Publikationen

123

Ein beispielhaftes Hörbuch

Robert Musils “Der Mann ohne Eigenschaften” [2005]

Die Zweifler am Sinn von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im allgemeinen und an deren Kulturauftrag im besonderen, sollten einen genauen Blick auf den “Remix” des “Mann ohne Eigenschaften” werfen: In zweieinhalb Jahren verwandelten über vierzig Mitwirkende Musils Prosawerk in eine zwanzigstündige Hörbuchfassung. Wer nun denkt, der ORF wollte mit dieser geistreichen Initiative für einen österreichischen Autor einen wohltuenden Kontrapunkt zur geisttötenden Dauersportberieselung oder zur politischen Hofberichterstattung setzen, wird schnell eines Besseren belehrt. (1)

Dem Bayerischen Rundfunk, genauer der Abteilung “Hörspiel und Medienkunst” gebührt Anerkennung für diese Edition. Der Hörverlag publiziert das Ergebnis in einer gewichtigen Kassette, die nicht nur 20 CDs enthält, sondern auch ein siebenhundertseitiges Begleitbuch.

Diese beeindruckenden Rahmendaten wären nun völlig belanglos, hätten sie nicht zu einem überzeugenden künstlerischen Ergebnis geführt. Ästhetisch gelungene Hörbuchfassungen sind allerdings keine Seltenheit. Lohnte sich dieser gewaltige Aufwand, wenn am Ende “nur” ein zufriedenstellende Romanvertonung stünde? Der “MoE Remix” enthält jedoch eine höchst ungewöhnliche Komponente: er ist editionsphilologisch hochgradig interessant. Der MoE ist bekanntlich einer der berühmtesten unvollendeten Romane der Weltliteratur. Der Nachlass zu dem Buch beträgt etwa 6500 Manuskriptseiten. Die bisher in Buchform veröffentlichten Teile des Nachlasses sind (was Auswahl, Anordnung und Kommentierung angeht) unbefriedigend. Warum dies so ist, erläutert Walter Fanta (Robert-Musil-Institut Klagenfurt) ausführlich im Begleitband. Fanta ist als maßgeblicher Herausgeber der noch unpublizierten “Kommentierten digitalen Gesamtausgabe Robert Musil” (2) einer der besten Kenner der Materie. Er erarbeitete die Textauswahl, welche für den akustischen Nachlassteil herangezogen wurde. Zwei weitere Produktionsprinzipien ergänzen den philologischen Ansatz: Oberstes Gebot war Texttreue. Eingriffe in den Text waren tabu. Schließlich wird jede Textpassage mit einer gesprochenen, präzisen Stellenangabe versehen. Zwei Beispiele: “Zu den Lindner-Kapiteln. Schmierblatt Aufbau (1933/1934)” oder “Beim Rechtsanwalt. Kapitelgruppenentwurf (1928) und Kapitelentwurf (1933/1934)”.

Ohne an dieser Stelle weiter ins Detail gehen zu können, lässt sich konstatieren, dass mit dem “MoE Remix” die derzeit beste Bearbeitung des Nachlasses für ein größeres Lesepublikum vorliegt. Dass dies ein Hörbuch leisten muss – immerhin ist der komplette Text des “Remix” im Begleitbuch abgedruckt -, stellt dem Rowohlt Verlag kein gutes Zeugnis aus. Während andere Verlage wie S. Fischer ihre wichtigen Autoren in großen Editionen publizieren (z.B. die exzellente Frankfurter Thomas-Mann-Ausgabe), wird das Werk Robert Musils von Rowohlt seit vielen Jahren sträflich vernachlässigt. Leider kann Robert Musil nicht mehr wie kürzlich Wilhelm Genazino von Rowohlt zu Hanser wechseln …

Die literaturwissenschaftlich plausible Textauswahl bildet nun die Basis für das von Katarina Agathos und Herbert Kapfer entwickelte ästhetische Konzept. Angesichts des riesigen Umfangs des MoE mussten waren weitläufige Streichungen unvermeidlich. Ein Kriterium für diese Eliminationen war, dass die zentralen Erzählstränge gut repräsentiert bleiben (Parallelaktion, Ulrich/Agathe, Walter/Clarisse, Moosbrugger u.a.). Obwohl wichtige essayistische Stellen enthalten sind, kommt die abstrakte Ebene des Romans zugunsten der “Action” etwas zu kurz. Das schadet dem Ergebnis aber nur bedingt.

Die zwanzig Hörstunden teilen sich in etwa zehn Stunden Präsentation des bereits zu Lebzeiten veröffentlichten “kanonischen” Textes und in zehn Stunden Vertonung des Nachlass samt diverser Kommentare von Musilkennern.

Eine prominente und klug ausgewählte Schauspielerriege liest unter der Regie von Klaus Buhlert den Text. Willkürlich herausgegriffen seien Manfred Zapatka, Ulrich Matthes, Angela Winkler, Josef Bierbichler und Ignaz Kirchner. Dabei werden nicht nur die Figuren von unterschiedlichen Akteuren gelesen, sondern auch personenbezogene Passagen des Erzählers.

Über Musils Text legt sich zusätzlich eine Kommentarschicht, da Beiträge von Musilforschern (Walter Fanta, Karl Corino) und -kennern (Roger Willemsen, Alexander Kluge) den Primärtext ergänzen. Auch Elfriede Jelinek ist ausführlich zu hören, wenn sie ihre literarische Auseinandersetzung mit dem Moosbruggerstoff vorträgt.

Diese ästhetische Vorgehensweise passt gut zu Musils offener Ästhetik, und nach zwanzig Hörstunden bleibt ein abgerundeter Gesamteindruck zurück.

Etwas bremsen muss man allerdings den Enthusiasmus, der im Begleitbuch anklingt: Endlich läge nun eine adäquate neue Ausgabe für ein größeres Leserpublikum vor, heißt es da. Eine Auflagenhöhe von 1000 Stück und der Preis von 150 Euro dürften diesem hehren Ziel ebenso entgegenstehen wie die starken Textkürzungen.

Trotzdem ist der “MoE Remix” nicht nur Freunden Musils zu empfehlen. Wer bisher vor der Lektüre der zwei dicken Bände zurückschreckte, kann sich hier einen ersten Eindruck von den Qualitäten des Romans verschaffen. Wer danach nicht zu den Büchern oder zu Wolfram Bergers Komplettlesung greift, dem ist literarisch ohnehin nicht mehr zu helfen.

(1) Es hatte auch eine Weile gedauert, bis man sich am Küniglberg dazu durchringen konnte, die Komplettlesung des MoE durch Wolfram Berger in Ö1 auszustrahlen. Die mutigen Redakteure wählten den idealen Sendeplatz: Jeden Tag um 00:08. Bergers Lesung ist übrigens wohlfeil für 26 Euro im MP3-Format beim Zweitausendeins-Versand erhältlich.

(2) Als Erscheinungstermin der digitalen Edition wird 2007 genannt.

Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Remix. DHV – Der Hörverlag, München 2004 ISBN , CD, 149,00 EUR

Literatur und Kritik Nr. 397/398, September 2005

Moderne? Modernismus? Postmoderne?

