Reise-Notizen: Berlin

November 2008

Über die Kunst-Museen in Berlin gab es an dieser Stelle schon mehrmals etwas zu lesen, weshalb ich mich auf den Hinweis beschränke, dass im Pergamon-Museum endlich das restaurierte Tor von Milet wieder zu sehen ist. Dafür ist fast der komplette Bestand des vorderasiatischen Teils geschlossen, mit Ausnahme des Ischtar-Tors und der Prozessionsstraße.
Zum ersten Mal besuchte ich das Stasi-Museum in Lichtenberg und kann dieses gespenstische Erlebnis nur empfehlen. Sieht man die durch und durch geschmacklose Inneneinrichtung, ein holzgetäfelter und kunstfellbestuhlter Spießer-Alptraum, wird sofort klar: Die DDR musste schon aus ästhetischen Gründen untergehen. So viel konzentrierte Hässlichkeit verträgt das Universum nicht.
Das Ausstellungskonzept ist vergleichsweise schlicht, der Schwerpunkt liegt auf klassischen, allerdings sehr informativen Ausstellungstafeln. Dazwischen immer wieder real existierende Gegenstände aus dem Stasialltag. Höhepunkt ist ein Raum, welcher der Spitzeltechnik gewidmet ist. Dort gibt es schießende Aktenkoffer, Gießkannen mit eingebauter Kamera, künstliche Steine mit Elektronik etc. zu sehen. Abgerundet von Dokumenten des hauseigenen Marketings, um die hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter bei Laune zu halten.
Eine alte Dame jenseits der siebzig sorgte in der Eingangshalle für einen kleinen Eklat, wollte sie doch die Besucher auf die „Schlichtheit“ des Museums hinweisen, für deren Vorläufer sie vermutlich einmal tätig war. Sie wurde freundlich, aber bestimmt hinauskomplimentiert, nachdem das offenbar zum wiederholten Male vorkam.
Empfehlenswert ist auch die Ausstellung Mythos Germania des Vereins Berliner Unterwelten. Hier wird im Detail den Umgestaltungsplänen der NS Baubürokratie unter Speer nachgespürt. Man erfährt etwa Aufschlussreiches über den Umgang der Reichsbehörden mit der Stadtverwaltung.

Berlin-Reise Oktober 2005
Berlin-Reise Oktober 2007
Berlin-Reise Oktober 2009

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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