Altägyptische Hölle (2)

Manfred Clauss über altägyptische Literatur zum Thema:

Einer dieser Texte, dessen bislang älteste Abschrift aus dem Grab Thutmosis‘ I. stammt, diente den später so beliebten „Jenseitsführern“ als Vorbild. Bereits diese frühe Fassung – sie trägt den Titel „Schrift des verborgenen Raumes“ und ist unter der späteren Abkürzung „Amduat“ bekannt geworden – weist eine Fülle ausdrucksstarker Bilder auf. Vielerorts hatten sich die Menschen Gedanken über das Jenseits gemacht und dabei an die unterschiedlichen lokalen Traditionen angeknüpft. Nun wurden solche Vorstellungen zu einem einheitlichen Konzept zusammengefügt. Die Rahmenhandlung des „Amduat gab – wie bei allen solchen Erzählungen – die Fahrt des Sonnengottes während der zwölf Nachtstunden durch das Totenreich ab.

Während dieser Reise durch die Welt der Verdammten wird detailverliebt ein breites Spektrum von Höllenstrafen geschildert; das „Amduat“ ist damit, fast drei Jahrtausende vor Dante verfaßt, die bislang älteste Höllen-Schilderung.

[Manfred Clauss: Das Alte Ägypten. Berlin 2001. S. 236]

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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