Peter V. Zima bringt Licht ins Dunkel der aktuellen Theorienlandschaft [1998]

Für viele Literaturinteressierte ist der Begriff “Postmoderne” längst ein Reizwort, das durch inflationären Gebrauch beinahe bedeutungsleer geworden ist. Aber nur wenige Theoretiker scheinen sich dadurch gestört zu fühlen: In philosophischen, soziologischen und literaturtheoretischen Debatten spielt das Postmoderne-Konzept mangels Alternativen nach wie vor eine wichtige Rolle. Kluge Veröffentlichungen zum Thema erleichtern diese theoretische Zwangsgemeinschaft, eine davon soll im folgenden vorgestellt werden.

Peter V. Zima, Vorstand des Instituts für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Klagenfurt, publiziert in beeindruckender Regelmäßigkeit Studien, die als Standardwerke bezeichnet werden müssen. Nach Literarischer Ästhetik (1991) und Die Dekonstruktion (1994) ist nun Moderne/Postmoderne erschienen. Der Hauptvorzug liegt bei allen drei Bänden in der Kombination einer sehr differenzierten Analyse mit einer klaren Darstellungsweise. Angesichts der unnötigen Dunkelheit vieler literaturtheoretischer Publikationen, kann der hohe Grad an Lesbarkeit gar nicht genug hervorgehoben werden. Gilt doch in manchen Theoretiker-Zirkeln eine große Zahl an dunklen Metaphern bereits als Qualitätsnachweis, als ob stilistische Extravaganzen analytische Schärfe ersetzen könnten.

Die monographische Behandlung eines so komplexen Themas wie “Moderne/Postmoderne” ist ein gewagtes Unterfangen, denn es gilt eine Vielfalt von Problemfeldern zu berücksichtigen. Den wichtigsten von ihnen sind denn auch fünf Kapitel der Studie gewidmet, im sechsten skizziert Zima eine eigene Theorie. Am Beginn steht zu Recht die Frage nach der Bestimmung der relevanten Begriffe, werden doch “Moderne”, “Modernismus” und “Postmoderne” von verschiedenen Disziplinen unterschiedlich verwendet. Während in der Soziologie “Moderne” sehr oft synonym für “Neuzeit” gebraucht wird, bezeichnet er auf literarischem Gebiet eine ästhetische Konzeption, die (trotz Vorläufern im vorigen Jahrhundert) erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Blüte stand. Deshalb schlägt Zima für den literarischen Bereich den Begriff “Modernismus” vor, um Verwechslungen auszuschließen.

Umsichtig nimmt der Klagenfurter Literaturwissenschaftler mögliche Kritik vorweg, indem er seine Darstellung explizit als modifizierbare Konstruktionen begreift. Als Ausgangspunkt seiner Analyse dient ihm die These, daß Moderne, Modernismus und Postmoderne mit formalen und ästhetischen Kategorien allein nicht zu erfassen sind, dazu müsse auch der sprachliche, gesellschaftliche und soziologische Kontext berücksichtigt werden. Die Richtigkeit dieser Hypothese bestätigt sich im Verlauf der Untersuchung: Alle einschlägigen Publikationen, die ausschließlich mit formal-ästhetischen Kriterien arbeiten, beziehen sich jeweils nur auf einen Ausschnitt der literarischen Moderne und ignorieren Autoren, die sich nicht in die jeweilige Theorie einpassen lassen. Wie sollte man auch die Werke von Thomas Mann, Kafka, Joyce und Gide und anderen auf einen ästhetischen Nenner bringen? Bezöge man noch die diversen Avantgarden wie Futurismus und Dadaismus mit ein, wäre das Unterfangen gänzlich aussichtslos.

Angesichts dieser Problemlage widmet sich Zima zuerst soziologischen und philosophischen Fragestellungen. Die Antworten der Soziologen fallen erwartungsgemäß höchst unterschiedlich aus. Neben anderen werden einschlägige Publikationen von Ulrich Beck, Zygmunt Bauman, Alain Touraine und Anthony Giddens ebenso besprochen wie Bücher ökofeministischer, marxistischer und konservativer Provenienz. Dabei gelingt Zima stets eine sachliche Rekonstruktion der Theorien, ohne daß er deshalb auf kritische Argumente verzichten müßte.

Diese bewährte Darstellungsweise wendet der Literaturwissenschafter dann auch im Kapitel über postmoderne Philosophien an: Die Ansichten Foucaults, Deleuzes, Vattimos, Rortys und – selbstverständlich – Derridas werden prägnant analysiert. Habermas’ Kommunikationstheorie wird als universalistische Kontrastfolie für Lyotards extremen Partikularismus verwendet.

Nachdem der theoretische Kontext nun detailliert beschrieben wurde, wendet sich Zima der literaturwissenschaftlichen Debatte zu. Er schlägt folgendes literaturgeschichtliche Modell vor: Während in der realistischen Literatur des 19. Jahrhunderts Ambiguitäten zwischen Schein und Sein, Gut und Böse usw. noch aufgelöst werden konnten, wandeln sie sich im Modernismus zu Ambivalenzen, die unaufgelöst nebeneinander bestehen bleiben. In der Postmoderne wird die Ambivalenz durch die Indifferenz abgelöst: Werte werden beliebig austauschbar. Zima macht diese Sichtweise überwiegend an Beispielen österreichischer Literatur plausibel, etwa indem er Musils Drama “Die Schwärmer” Werner Schwabs “Mesalliance” gegenüberstellt. Ein Ergebnis sind zwei nützliche Kataloge, welche typische Stilbegriffe und damit verbundene philosophische Probleme für den Modernismus und die Postmoderne zusammenfassen und die auch literaturtheoretischen Laien einen schnellen Überblick erlauben.

Welchen Standpunkt nimmt nun Zima selbst in den heftig tobenden theoretischen Grundsatzdebatten ein? Er macht kein Geheimnis daraus, daß er in der Tradition der Frankfurter Schule steht. Diese teilweise unkritische Übernahme der Kritischen Theorie fordert zur Kritik heraus, etwa wenn er sich an mehreren Stellen auf Adornos und Horkheimers Theorie der Aufklärung beruft, ohne den fragwürdigen Aufklärungsbegriff der beiden zu thematisieren. Trotzdem wäre es unfair, Zima eine ideologische Haltung zu unterstellen, ist doch die Vermeidung ideologischer Fallstricke eines seiner Hauptanliegen. So fordert er im letzten Kapitel seines Buches eine dialogische Auseinandersetzung der unterschiedlichen theoretischen Lager, die jeweils monologisch ihre Positionen wiederholten: “Das Gehäuse des Monologs kann noch am ehesten durch interdiskursiven Dialog, durch interdiskursive Kritik aufgebrochen werden: d.h. durch eine Auseinandersetzung zwischen ideologische und theoretisch heterogenen Soziolekten und ihren Diskursen.” (S. 384)

Die Sympathie, die man diesem Vorschlag spontan entgegenbringt, darf aber über dessen Schwächen nicht hinwegtäuschen. Diese Gleichberechtigung der Diskurse setzt nämlich einen radikalen Konstruktivismus voraus: jeder Diskurs konstruiere eine jeweils eigenständige Wirklichkeit und sei deshalb gleichberechtigt mit allen anderen. Bezieht man sich dabei nur auf kognitive Prozesse, ist diese Feststellung banal. Zima scheint jedoch einen ontologischen Konstruktivismus zu befürworten, denn ohne diesen machte seine These von der Gleichberechtigung der Diskurse wenig Sinn. Das aber ist eine so starke und fragwürdige theoretische Grundannahme, daß es wenig aussichtsreich erscheint, daß sie von den Vertretern der unterschiedlichen Positionen als gemeinsame Basis akzeptiert werden könnte.

