Kunstgeschichte

Reiseliteratur Japan

Diese beiden Bücher begleiteten mich im Oktober in Japan. Der Dumont Kunstreiseführer ist einer der schlechtesten der Reihe. Das liegt nicht am gelungenen Überblicksteil zu Beginn, sondern an fehlenden Inhalten. Fünf Seiten über Tokio sind naturgemäß eine Frechheit. Kyoto dagegen wird ausführlich abgehandelt. Der Rough Guide mit seinen Fokus auf praktischen Reiseinformationen hat sich so gut bewährt, wie seine Vorgängerbände, die ich nutzte.

Peter Pörtner: Japan. Von Buddhas Lächeln zum Design – Eine Reise durch 2500 Jahre japanischer Kunst und Kultur (Dumont Kunstreiseführer)

Sally McLaren: The Rough Guide to Japan (Rough Guides)

Exzellente Einführung in die Kunstgeschichte

Im deutschsprachigen Raum wird Kunstgeschichte ja gerne, wie auch andere Geisteswissenschaften, als Geheimwissenschaft betrieben. Man hält sich das normale Volk durch einen kunsthistorischen Jargon vom Leib, den auch Studenten erst nach einigen Semestern verstehen. Dass es auch ganz anders geht, zeigt diese brillante Einführung in die Kunstbetrachtung: How to Look at and Understand Great Art. Die Teaching Company preise ich hier ja bereits seit vielen Jahren an. Professor Sharon Latchaw Hirsh Ziel ist es, Museumsbesuchern die notwendigen Werkzeuge in die Hand zu geben, um Kunst aller Epochen würdigen zu können. Es wird keinerlei Vorwissen vorausgesetzt. Die Video-Vorlesung ist in zwei große Teile gegliedert: Im ersten wird man mit dem formalen Handwerkszeug der Künstler bekannt gemacht (Linien, Farben, Perspektive, Komposition, Drucktechniken etc.), im zweiten wird dieses Wissen dann chronologisch auf kunstgeschichtliche Epochen angewandt. Ich garantiere allen, die sich noch nicht systematisch mit Kunst beschäftigt haben, dass sie anschließend jedes Museum mit anderen Augen und deutlich mehr Erkenntnisgewinn betreten. Selbst ich, der ich seit vielen Jahren weltweit alle Museen unsicher mache, habe noch sehr davon profitiert.

Von den hohen Listenpreisen sollte man sich übrigens nicht abschrecken lassen. Jeder Kurs wird mehrmals pro Jahr radikal ermäßigt angeboten.

Sharon Latchaw Hirsh: How to Look at and Understand Great Art. 36 Lectures, 18 Stunden (Great Courses)

Dantes Vision

Dommuseum 8.11.

Wenn ich irgendwo „Dante“ lese, renne ich natürlich sofort in diese Richtung, selbst wenn sie mich ins Wiener Dommuseum führt. Die Göttliche Komödie zählt zu meinen Lieblingsbüchern, einige Notizen darüber gibt es selbstverständlich auch.

Ziel der Ausstellung mit dem Untertitel Durch die Hölle zum Licht ist es, künstlerische Auseinandersetzungen mit dem berühmten Buch aus dem 20. und 21. Jahrhundert zu zeigen. Im Mittelpunkt steht der Zyklus des deutschen Malers Theodor Zeller (1900 – 1986). Dessen figürliche Ästhetik wird freilich weder der Großartigkeit des Textes noch der Komplexität von dessen Inhalten gerecht. Es handelt sich um eine unreflektierte Illustrationsmalerei, welche die Grenze zum Kitsch nicht nur streift.

Ganz anders die wenigen Arbeiten des Russen Valery Kharitonov. Hier ist die Hölle so plastisch auf die Leinwand gebracht, dass sie teilweise wegen des dicken Farbauftrags reliefartig wirken. Wenigstens witzig sind die Bilder Markus Vallezas. So versucht er beispielsweise das Paradies in einer einzigen, hoch verdichteten Radierung zusammenzufassen, wobei die einzelnen Stationen durchnummeriert sind. Er nennt das Werk Himmelspizza.

Der Besuch der Ausstellung ist vor allem aus Meta-Interesse empfehlenswert. Zumindest mir war diese – teils fragwürdige – Art der Dante-Rezeption bisher unbekannt. Gleichzeitig bekommt man einen kunsthistorischen Einblick, wie weit heruntergekommen die katholische Kunst des 20. Jahrhunderts sein muss, wenn Maler wie Theodor Zeller auf das Podest gehoben werden müssen. Eine erbärmliche Sache, wenn man bedenkt, welche Meisterwerke der Katholizismus vom Mittelalter bis zum Barock inspirierte. (Bis 28.1.)

William Kloss: A History of European Art

TTC Video Lectures, 24h

Audio-Vorlesungen der Teaching Company hörte ich bereits eine Menge. Dieser Kurs auf DVD war eine Premiere. Kunstgeschichte zum Hören wäre naturgemäß auch eine fragwürdige Angelegenheit.
Es ist ein ambitioniertes Projekt, das sich Prof. Kloss vorgenommen hat: Eine Darstellung der europäischen Kunstgeschichte in 48 Teilen, jeder eine halbe Stunde lang. Das erlaubt keine besondere Tiefe, ist aber immerhin länger als eine klassische Uni-Vorlesung.

Historisch erstreckt sich der Kurs vom frühen Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt auf der Renaissance. Die Titel der einzelnen Abschnitte kann man dem ersten Link entnehmen. Kloss stellt hunderte von Gemälde (auch Skulpturen und Gebäude) vor, die er sorgfältig und ohne übertriebene hermeneutische Verrenkungen beschreibt. Es ist eine Schule des Sehens, die man in vierundzwanzig Stunden durchläuft. Eine sehr empfehlenswerte Angelegenheit.

Jack Flam: Space Man

„Paths to the Absolute: Mondrian, Malevich, Kandinsky, Pollock, Newman, Rothko, and Still“ by John Golding

(The New York Review of Books 7/2001)

Der Kunsthistoriker Jack Flam stellt die neue Studie über abstrakte Kunst vor. Sein positives Urteil* begründet er nicht zuletzt mit der genauen Darstellung des geistigen Kontextes der sieben Künstler. Erstaunlicherweise waren vor allem die europäischen Maler von mystisch-esoterischen Gedankengut starkt beeinflusst. Ausgerechnet die Theosophie fiel bei allen drei auf sehr fruchtbaren Boden:

The apocalyptic thinking and color theories of of the German Theosophical Society, deeply affected Kandinsky from the time he heard Steiner speak in 1909. Mondrian was particulary attracted to the Theosophist’s idea that all life is directed toward evolution and that progress toward the ultimate revelation of reality could be achieved through the balancing and reconciliation of opposing forces, a concept that informed his painting until the end of his life. Malevich, who was obsessed by the scientific an mystical properties of geometry, was devoted to the works of P.D. Uspensky, a follower of Madame Blavathsky, the founder of the Theosophical Society.

* Der Artikel befindet sich im kostenpflichtigen NYRB-Archiv.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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