Gustave Flaubert: Die Versuchung des heiligen Antonius

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Mit Abstand das seltsamste literarische Werk des 19. Jahrhunderts, das ich bis jetzt las, wobei „seltsam“ hier nicht negativ gemeint ist. Ästhetisch ist Flauberts Konzept sehr interessant, auch wenn ich mir unschlüssig bin, ob die Durchführung gelungen ist.

Zu Beginn stellt sich die Gattungsfrage. Ein „Roman“ sucht man auf dem Buch vergeblich, trotzdem wird es gerne als „Dialogroman“ bezeichnet. Gegen die Klassifizierung als Drama spräche, dass die „Szenenanweisungen“ regelmäßig auf der Bühne prinzipiell nicht Darstellbares beschreiben.

Die Versuchungen des heiligen Antonius bestehen in überbordenden Phantasmagorien, die Flaubert penibel und sehr evokativ beschreibt. Das ständige Aneinanderreihen von Höhepunkten nutzt sich jedoch schnell ab. In diesen Phantasmagorien erhalten so ziemlich alle bekannten Sekten und Vertreter vieler Religionen dieser Zeit ihren Auftritt. Flaubert war ein gewaltiger Verschlinger von Quellen.

Dieses Buch passt so gar nicht in das 19. Jahrhundert, auch wenn manches an romantische Literatur erinnert. Alleine aufgrund dieser „Fremdheit“ ist es spannend zu lesen. Ein endgültiges Urteil werde ich mir in 10-20 Jahren bilden.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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