Doch auch wenn man Zimas anregende Lösungsvorschläge nicht ohne weiteres teilen mag: Sein Buch über “Moderne/Postmoderne” gehört zu den besten, die im deutschsprachigen Raum zu diesem Thema erschienen sind.

Peter V. Zima: Moderne/Postmoderne.. Gesellschaft, Philosophie, Literatur. Tübingen/Basel: A. Francke 1997 (=UTB 1967)

[© Christian Köllerer]

“Österreichische Literatur 1945 – 1998?

Über die neue Studie Klaus Zeyringers [1999]

In den letzten Jahren sind eine Reihe von Publikationen erschienen, die der Frage nachgehen, wie eine österreichische Literaturgeschichte auszusehen habe. Doch der Theorie folgte wenig Praxis, weshalb die umfangreiche Studie Klaus Zeyringers, Österreichische Literatur 1945 – 1998. Überblicke, Einschnitte, Wegmarken eine wichtige Lücke füllt. Zwar gibt es seit 1995 mit Wendelin Schmidt-Denglers Bruchlinien. Vorlesungen zur österreichischen Literatur 1945 bis 1990 einen Band, der einen ähnlichen Zeitraum abdeckt. Diese Vorlesungen sind zwar oft instruktiv, können aber eine Literaturgeschichte nicht ersetzen. Außerdem legt Zeyringer den Schwerpunkt auf die Literatur der neunziger Jahre, die bei Schmidt-Dengler nicht mehr berücksichtigt wird.

Damit ist bereits ein wichtiger Aspekt der neuen Publikation angesprochen, nämlich der Versuch, Literaturgeschichte bis in die unmittelbare Gegenwart fortzuschreiben. Obwohl sich die Germanistik inzwischen seit drei Jahrzehnten verstärkt mit der Gegenwartsliteratur auseinander setzt, ist gerade für die Literaturgeschichtsschreibung Gegenwartsbezug immer noch keine Selbstverständlichkeit. Das Buch ist in fünf größere Abschnitte gegliedert, deren erster die theoretische und methodische Rechtfertigung des Projektes liefert. Literaturgeschichte ist für Zeyringer nur als ein prinzipiell revisionsbedürftiges Projekt wissenschaftlich haltbar. An mehreren Stellen plädiert er dafür, den überlieferten Kanon kritisch zu reflektieren, obwohl er selbst naturgemäß nicht um die kanonisierten Autorinnen und Autoren der Nachkriegsliteratur herumkommt. Überzeugend sind seine Argumente, warum eine spezifisch österreichische Literaturgeschichtsschreibung nötig ist, indem er die unterschiedlichen Kontexte der österreichischen und deutschen Literatur herausstellt, die für ein genaues literarhistorisches Verständnis notwendigerweise berücksichtigt werden müßten. Ignoriert man diese Kontextbezogenheit von Literatur, führt das nicht selten zu absurden Ergebnissen, was Zeyringer anhand vieler Beispiele belegen kann. Das “Österreichische” seiner Literaturgeschichte ist also ausschließlich technischer Natur: Es geht ihm um die Verknüpfung literaturwissenschaftlicher, kultur- und sozialgeschichtlicher Arbeitsweisen, die es ermöglichten, Literatur in der Wechselbeziehung zu der gesellschaftlichen Realität in einem staatlichen und in einem historisch-regionalen Kommunikations-Zusammenhang darzustellen. Den sogenannten “österreichischen Mythos” will er demnach nicht weiterschreiben, sondern kritisch analysieren.

Der zweite Abschnitt bietet eine umfassenden Überblicksdarstellung über den gesamten Zeitraum und wäre allein schon den Kauf des Buches wert. Zeyringer gelingt es auf gut 150 Seiten nicht nur die wichtigsten Linien der österreichischen Literatur aus der Fülle des Materials überzeugend herauszuarbeiten, sondern darüber hinaus auch, eine umfassende Geschichte des Literaturbetriebs zu verfassen. Erstmals hat damit eine größere Leserschaft die Möglichkeit, sich unter anderem über Buchmarkt und Verlagswesen, die ästhetischen Frontstellungen der Autorenverbände (P.E.N., Grazer Autorenversammlung) sowie über die Entwicklung der “Literaturpolitik” zu informieren. Im nächsten Abschnitt, Überblicke, nähert sich der Autor seinem Gegenstand paradigmatisch aus verschiedenen Perspektiven. Am Beispiel Handkes, Brandstetters und Artmanns wird so die Auseinanderseetzung mit und gegen starre Sprachformeln thematisiert. Ein Kapitel beschäftigt sich mit dem überraschend häufigen Eis-Schnee-Motiv in der Prosa der späten siebziger Jahre, ein anderes mit dem symbolbefrachteten Motiv der Natur, man denke nur an die Romane Thomas Bernhards. Betrachtungen über die Lyrik Peter Turrinis und über die kritischen Dialektgedichte von Christine Nöstlinger, Annemarie Regensburger und Anna Nöst schließen diesen Teil der Studie.

Drei große Kapitel, in denen neuere Entwicklung jeweils gattungsbezogen beschrieben werden – Lyrik, Dramatik, Prosa -, stehen im Mittelpunkt des nächste Abschnitts, während der das Buch abschließende Teil einige speziellere Fragestellungen aufgreift, wie die intertextuelle Bernhard-Rezeption oder das Frankreich-Bild in der österreichischen Literatur. Dieser kurze Überblick sollte deutlich machen, daß es sich bei Zeyringers Studie, mit Ausnahme des zweiten Abschnitts, um keine tradtionelle Art der Literaturgeschichtsschreibung handelt, sondern daß er versucht, sich seinem Gegenstand paradigmatisch aus verschiedenen Perspektiven zu nähern. Trotzdem gelingt es ihm, wesentliche Teile der österreichischen Nachkriegsliteratur abzudecken, und es wäre nicht nur deshalb wenig sinnvoll, nach vermißten Literaten Ausschau zu halten. Interessanter ist meiner Meinung nach, Zeyringers literaturwissenschaftliche Konzeption und seine theoretischen Ansprüche an deren praktischer Umsetzung zu überprüfen.

Bei der Lektüre des Buches stößt man nämlich regelmäßig auf höchst polemische Passagen, die eher einem fulminanten literaturkritischen Verriß als einer literaturwissenschaftlichen Darstellung gleichen. So kann Josef Haslingers “Kolportage-Roman ‚Opernball‘” als “Primus in der Taferlklasse der Ästhetik gelten”, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen. Mir geht es hier wohlgemerkt nicht darum, ob diese Urteile zutreffend sind – die meisten sind es -, sondern inwiefern diese oft pamphletartig anmutenden Stellen literaturwissenschaftlich gerechtfertigt werden können, zumal sich Zeyringer explizit eine solche Vorgehensweise konzediert: Eine Überprüfung des Kunstanspruchs “müßte doch die Literaturwissenschaft besser leisten können als die schnelle Tageskritik” (S. 485). Wobei noch anzumerken wäre, daß er sich trotzdem sehr oft, teils zustimmend, teils ablehnend, auf Rezensionen bezieht.

