Bibliomane Betrachtungen (7)

Nur der mit den Einzelheiten durch Erfahrung Vertraute kann Kunstleistungen richtig beurteilen und weiß, durch welche Mittel und auf welchem Weg sie zustande kommen, und was gegenseitig zusammenstimmt.
(Aristoteles, Nikomachische Ethik)

Ein Dauerbrenner unter Bücherfreunden ist die Frage: Wie ordnet man die Bücher in den Regalen? Die Mehrheit der Zweitbuchbesitzer verwendet eine langweilige Kombination aus alphabetischer und fachlicher Einteilung.
Zugegeben: Bei Sach- und Fachbüchern gibt es wohl keine bessere Möglichkeit. Deshalb finden sich in meiner Bibliothek Rubriken wie „Literaturwissenschaft“, „Musik“, „Naturwissenschaften“ und „Philosophie“. Fachliteratur findet sich auf diesen Regelbrettern. Mit einer Ausnahme allerdings, und das sind Bücher, die sich direkt auf Klassiker (welcher Art auch immer) beziehen.
Meine Hauptklassifikations-Methode ist chronologisch. Klassiker und Belletristik werden nach den Geburtsjahren der Autoren geordnet. Sollte das nicht möglich sein, nach dem Erscheinungsjahr eines Buches. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man sieht eine Epoche vor sich. Man kann buchstäblich die Geistesgeschichte abschreiten, wenn man die Regale entlang flaniert. Ungewöhnliche Zeitgenossenschaften finden sich, verzögernd einsetzende Entwicklungen über verschiedene Länder hinweg werden augenscheinlich. Meine Bücher über historische Themen sind ebenfalls chronologisch geordnet, allerdings in einem eigenen Regal außerhalb der „Klassiker-Chronologie“.
Bücher, die sich direkt auf einen Klassiker beziehen, stelle ich unmittelbar hinter dessen Werke auf. Also beispielsweise zu Beginn meine Goethe-Ausgaben, danach die Biographien, Monographien, Nachschlagewerke über ihn. In Summe gibt das im Falle Goethes ein eigenes Regal.
Nach vielem Herumexperimentieren bin ich zur Auffassung gelangt, dass diese Vorgehensweise für eine „Klassiker-Bibliothek“ praktischer und erhellender ist als mögliche Alternativen. Eine Warnung aber vorneweg: Das chronologische Sortieren der Bücher ist eine sehr zeitaufwendige Angelegenheit. Neue Käufe führen schnell dazu, dass die gelassenen Regallücken gefüllt sind, was die Systematik erschwert. Aber dieses Problem ist ja allen klassifikatorischen Ansätzen gemeinsam.
Ansonsten gibt es noch eigene Regale für Nachschlagewerke aller Art, von allgemeinen Enzyklopädien angefangen bis zu den Fachlexika.

Zum Anfang / Teil 1

8 Antworten auf Bibliomane Betrachtungen (7)

  • Sortieren Sie die Bücher über historische Themen ebenfalls nach Geburtsjahr des Autors oder chronologisch nach den Zeitabschnitten, die darin behandelt werden? Ich vermute letzteres, weil es das Auffinden von Büchern zu bestimmten Epochen erleichtert. Aber nach Geburtsjahr des Autors hätte doch auch etwas für sich – schließlich ist Geschichtsschreibung ja auch nicht unbeeinflusst von ihrer Entstehungszeit.

  • Historische Klassiker (19 Jahrhundert und früher) habe ich chronologisch unter den Klassikern nach Geburtsjahr der Autoren geordnet.

    Moderne historische Literatur nach Epochen, also thematisch chronologisch.

    Ihr Vorschlag hätte auch seinen Reiz, aber so viele Bücher zu geschichtlichen Themen habe ich gar nicht.

  • Danke für die Auskunft. Wenn der nächste Umzug ansteht, hoffentlich in Räumlichkeiten mit ausreichend Platz für Regale (derzeit wühle ich mich relativ häufig durch Doppelreihen), will ich Ihrer Methode folgen und mich ebenfalls an der chronologischen Klassifikation versuchen. Eine kleine Hürde blickt mich aus dem Regal bereits an: Ob ich mich wirklich dazu durchringen kann, die SZ-Bibliothek auseinanderzureißen?

  • creamhilled sagt:

    Der kluge Mann läßt gleich ausreichend große Lücken ;-)

  • Pingback: Shelfie Nr. 20 von Christian Köllerer | Philea's Blog

  • bouquineur sagt:

    Weil dieses Thema eben so viel Spaß macht, eine vollkommen überflüssige Frage: Wo stehen bei Ihnen Bücher von Autoren über andere Autoren, wenn beide ihren Platz im Regal haben? Also etwa das Buch von Bunin über Tschechow oder das von Benjamin über Baudelaire…

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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