Ausstellungen in Wien

Update am 22.9.18

Unteres Belvedere 08.09.18

Sag’s durch die Blume nennt sich die kleine Schau im Unteren Belvedere und ist fokussiert auf die Wiener Kunstgeschichte: Wiener Blumenmalerei von Waldmüller bis Klimt. Eigentlich kein Genre, das mich sehr anspricht, weshalb der kunsthistorische Aspekt für mich auch der interessanteste ist. Man sieht hübsch, wie sich die Ästhetik vom „Fotorealismus“ hin zu mehr impressionistischen Ansätzen verschiebt. (Bis 30.9.)

Kunsthistorisches Museum 8.9.18

Das vergessene Papyrus ist die Dokumentation eines kleinen Archäologiekrimis. Das Papyrus wurde nämlich erst 2013 in einem Ibis-Tonkegel der Sammlung entdeckt. Diese Entdeckung und die wissenschaftliche Arbeit daran wird in der Ausstellung ausführlich dokumentiert. Man sieht etwa auf einem Video im Detail den Restaurationsprozess und die Entrollung des Papyrus‘. Ebenso wird der aktuelle Stand der Hypothesenbildung vorgestellt, wann das Papyrus in den Tonkegel gegeben wurde. (Bis 16.9.)

Volkskundemuseum Wien 9.9.18

Das vieles immer besser wird, zeigt „Am Anfang war ich sehr verliebt…“ 40 Jahre Wiener Frauenhäuser. Alleine bei der Weiterentwicklung des Familienrechts hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verbessert. Man erinnere sich daran, dass Vergewaltigung in der Ehe erst seit vergleichsweise kurzer Zeit bestraft wird. Diese Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen wird am Rande dieser Schau auch thematisiert. Im Mittelpunkt steht aber die Geschichte der Wiener Frauenhäuser. Vom ersten Versuch bis zur Institutionalisierung. Diese Entwicklung wird nicht nur anhand von diversen Dokumenten nachgezeichnet, sondern auch in Form von Oral History: Ausgewählte Frauen erzählen ihre Geschichte. Sehr informativ und sehenswert. (Bis 30.9.)

Jüdisches Museum 9.9.18

Einmal mehr bewegt sich das Jüdische Museum ins Gebiet der Kultur- und Sozialgeschichte. In The Place to Be. Salons als Orte der Emanzipation wird nicht nur die berühmte Tradition des Wiener Salons aufgearbeitet, den so gut wie alle wichtigen Kulturschaffenden in der einen oder anderen Form vor dem ersten Weltkrieg frequentierten, sondern diese Geschichte wird auch bis zur Gegenwart fortgeschrieben. So betreibt die britische Botschaft in Wien eine Art modernes Salonformat. Auch die Fortsetzung der Salonkultur im kalifornischen Exil kommt nicht zu kurz. (Bis 14.10.)

Leopold Museum 10.9.18

Gleich vier sehenswerte Ausstellungen sind derzeit im Leopold Museum zu sehen. Als Touristenmagnet dient naturgemäß die Klimt-Ausstellung anlässlich des 100. Todestags. Für Klimt-Kenner ist hier freilich wenig Neues dabei (Bis 4.11.)

Wenig Neues gibt es auch in der großen Schiele-Ausstellung zu sehen, die als Jubiläumsschau vermarket wird. Sie ist deutlich umfangreicher als jene über Klimt und stellt die bekannten Meisterwerke aus der Sammlung einmal mehr neu zusammen: Dieses Mal in Themengruppen. Das ist kompetent umgesetzt und die existenzielle Malweise Schieles fand ich schon immer faszinierender als die dekorative Klimts. (Bis 4.11.)

Wirklich spannend sind die beiden Exhibitionen, welche eine Wiener Fotografin und einen Fotografen vorstellen. Madame D’Ora ist primär als Porträtistin der Reichen und Schönen bekannt. Hier sieht man aber ebenso ihre berühmten Intellektuellenporträts (Schnitzler, Alma Mahler…) als auch ihr kompromissloses Spätwerk, wo sie beispielsweise Fotos in Schlachthöfen schoss. Jede einzelne Phase ihres turbulenten Lebens wird ausführlich vorgestellt. (Bis 29.10)

Wer sich für die Wiener Moderne interessiert, kennt sicher seine Fotos. Nur wenige kennen allerdings seinen Namen: Moriz Nähr. Von ihm ist eines der bekanntesten Porträts von Gustav Mahler (als Hofoperndirektor), und eine der berühmtesten Fotoserien über Gustav Klimt, mit dem Nähr eng befreundet war. Weniger bekannt sind seine historischen Wien-Fotografien. So ist er gerne mit seiner Kamera durch den siebten Wiener Gemeindebezirk gezogen. Ein sehr gelungenes und sehenswertes Porträt. (Bis 29.10.)