In seinen theoretischen Überlegungen nimmt Zeyringer zu einigen Aspekten des literarischen Wertens Stellung. So kritisiert er berechtigterweise an dem Germanisten Wolfgang Kayser, daß dessen literarischer Maßstab nach 1945 zum Prügel geworden sei und das Benno von Wiese seine Wertmaßstäbe nicht offen legte. Zeyringer bezieht hier eine stark subjektivistische Position, wenn er schreibt ,der “Literaturbegriff sei Konvention” (S. 23), sowie, daß man ein ästhetisch begründetes System aus diversen Werken herauslesen könne, wenn man nur einigermaßen geschickt sei. Literaturwissenschaftlich lassen sich für diese Position plausible Argumente finden. S.J. Schmidt hat etwa in Die Selbstorganisation des Sozialsystems Literatur im 18. Jahrhundert (1989) die Entstehung der ästhetischen Konventionen detailliert beschrieben. Aber wenn literarische Wertung völlig subjektiv ist, woher nimmt Zeyringer dann die Rechtfertigung für seine oft sehr unerbittlichen Urteile, die ebenfalls an einen Prügel denken lassen?

In der Frage der ästhetischen Wertung kann man zwei Extrempositionen einnehmen. Die eine legt (fast) alle ästhetischen Werte in das Objekt der Kunstbetrachtung, der kompetente Betrachter (Leser) braucht sie dort nur noch aufzufinden. Die andere legt den ästhetischen Gehalt völlig in das Bewußtsein des Wahrnehmenden. Seine Einstellung sei es, welche die ästhetischen Eigenschaften des Objekts hervorbringe. Im ersten Fall sind die ästhetischen Werte also objektiv im Kunstwerk verankert, im zweiten “ereignet” sich das Kunstwerk im Kopf des Rezipienten. Da für Zeyringer der Literaturbegriff konventioneller Natur ist, vertritt er offenbar letztere Auffassung.

Ergänzt wird diese ästhetische Haltung durch seine Forderung nach einem erweiterten Literaturbegriff, also die Berücksichtigung beispielsweise von Trivialliteratur. Das ist einerseits eine Selbstverständlichkeit für eine Literaturgeschichtsschreibung, die sich auch als Sozialgeschichte versteht. Andererseits führt das im konkreten Fall zu Spannungen mit Zeyringers sonstigen Wertmaßstäben. Denn er läßt im allgemeinen keinen Zweifel daran, daß er der literarischen Moderne und Avantgarde sehr positiv gegenübersteht: “Wenn Literatur nicht glatte Fassaden vortäuschen soll, sondern die Risse und Brüche aktueller Realitäten, Bilder, Identitäten, Bewußtseinszustände künstlerisch fruchtbar machen will, dann muß sie entsprechende Techniken, Konzeptionen, Sprachprogramme entwerfen, die eben die Möglichkeiten geben, in Tiefen der Wirklichkeiten, der Wahrnehmung, des Bewußtseins zu dringen und die mitzuteilen.” (S. 206) Diese Feststellung ist sehr treffend und verdient es, so ausführlich zitiert zu werden. Allerdings stellt man sich die Frage, wie sie beispielsweise mit dem Versuch Walter Gronds zu vereinbaren ist, der mit wenig plausiblen Argumenten versucht, Simmel als Vorreiter der Postmoderne zu salonfähig zu machen, was von Zeyringer ausführlich und kritiklos referiert wird (S. 147). Andererseits wird Christian Ransmayrs Roman Morbus Kitahara als “Erinnerungs-Kitsch” heftig kritisiert oder Robert Menasses Schubumkehr vorgeworfen, daß dessen Geschichte nur Kulisse bleibe. Beide Romane sind literarisch wesentlich anspruchsvoller als die Simmels, so daß es inkonsistent ist, die “Rehabilitierung” von dessen Büchern zu fordern und gleichzeitig wesentlich gelungenere Werke ästhetisch zu verdammen.

Es ist schade, daß Zeyringer seine Fülle kluger literaturtheoretischer Bemerkungen, wie die eben zitierte, durch die beschriebene subjektivistische Ästhetikauffassung selbst als konventionell entkräftet. Vernünftiger wäre es meiner Ansicht nach, einen Mittelweg zu finden, dahingehend, daß man zwar die Rolle des Rezipienten bei der Kunstbetrachtung entsprechend würdigt, ohne deshalb jedoch dem Objekt der Anschauung vor vornherein alle ästhetischen Eigenschaften abzusprechen. Die Annahme gewisser ästhetischer Strukturen im Objekt führt nicht zwangsläufig zu einer starren ästhetischen Werthaltung, schlösse aber eine wenig erstrebenswerte Beliebigkeit des Wertens aus. Eine solche gemäßigte Theorie wäre eine wesentlich solidere Basis für die zahlreichen apodiktischen Wertungen Zeyringers gewesen.

Auch wenn von einem wissenschaftstheoretischen Standpunkt aus Zeyringers massive Wertungen und der angeschlagene Ton (“Im Literarischen Quartett grinsen die Werbekönige von ihren Trumpfkarten…” (216)) nur schwer zu rechtfertigen sein dürften, so sind seine literarischen Urteile doch von einer treffenden Klarsichtigkeit. Der interessierte Leser braucht sich also von den vorgetragenen literaturwissenschaftlichen Einwänden nicht irritieren zu lassen. Zeyringers Buch über die österreichische Nachkriegsliteratur ist derzeit konkurrenzlos und wird es vermutlich auch noch einige Zeit bleiben. Eine Pflichtlektüre für alle, die sich für österreichische Literatur interessieren.

Klaus Zeyringer: Österreichische Literatur 1945-1998. Überblicke, Einschnitte, Wegmarken. 640 Seiten. Innsbruck: Haymon 1999

[Literatur und Kritik Nr. 337/338, September 1999; © Christian Köllerer]

Israel, Ende Februar – Ein Kulturbrief [2006]

Pünktlich landet der Flug OS 0857 in Tel Aviv, und die Stewardess spult mit üblicher Routine ihre Hinweise über die möglichen unerwünschten Auswirkungen der Schwerkraft auf das Handgepäck ab. Abweichend vom Standardtext wünscht sie den Passagieren schließlich keine “pleasant”, sondern “a safe journey”. Willkommen im Nahen Osten.

Die Palästinenser entschlossen sich vor wenigen Wochen, ihre politische Zukunft den Islamisten der Hamas anzuvertrauen. Der Karikaturenstreit überschritt den ersten Höhepunkt und man wurde des Flaggenverbrennens langsam überdrüssig. Die mediale Mobilmachung von CNN & Co. noch im Bewusstsein, will ich dieser Inszenierung eigene Erfahrungen entgegen setzen.

