunlich umfangreich und hat mir etwas die mir fremde Welt der Schmuckproduktion erschlossen. (Bis 27.9.). Auch die Neuaufstellung von Teilen der Sammlung finde ich gelungen. Man könnte problemlos einen ganzen Tag im MAK verbringen derzeit.

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