Ringturm 10.9.18

Hier ist eine interessante politische Architekturausstellung zu sehen: Fundamente der Demokratie. Sie geht anhand von ausgewählten Monumentalbauten für Arbeiter der Aufwertung der Baukunst für die ärmeren Bevölkerungsschichten nach. Vorgestellt werden u.a. das Drucks- und Verlagshaus des Vorwärts, das Kongressbad Wien-Ottakring oder die Wiener Urania. Jedes Bauwerk wird beschreibend sowie mit Plänen und Fotos vorgestellt. Zeigt einmal mehr, welche Kulturleistungen das „Rote Wien“ (auch über die Stadtgrenzen hinaus) hervorbrachte. (Bis 14.9.)

Wien Museum 19.9.18

Diese große Schau über Otto Wagner ist sicher eines der gelungensten Projekte des Jahres. Das Wien Museum hat dafür den gesamten ersten Stock des Hauses frei geräumt. Wie sehr Wagner Wien geprägt hat, wird in vielen themenspezifischen Stationen herausgearbeitet. Dabei gehen die Kuratoren (einigermaßen) chronologisch vor. Es ist erstaunlich, wie viele Materialien hier aus diversen Archiven zusammengetragen wurden. Zeitgenössische Kunst- und Architekturzeitschriften sind nicht nur zu sehen: Man darf sie sogar durchblättern.
Die wichtigsten Bauten Otto Wagners in Wien sind hinreichend bekannt. Weniger bewusst war mir, wie viele spannende Ideen von ihm nicht umgesetzt wurden, weil den Verantwortlichen der Weitblick fehlte. Vieles wurde vom konservativen Habsburger Hof auch subtil sabotiert. Ausführlich wird das in der Ausstellung anhand des gescheiterten Karlsplatz-Projekts dokumentiert. (Bis 7.10.)

Mit Haut und Haar widmet sich die zweite Schau des Hauses einem sozialgeschichtlichen Thema und bereitet den Wiener Umgang mit der Körperkultur auf. Dabei werden nicht nur diverse historische Artefakte und Werkzeuge der Schönheitsindustrie gezeigt, sondern der Körperkult auch kritisch historisch aufgearbeitet. (Bis 6.1.)

Mumok 20.9.18

Ein gelungenes Plädoyer für die politische Fotografie ist Photo/Politics/Austria. Die österreichische Geschichte der letzten 100 Jahre wird in 100 kommentierten Fotos gezeigt. Eines der Ziele dabei: Zu demonstrieren, welche semantische Resonanz ein einziges Foto ausstrahlen kann. Zusätzlich gibt es pro Jahr noch ein paar Ergänzungen in einer kleinen Vitrine. Für mich eine der überzeugendsten Fotoausstellungen der letzten Jahre und auch ein wichtiger impliziter politischer Kommentare angesichts des aktuellen Rechtsrucks. (Bis 3.2.)

Architekturzentrum 20.9.18

Mit dem Mies van der Rohe Award zeichnet die EU herausragende architektonische Leistungen eines Jahres aus. In Europas beste Bauten sind nicht nur die beiden 2017er Preisträger, sondern auch viele Wettbewerbsbeiträge zu sehen. Darunter auch alle Nominierungen aus Österreich. Man kann sich also einen hervorragenden Überblick über die aktuelle Architektur verschaffen. Die Gewinner sind dieses Jahr zwei soziale Bauprojekte. Eines davon hat einen alten Plattenbau aus den sechziger Jahren kreativ revitalisiert: den Wohnblock Kleiburg. Neue Bewohner konnten sich beispielsweise günstig mehrere Wohnungen neben- bzw. übereinander kaufen und so ihre individuellen Wohnträume verwirklichen. Aus einem Slum wurde so wieder eine attraktive Wohngegend. (Bis 22.10.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

code