Ist man als Europäer tatsächlich das neue Feindbild in der arabischen Welt? Abgesehen vom Gazastreifen und der Westbank, bietet Ost-Jerusalem wohl die beste Gelegenheit, mit Arabern ins Gespräch zu kommen. Mein Hotel “The Olive Tree” liegt im besetzten Osten der Stadt, unweit des arabischen Teils der Altstadt. Die Warnungen der deutschen Obrigkeit in den Wind schlagend, welche große Vorsicht beim Besuch der historischen Viertel dringend ans Herz legte, spaziere ich durch das Damaskustor in das Gassenlabyrinth. Schon bald nähert sich mir eine Gruppe arabischer Jugendlicher. Mich skeptisch musternd kamen sie langsam näher, um mir dann lachend ein “Welcome in Jerusalem” zuzurufen. Animositäten gegen Europäer kann ich trotz ausgiebiger Fußmärsche nicht beobachten. Die Stimmung auf arabischer Seite ist gedrückt, was angesichts der Omnipräsenz des israelischen Militärs wenig überrascht. Größere Gruppen junger Wehrpflichtiger mit ihren Sturmgewehren auf dem Rücken patrouillieren durch die engen Gassen. Die Schaufenster, die ab und zu mit großen Portraits Arafats geschmückt sind, scheinen sie nicht zu stören.

Die Allgegenwärtigkeit von Waffen ist für in Mitteleuropa sozialisierte Menschen verblüffend. Junge Rekruten sind stets in voller Bewaffnung auf der Straße unterwegs. Selbst am Frühstücksbuffet des Ramon Inn, seines Zeichens das einzige Hotel in der verschlafenen Wüstenstadt Mizpe Ramon, holen sich zwei junge Männer mit umgehängtem Gewehr ihr Gebäck. Schulklassen müssen laut Gesetz von mindestens zwei bewaffneten Erwachsenen begleitet werden, so dass es schon Sechsjährigen nicht verborgen bleiben kann, dass sie ihres Lebens nicht sicher sind. Israel erweckt von den Golanhöhen im Norden bis zum vierhundert Kilometer entfernten Eilat am Roten Meer den Eindruck großer Wehrhaftigkeit. Allzeit zu allem bereit scheint das Motto vor allem der Jugend zu sein. In Yad Vashem weist mich ein Angestellter darauf hin, dass es viele Jugendliche nur schwer akzeptieren könnten, dass die europäischen Juden dem Völkermord nicht mehr Widerstand leisteten. In Zukunft nie mehr wehrlos sein zu wollen, ist offenkundig wichtiger Teil der Mentalität der jungen Israeli.

Die ständigen Sicherheitskontrollen verschärfen diesen Eindruck zusätzlich. Selbst beim Besuch eines Dorfgasthauses in En Kerem muss man seine Taschen entleeren und erträgt geduldig das Piepsen des Metalldetektors.

Es lasse sich kaum Geld verdienen, erklärte mir ein junger Jerusalemer Taxifahrer, um anschließend ausgiebig über die schlechte allgemeine wirtschaftliche Lage zu klagen. Ein fliegender Souvenirverkäufer, der trotz der wenigen Touristen in Jerusalem sein Glück versucht, erzählt mir, er komme eigentlich aus Bethlehem, wo angesichts der angespannten Lage nun die Touristen schon wieder ausblieben, und er nicht wisse, wie er seine Familie ernähren soll. In der zweiten Jahreshälfte 2005 kam der Tourismus langsam wieder in Schwung. Es wird sich weisen, ob das nur eine kurze Unterbrechung der jahrelangen Flaute war.

Während der klassische Tourist seit der zweiten Intifada Israel als Reiseziel mied, galt dies nur eingeschränkt für Pilger. Wer mit göttlichem Beistand reist, sieht offenbar potenzielle Gefährdungen weniger dramatisch. Überhaupt dürfte es weltweit kein Land geben, in dem sich eine so große Vielfalt an Religionen samt ihren Anhängern beobachten lässt. Allein in Jerusalem sind die Varianten des Christentums kaum zu zählen. Wer im komplexen Geflecht der feinen theologischen Unterschiede den Überblick verliert, kann sich vertrauensvoll an das “Christian Information Center” beim Jaffator wenden. Die Eifersüchteleien der einzelnen Konfessionen über die Heiligen Stätten sind legendär und wurden mit der religiösen Streitereien eigenen Verbissenheit geführt. 1757 versorgten griechische Mönche beispielsweise ihre Anhänger mit Waffen und metaphysischer Munition, worauf diese in der Nacht vor Palmsonntag nicht nur Vandalenakte in der Basilika des Heiligen Grabes verübten, sondern im Anschluss daran auch noch das Kloster der Minoriten stürmten, um die Mönche zu massakrieren. 1873 und 1901 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen griechisch-orthodoxen und katholischen Mönchen. Wer sich für diese und andere Akte der Nächstenliebe interessiert, dem sei Bernard Wassersteins Monographie “Jerusalem. Der Kampf um die heilige Stadt” (München 2002) empfohlen. Der Schlüssel der Grabeskirche wird deshalb sinnigerweise seit vielen Generationen von einer moslemischen Familie verwahrt. Raufereien zwischen kirchlichen Würdenträgern konnte ich nicht beobachten. Sogar die beiden Malteser Ritter mit ihren pittoresken weißen Umhängen hatten ihre Schwerter zu Hause gelassen. Aber trotz der ungeheuren Zahl an Kirchen in der Jerusalemer Altstadt stellt man unschwer fest, dass die konfessionellen Einflusssphären streng abgegrenzt sind. Am augenscheinlichsten schlägt sich das in den verschiedenen Räumen der Grabeskirche nieder. Durch die vielen Anbauten entstand ein architektonischer Moloch, der zwar hintersinnige religionsphilosophische Analogien nahe legt, aber Freunde der Baukunst nur den Kopf schütteln lässt.

Die christlichen Stätten im Norden sind weniger beeindruckend. Rund um den See Genezareth gibt es in Kafarnaum (Kefar Nahum) eine sehenswerte Ausgrabungsstätte. Es handelt sich um ein Fischerdorf aus der Zeit des Neuen Testaments. Die Strukturen der Wohnhäuser sind gut erkennbar. Daneben das (angebliche) Haus des Petrus, der bekanntlich sofort die Gelegenheit ergriff, seinen mühseligen Fischerberuf samt Familie zu verlassen, und sich auf den bequemeren Beruf des Apostels verlegte.

Unweit davon, auf dem Hügel Schech’ Ali (Berg der Seligpreisungen), dem legendären Ort der Bergpredigt, befindet sich die in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts von Antonio Baluzzi errichtete elegante Kirche. Innen singt, nein schreit eine vermutlich südkoreanische Pilgergruppe, offenbar in der Annahme, im Himmel gäbe es keine Hörgeräte. An vielen dieser christlichen Stätten sind nur moderne Gebäude mit bescheidenen ästhetischen Qualitäten zu finden. Deshalb ist es oft lohnender, anstatt der Bauwerke die Pilger zu beobachten.

An Nazareth lässt sich schön eines der Prinzipien der historischen Jesusforschung demonstrieren. Es besagt, dass Überlieferungen, für deren Erfindung es keinen guten Grund gibt, mit höherer Wahrscheinlichkeit authentisch sind, als andere. Nazareth war zu Zeiten Jesus’ ein unbedeutendes Dorf, das im Alten Testament nicht erwähnt wird. Es gab also keinen ideologisch plausiblen Grund, Jesus ausgerechnet in diesem Kaff aufwachsen zu lassen.

