Balzac

Balzac’s Omelette

Anke Muhlstein schrieb mit Balzac’s Omelette ein Buch, das sich mit Balzac aus gastronomischer Perspektive auseinandersetzt. Klingt witzig und ist vielleicht einen Versuch wert. Die ersten Rezensionen sind jedenfalls positiv, wie dieses Beispiel zeigt.

Balzac als Krisendeuter?

Die Welt beschäftigt sich in einem Artikel mit der Frage, warum die Balzac-Lektüre in Krisenzeiten besonders lohnenswert ist.

Neue Balzac-Ausgabe

Der Diogenes Verlag hat eine gebundene Werkausgabe mit ausgewählten Romanen und Erzählungen herausgebracht, und zwar in einer “gründlich revidierten Übersetzung”. Enthalten sind: ‘Der Talisman oder Das Chagrinleder’, ‘Vater Goriot’, ‘Eug‚nie Grandet’, ‘Verlorene Illusionen’, ‘Glanz und Elend der Kurtisanen’, ‘Vetter Pons oder Die beiden Musiker’, ‘Tante Lisbeth’. Und sieben Erzählungen: ‘Das rote Wirtshaus’, ‘Eine Leidenschaft in der Wüste’, ‘Sarrasine’, ‘Das unbekannte Meisterwerk’, ‘Colonel Chabert’, ‘Facino Cane’, ‘Das Mädchen mit den Goldaugen’.

Neue Balzac-Biographie

Diogenes Verlag (Amazon Partnerlink)

Johannes Wilms legt eine neue Biographie über diesen schillernden Klassiker vor. Laut Claudius Seidl in der heutigen Ausgabe der FAZ eine solide Arbeit, wenn auch etwas zu zynisch.

Balzac: Die Geschichte der Dreizehn

Insel Taschenbuch (Amazon Partnerlink)

Dieser Band enthält drei Erzählungen, die zwar alle drei diverse Schwächen aufweisen, aber durch Balzacs Erzähltalent ausbalanciert werden. “Ferragus, das Haupt der Verschworenen” erzählt kolportagereich die Geschichte eines raffinierten Verbrechers, dessen Tochter in die gute Gesellschaft einheiratete, und deren Sentiment für den Vater der Motor für die Handlung ist. Höhepunkt des Textes sind Balzacs sarkastische Beschreibungen des zeitgenössischen Paris.
“Die Duchesse de Langeais” entfaltet eine melodramatische Liebesgeschichte im Pariser Hochadel. Seltsam muten Balzacs seitenlange politische Exkursionen zur französischen Aristokratie an, die teilweise in idealisierte Lobeshymnen ausufern.

“Sex and Crime” stehen auch im Mittelpunkt von “Das Mädchen mit den Goldaugen”, ebenfalls angereichert mit fulminanten Passagen über Paris.

Balzac: Ein Junggesellenheim

insel taschenbuch (derzeit vergriffen, Amazon Partnerlink)

Ein selbst für Balzacs Verhältnisse ungewöhnlich inhaltsreicher Roman, dessen erste Hälfte in Paris und dessen zweite in einer Provinzstadt spielt, wo nicht nur ehemalige Offiziere der napoleonischen Armee ihr Unwesen treiben, sondern auch eine fulminant geschilderte Erbschaftsintrige im Gang ist.

Balzac zieht hier so gekonnt sämtliche epischen Register, dass man ihm seine bekannten Schwächen – das Balancieren auf der Grenze zur Kolportage an manchen Stellen – gerne nachsieht. Der Protagonist Philippe Bridau gehört jedenfalls in die Ehrenliga der Bösewichte der Weltliteratur.

Balzac: Pierrette. Roman

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Man kann der Trivialliteratur vieles vorwerfen, das Größte ihrer Verbrechen ist zweifellos, dass sie das Talent von Balzac beeinträchtigt hat: Das jahrelange Schreiben von Dutzendware hat sich auf viele seiner Werke durchgeschlagen.

In “Pierette” beispielsweise wird die Grenze zur Sentimentalität, diplomatisch formuliert, gelegentlich gestreift. Eine durchdachte Romankonstruktion gibt es kaum, der Roman setzt in mehreren langen, linearen Rückblenden an, um die Vorgeschichte zu erzählen. Ziemlich spät erst, wird das eigentliche Thema des Buches begonnen.

Das ungeheure Talent Balzacs zeigt sich daran, dass er trotz allem ein lesenswertes Buch geschrieben hat. Sein psychologisches Einfühlungsvermögen, die Schärfe seiner Figurenzeichnung, und schließlich das realistische, unsentimentale Ende, der Tod des misshandelten Kindes Pierrette, belegen das mehr als genug.

Balzac: Die alte Junger. Roman

insel tb bzw. Greifen Verlag (Amazon Partnerlinks)

Schlecht kommt sie weg, die Provinz samt den dort ansässigen “Spießbürger[n], welche auf der ausgetretenen Landstraße der Vorurteile einhertrotten” und “wo das Geistesleben von einer brutalen Gleichgültigkeit verfolgt wird”. Im Zentrum des Romans steht eine Frau, fromm, reich und dumm, um deren Hand sich drei höchst unterschiedliche Bewerber bemühen, die es alle drei auf ihr Geld abgesehen haben. Der unwürdigste zieht das große Los und ruiniert das Lebensglück seiner Gattin.
Alle Tugenden des Balzacschen Talents sind zu bewundern, von der treffend-bissigen Schilderungen der Figuren über die psychologische Treffsicherheit seiner Beobachtungen. Glänzend wird der Zusammenhang zwischen Frömmigkeit und Dummheit beschrieben.

Leider sind auch Balzacs bekannte Schwächen nicht zu übersehen. Der kleine Roman erschien im Herbst 1836 in Fortsetzungen, was sich ziemlich direkt in einem blockartigen Aufbau niederschlägt. So werden die drei Bewerber nacheinander in einer Art beschreibenden “Aufzählung” eingeführt, eine ästhetisch wenig elegante Vorgehensweise.

Mehr über Balzac in der “Welt”: “Du bist, wie Du gehst”

Balzac: Ursule Mirouet

Je mehr Romane von Balzac ich lese, desto klarer wird mir, dass meine Vorbehalte immer größer werden. Vor allem, wenn er zu schreiben aufhört, und zu denken anfängt, ist es manchmal kaum auszuhalten.

Beim vorliegenden Buch ist eine enthusiastisch-affirmative Darstellung des zeitgenössischen esoterischen Aberglaubens (Swedenborg, Mesmer) zu beklagen. Aber damit nicht genug, dieser Hokuspokus dient unglaubwürdigerweise dazu, einen alten Enzyklopädisten gegen Ende seines Lebens in einen lammfrommen Katholiken zu verwandeln.

Sobald sich Balzac hingegen auf seine eigentlichen erzählerischen Fähigkeiten besinnt und beispielsweise die boshafte Habgier der auf das Erbe des alten Mannes spekulierenden Verwandten schildert, ist der Roman stellenweise hervorragend. Insgesamt allerdings keine Konkurrenz für seine großen Romane (Verlorene Illusionen, Glanz und Elend der Kurtisanen, Eugenie Grandet …).

Balzac: Ursule Mirouet (detebe)

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"Stets profund und pointiert." (Diagonal vom 9. März 2013)

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