Synagogen gibt es in Jerusalem ebenfalls in großer Anzahl. Nach der Besichtigung unzähliger Kirchen benötigt man etwas Zeit, um sich vom Entblößen des Kopfes als Respektbekundung auf das Bedecken desselben zum selben frommen Zweck umzustellen. Wer sich mit der Geschichte des Synagogenbaus beschäftigen will, sollte unbedingt das Israel Museum besuchen, in dem man drei historische Innenräume mit Originalteilen rekonstruiert hat. (indisch, italienisch und bayerisch).

An der Klagemauer herrscht Hochbetrieb. Neben den zahlreichen Betenden findet dort eine Bar Mizwa statt. Als junger Katholik erhält man als Zeichen der Vollmitgliedschaft von seinem Bischof eine symbolische Ohrfeige, auf das kein Zweifel über die Autoritätsverhältnisse bestehe. Eine Bar Mizwa dagegen läuft als fröhliches Fest ab. Die Stimmung ist heiter und ausgelassen. Der Junge wird lachend von Verwandten auf den Schultern getragen. Andere lassen Süßigkeiten auf die Feiernden herabregnen.

Nun sind, schon aus Gründen der religiösen Ausgewogenheit, noch ein paar Worte über den Islam angebracht. Während es Juden von ihrem Rabbinat streng verboten ist, den Tempelberg zu besteigen, darf man als Reisender am Morgen dieses berühmte Wahrzeichen der Stadt kurz betreten. Jerusalem gilt im Islam (nach Mekka und Medina) als die drittheiligste Stadt und ist damit selbstverständlich auch das religiöse Zentrum der Muslime in Israel. Leider kann man die Al Aqsa Moschee seit Ausbruch der zweiten Intifada nicht mehr besichtigen.

Steht man auf dem Tempelberg mit der Klagemauer unter sich und den zahlreichen Kirchen in der Altstadt vor sich, denkt man zwangsläufig über die Zukunft dieser außergewöhnlichen Stadt nach. Der Blick fällt auf die schwer bewaffneten Soldaten und die Gedanken kreisen um den gordischen Knoten des religiösen und politischen Hasses. Skeptisch steige ich hinab in die turbulente Altstadt und versuche, die Erkenntnis beiseite zu schieben, dass die Jerusalemfrage noch sehr lange die Weltöffentlichkeit beschäftigen wird.

[Literatur und Kritik Mai 2006; © Christian Köllerer]

Karl Corino: Robert Musil. Eine Biographie

Corinos penible Rekonstruktion eines Schriftstellerlebens

Jahrzehntelang beschäftigt sich Karl Corino bereits mit Leben und Werk des Robert Musil (1880 – 1942) und zieht nun mit seiner gewichtigen Biographie ein vorläufiges Fazit dieser Bemühungen. Mehr als zweitausend faktenreiche Seiten erwarten den Interessierten. Etwa vierhundert davon sind akribischen Fußnoten vorbehalten, die Corinos Besessenheit, auch noch die entlegendsten Details aufzustöbern, besonders eindrucksvoll belegen. Man fühlt sich an den Faktenenthusiasmus des literaturwissenschaftlichen Positivismus im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erinnert.

Das Buch besteht aus fünfundvierzig Kapiteln, die in chronologischer Abfolge die Lebensstationen Musils behandeln. Einige davon beschäftigen sich ausführlich mit dem Umfeld des Autors, so mit Vorfahren und Verwandten (Kap. 2), dem Freund Johannes von Allesch (Kap. 7), oder mit dem (Vor)Leben seiner Gattin Martha (Kap. 12). Andere enthalten Exkurse, etwa über des Autors Beziehung zum Sport (Kap. 25) und Film (Kap. 32).

Für Musilkenner finden sich cum grano salis wenig neue Erkenntnisse, aber das ist mehr ein Verdienst als ein Versäumnis des Biographen, publizierte Corino doch viele seiner Ergebnisse bereits in Aufsätzen und in seinem Bildband “Robert Musil. Leben und Werk in Bildern und Texten” (1988). Die Summe der lebensgeschichtlichen Forschung nun nicht mehr verstreut, sondern “enzyklopädisch” in einem Band vorliegen zu haben, ist nicht nur aus Gründen der Bequemlichkeit höchst erfreulich.

Eine Stärke Corinos liegt darin, mit historischen Quellen zu arbeiten, um Licht auf Lebensumstände Musils zu werfen. Im dritten Kapitel “Im A-Loch des Teufels” über dessen Kadettenjahre zitiert er beispielsweise die Selbstdarstellungen der Militärunterrealschule in Eisenstadt und der Militär-Oberrealschule in Mährisch-Weißkirchen, um diesen kakanischen Kitsch mit dem brutalen Alltag der Zöglinge zu kontrastieren. Dabei greift der Autor plausibel auf Memoiren des späteren Generals Edmund Glaise von Horstenau zurück.

Über Musils intellektuelles Weltbild ist viel geschrieben worden: Die Bandbreite der Positionen reicht von naturwissenschaftlich-rational bis zum wenig überzeugenden Postulat, der diplomierte Ingenieur sei ein Vorläufer postmoderner Beliebigkeit. Wer sich für Musils geistigen Werdegang interessiert, erfährt bei Corino zwar alle mehr oder minder bekannten Tatsachen über Buchlektüren und theoretischer Beschäftigung -, aber dieser positivistische Ansatz trägt nur bedingt zu einem Gesamtbild bei.

Das sechste Kapitel, welches Musils Philosophiestudium in Berlin zum Thema hat, ist leider eines der kürzesten des Buches. Abgesehen von einem kurzen Referat über Gestaltpsychologie hält sich Corino ziemlich bedeckt. Mehr als kompensiert wird dieses Defizit durch die ausführliche Schilderung des geschichtlichen und kulturellen Kontextes der einzelnen Lebenssituationen. Ob es sich um Wien oder Berlin, um Literatur- oder Verlagspolitik handelt, der Leser wird mit gebührlicher Ausführlichkeit darüber unterrichtet.

Die biographischen Verdienste des Buches sind seit seinem Erscheinen ausführlich und berechtigterweise gewürdigt worden. Zu kurz kam bisher eine Analyse von Corinos Methode. Sein legitimes Ziel, Musils Leben so penibel wie möglich zu rekonstruieren, stößt immer wieder an eine Grenze: der des fehlenden Materials. Nun ist es das Schicksal des Biographen, dass es zu gewissen Fragen keine adäquaten Quellen gibt. Mut zur Lücke zu bekennen und die Leserschaft darauf hinzuweisen, ist jedoch nicht der Weg, den Corino einschlägt.

Er treibt seinen Ansatz so weit, dass er Musils literarische Texte wörtlich als biographische Quellen zitiert, so als hätte Literatur exakt denselben Stellenwert wie Briefe, Tagebücher und andere Zeitzeugnisse. Eine wie auch immer geartete Differenz, sei es philosophisch (ontologisch, ästhetisch) oder sei es sprachlich (literaturtheoretisch, pragmatisch), wird durch dieses Verfahren explizit nicht anerkannt, anderenfalls wäre das umstandslose Zitieren von literarischen Texten als biographische Belege undenkbar.

Die literaturtheoretischen Diskussionen der letzten Jahrzehnte mögen extrem kontrovers geführt worden sein. Als kleinster gemeinsamer Nenner ließ sich aber immer feststellen, dass Literatur ein polyvalenter, vielschichtiger Gegenstand sei, der sich nur unter großen semantischen Verlusten in einen nicht literarischen Text transferieren lasse. Diese Feststellung würde ein Anhänger der Empirischen Literaturwissenschaft ebenso unterschreiben wie ein Dekonstruktivist, um zwei möglichst weit voneinander gelegene Positionen zu nehmen.

Corinos befremdliche Vorgehensweise lässt sich am besten anhand des neunten Kapitel zeigen, in dem er sich mit dem schwierigen Verhältnis Musils zu Herma Dietz und deren frühen Tod beschäftigt:
“Durch die Krise mit Herma veränderte sich auch Musils Verhältnis zu seiner Mutter. Er kam nicht darum herum, Vergleiche zwischen Hermine I und Hermine II zu ziehen.” (281)
Der Beleg für diese Änderung der Beziehung Musils zu seiner Mutter? Ein Zitat aus der Novelle “Tonka” auch “die Mutter war einmal ein Mädchen, das mehr noch als Tonka [!] zu ihm gepasst hätte.” (281) Herma, die reale Freundin, und Tonka, eine literarische Kunstfigur, werden im gesamten Kapitel verwendet als seien beide identisch.

An manchen Stellen fühlt man sich sogar an Platons Idealstaat erinnert, aus dem der Philosoph bekanntlich alle Dichter verbannt wissen wollte, weil diese die Realität durch Lügen entstellten. Als Corino auf die Möglichkeit zu sprechen kommt, dass Musil Herma mit Syphilis infiziert haben könnte, ist er empört darüber, dass der männliche Held in “Tonka” nicht auch krank ist: “[...] zeigen, wie heftig Musil versuchte, den Verdacht gegen sich herunterzuspielen, – lässt er sich in der Novelle über Tonka doch sogar zu der (die Aporie des Lesers steigendern Behauptung) hinreißen [!], die Ärzte hätten an seinem Helden “ja nie eine Krankheit finden können” (P 303).” (282)
Corino macht Musil den moralischen Vorwurf, dass er in einem literarischen Werk von einem biographischen Faktum abweiche, so als sei eine Novelle eine eidesstattliche Erklärung, die nur der Wahrheit verpflichtet sei. Liegen jedoch genügend nicht-literarische Quellen vor, was erfreulicherweise die Regel ist, findet man in Corino einen hervorragenden Ausleger und Vermittler, der seinem “Forschungsobjekt” auch mit hinreichender Distanz begegnet.

Das Buch ist, mit der erläuterten methodischen Einschränkung, ein kaum mehr zu übertreffender Meilenstein in der biographischen Musilforschung, dessen Lektüre unbedingt lohnt.

Corino, Karl: Robert Musil. Eine Biographie (Rowohlt) ISBN 3-498-00891-9 Gebunden 2048 Seiten 78 Euro

[Literatur und Kritik Juli 2005; © Christian Köllerer]

Israel, Ende Februar [2006]. Ein Kulturbrief

[Nachzulesen in "Literatur und Kritik" Mai 2006]

Pünktlich landet der Flug OS 0857 in Tel Aviv, und die Stewardess spult mit üblicher Routine ihre Hinweise über die möglichen unerwünschten Auswirkungen der Schwerkraft auf das Handgepäck ab. Abweichend vom Standardtext wünscht sie den Passagieren schließlich keine “pleasant”, sondern “a safe journey”. Willkommen im Nahen Osten.

Die Palästinenser entschlossen sich vor wenigen Wochen, ihre politische Zukunft den Islamisten der Hamas anzuvertrauen. Der Karikaturenstreit überschritt den ersten Höhepunkt und man wurde des Flaggenverbrennens langsam überdrüssig. Die mediale Mobilmachung von CNN & Co. noch im Bewusstsein, will ich dieser Inszenierung eigene Erfahrungen entgegen setzen.
Ist man als Europäer tatsächlich das neue Feindbild in der arabischen Welt? Abgesehen vom Gazastreifen und der Westbank, bietet Ost-Jerusalem wohl die beste Gelegenheit, mit Arabern ins Gespräch zu kommen. Mein Hotel “The Olive Tree” liegt im besetzten Osten der Stadt, unweit des arabischen Teils der Altstadt. Die Warnungen der deutschen Obrigkeit in den Wind schlagend, welche große Vorsicht beim Besuch der historischen Viertel dringend ans Herz legte, spaziere ich durch das Damaskustor in das Gassenlabyrinth. Schon bald nähert sich mir eine Gruppe arabischer Jugendlicher. Mich skeptisch musternd kamen sie langsam näher, um mir dann lachend ein “Welcome in Jerusalem” zuzurufen. Animositäten gegen Europäer kann ich trotz ausgiebiger Fußmärsche nicht beobachten. Die Stimmung auf arabischer Seite ist gedrückt, was angesichts der Omnipräsenz des israelischen Militärs wenig überrascht. Größere Gruppen junger Wehrpflichtiger mit ihren Sturmgewehren auf dem Rücken patrouillieren durch die engen Gassen. Die Schaufenster, die ab und zu mit großen Portraits Arafats geschmückt sind, scheinen sie nicht zu stören.

Die Allgegenwärtigkeit von Waffen ist für in Mitteleuropa sozialisierte Menschen verblüffend. Junge Rekruten sind stets in voller Bewaffnung auf der Straße unterwegs. Selbst am Frühstücksbuffet des Ramon Inn, seines Zeichens das einzige Hotel in der verschlafenen Wüstenstadt Mizpe Ramon, holen sich zwei junge Männer mit umgehängtem Gewehr ihr Gebäck. Schulklassen müssen laut Gesetz von mindestens zwei bewaffneten Erwachsenen begleitet werden, so dass es schon Sechsjährigen nicht verborgen bleiben kann, dass sie ihres Lebens nicht sicher sind. Israel erweckt von den Golanhöhen im Norden bis zum vierhundert Kilometer entfernten Eilat am Roten Meer den Eindruck großer Wehrhaftigkeit. Allzeit zu allem bereit scheint das Motto vor allem der Jugend zu sein. In Yad Vashem weist mich ein Angestellter darauf hin, dass es viele Jugendliche nur schwer akzeptieren könnten, dass die europäischen Juden dem Völkermord nicht mehr Widerstand leisteten. In Zukunft nie mehr wehrlos sein zu wollen, ist offenkundig wichtiger Teil der Mentalität der jungen Israeli.

Die ständigen Sicherheitskontrollen verschärfen diesen Eindruck zusätzlich. Selbst beim Besuch eines Dorfgasthauses in En Kerem muss man seine Taschen entleeren und erträgt geduldig das Piepsen des Metalldetektors.

Es lasse sich kaum Geld verdienen, erklärte mir ein junger Jerusalemer Taxifahrer, um anschließend ausgiebig über die schlechte allgemeine wirtschaftliche Lage zu klagen. Ein fliegender Souvenirverkäufer, der trotz der wenigen Touristen in Jerusalem sein Glück versucht, erzählt mir, er komme eigentlich aus Bethlehem, wo angesichts der angespannten Lage nun die Touristen schon wieder ausblieben, und er nicht wisse, wie er seine Familie ernähren soll. In der zweiten Jahreshälfte 2005 kam der Tourismus langsam wieder in Schwung. Es wird sich weisen, ob das nur eine kurze Unterbrechung der jahrelangen Flaute war.

Während der klassische Tourist seit der zweiten Intifada Israel als Reiseziel mied, galt dies nur eingeschränkt für Pilger. Wer mit göttlichem Beistand reist, sieht offenbar potenzielle Gefährdungen weniger dramatisch. Überhaupt dürfte es weltweit kein Land geben, in dem sich eine so große Vielfalt an Religionen samt ihren Anhängern beobachten lässt. Allein in Jerusalem sind die Varianten des Christentums kaum zu zählen. Wer im komplexen Geflecht der feinen theologischen Unterschiede den Überblick verliert, kann sich vertrauensvoll an das “Christian Information Center” beim Jaffator wenden. Die Eifersüchteleien der einzelnen Konfessionen über die Heiligen Stätten sind legendär und wurden mit der religiösen Streitereien eigenen Verbissenheit geführt. 1757 versorgten griechische Mönche beispielsweise ihre Anhänger mit Waffen und metaphysischer Munition, worauf diese in der Nacht vor Palmsonntag nicht nur Vandalenakte in der Basilika des Heiligen Grabes verübten, sondern im Anschluss daran auch noch das Kloster der Minoriten stürmten, um die Mönche zu massakrieren. 1873 und 1901 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen griechisch-orthodoxen und katholischen Mönchen. Wer sich für diese und andere Akte der Nächstenliebe interessiert, dem sei Bernard Wassersteins Monographie “Jerusalem. Der Kampf um die heilige Stadt” (München 2002) empfohlen. Der Schlüssel der Grabeskirche wird deshalb sinnigerweise seit vielen Generationen von einer moslemischen Familie verwahrt.

Raufereien zwischen kirchlichen Würdenträgern konnte ich nicht beobachten. Sogar die beiden Malteser Ritter mit ihren pittoresken weißen Umhängen hatten ihre Schwerter zu Hause gelassen. Aber trotz der ungeheuren Zahl an Kirchen in der Jerusalemer Altstadt stellt man unschwer fest, dass die konfessionellen Einflusssphären streng abgegrenzt sind. Am augenscheinlichsten schlägt sich das in den verschiedenen Räumen der Grabeskirche nieder. Durch die vielen Anbauten entstand ein architektonischer Moloch, der zwar hintersinnige religionsphilosophische Analogien nahe legt, aber Freunde der Baukunst nur den Kopf schütteln lässt.

Die christlichen Stätten im Norden sind weniger beeindruckend. Rund um den See Genezareth gibt es in Kafarnaum (Kefar Nahum) eine sehenswerte Ausgrabungsstätte. Es handelt sich um ein Fischerdorf aus der Zeit des Neuen Testaments. Die Strukturen der Wohnhäuser sind gut erkennbar. Daneben das (angebliche) Haus des Petrus, der bekanntlich sofort die Gelegenheit ergriff, seinen mühseligen Fischerberuf samt Familie zu verlassen, und sich auf den bequemeren Beruf des Apostels verlegte.

Unweit davon, auf dem Hügel Schech’ Ali (Berg der Seligpreisungen), dem legendären Ort der Bergpredigt, befindet sich die in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts von Antonio Baluzzi errichtete elegante Kirche. Innen singt, nein schreit eine vermutlich südkoreanische Pilgergruppe, offenbar in der Annahme, im Himmel gäbe es keine Hörgeräte.
An vielen dieser christlichen Stätten sind nur moderne Gebäude mit bescheidenen ästhetischen Qualitäten zu finden. Deshalb ist es oft lohnender, anstatt der Bauwerke die Pilger zu beobachten.

An Nazareth lässt sich schön eines der Prinzipien der historischen Jesusforschung demonstrieren. Es besagt, dass Überlieferungen, für deren Erfindung es keinen guten Grund gibt, mit höherer Wahrscheinlichkeit authentisch sind, als andere. Nazareth war zu Zeiten Jesus’ ein unbedeutendes Dorf, das im Alten Testament nicht erwähnt wird. Es gab also keinen ideologisch plausiblen Grund, Jesus ausgerechnet in diesem Kaff aufwachsen zu lassen.
Synagogen gibt es in Jerusalem ebenfalls in großer Anzahl. Nach der Besichtigung unzähliger Kirchen benötigt man etwas Zeit, um sich vom Entblößen des Kopfes als Respektbekundung auf das Bedecken desselben zum selben frommen Zweck umzustellen. Wer sich mit der Geschichte des Synagogenbaus beschäftigen will, sollte unbedingt das Israel Museum besuchen, in dem man drei historische Innenräume mit Originalteilen rekonstruiert hat. (indisch, italienisch und bayerisch).

An der Klagemauer herrscht Hochbetrieb. Neben den zahlreichen Betenden findet dort eine Bar Mizwa statt. Als junger Katholik erhält man als Zeichen der Vollmitgliedschaft von seinem Bischof eine symbolische Ohrfeige, auf das kein Zweifel über die Autoritätsverhältnisse bestehe. Eine Bar Mizwa dagegen läuft als fröhliches Fest ab. Die Stimmung ist heiter und ausgelassen. Der Junge wird lachend von Verwandten auf den Schultern getragen. Andere lassen Süßigkeiten auf die Feiernden herabregnen.

Nun sind, schon aus Gründen der religiösen Ausgewogenheit, noch ein paar Worte über den Islam angebracht. Während es Juden von ihrem Rabbinat streng verboten ist, den Tempelberg zu besteigen, darf man als Reisender am Morgen dieses berühmte Wahrzeichen der Stadt kurz betreten. Jerusalem gilt im Islam (nach Mekka und Medina) als die drittheiligste Stadt und ist damit selbstverständlich auch das religiöse Zentrum der Muslime in Israel. Leider kann man die Al Aqsa Moschee seit Ausbruch der zweiten Intifada nicht mehr besichtigen. Steht man auf dem Tempelberg mit der Klagemauer unter sich und den zahlreichen Kirchen in der Altstadt vor sich, denkt man zwangsläufig über die Zukunft dieser außergewöhnlichen Stadt nach. Der Blick fällt auf die schwer bewaffneten Soldaten und die Gedanken kreisen um den gordischen Knoten des religiösen und politischen Hasses. Skeptisch steige ich hinab in die turbulente Altstadt und versuche, die Erkenntnis beiseite zu schieben, dass die Jerusalemfrage noch sehr lange die Weltöffentlichkeit beschäftigen wird.

Corinos Musil-Biographie

Nach ein paar Jahren habe ich mich entschlossen, nicht mehr ausschliesslich virtuell, sondern ab und zu wieder schwarz auf weiß zu publizieren. So findet sich in der aktuellen Juli-Ausgabe von “Literatur und Kritik” diese Rezension: “Corinos penible Rekonstruktion eines Schriftstellerlebens” [koellerer.net].

123
  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

“Die Presse” meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Flattr

Wer mag, kann die Notizen durch "flattern" unterstützen.

Aktuell in Arbeit

Tweets

Kategorien