Shakespeare biographisch

Glaubt man den Rezensionen, legte Stephen Greenblatt mit „Will in the World: How Shakespeare Became Shakespeare“ eine vorzügliche Biographie vor. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, da Greenblatt als Begründer des new historicism einem biographischen Ansatz theoretisch denkbar fern stehen sollte. Einen ausführlichen Aufsatz zum Buch verfasste Adam Gopnik im New Yorker: „Will Power. Why…

Shakespeare: Hamlet

Burgtheater Regie: Klaus-Maria Brandauer Hamlet: Michael Maertens Ophelia: Birgit Minichmayr Claudius: Robert Meyer Eines kann man der Burgtheater Dramaturgie nicht vorwerfen: Mangelnde Kohärenz. Nachdem Klaus-Marie Brandauer in „Cyrano de Bergerac“ zeigen konnte, was ein schlechter Schauspieler ist, durfte er nun als Regisseur ein komplettes Stück ruinieren. Nicht irgendeines selbstverständlich, nein, ausgerechnet „Hamlet“ musste es sein.…

Shakespeare im Kaukasus

Neal Ascherson publizierte in der New York Review of Books 18/2003 einen sehr lesenswerten Aufsatz* über den Krieg zwischen Armenien und Aserbaidshan und fühlt sich an die Welt Shakespeares erinnert: Characters from his plays infest the Caucasus: heroes of stainless nobility and courage, villains steeped in treachery and cruelty, clowns and conquerors, fools in love…

Shakespeare: König Lear [3.]

Wagenbach (Amazon Partnerlink) Es gibt zwar blutrünstigere Tragödien des englischen Dramatikers, doch die beklemmende Düsterkeit des „King Lear“ hat eine besondere Qualität. Die verhängnisvolle Ereigniskette wird durch den irrationalen Starrsinn und Realitätsferne des Protagonisten selbst ausgelöst. Die Wirklichkeit holt ihn schließlich in Form seiner beiden undankbaren Töchter ein, die sicher zu den unerfreulichsten Figuren gehören,…

Verdi: Otello

Staatsoper 28.5. Regie: Peter Wood Dirigent: Marcello Viotti Otello: Clifton Forbis Jago: Renato Bruson Desdemona: Miriam Gauci Musikalisch hervorragenden, szenisch erzkonservativ, also eine „klassische Staatsopern-Oper“. Die Sänger und Sängerinnen waren alle sehr gut disponiert, vor allem Clifton Forbis‘ Otello war differenziert und wohlklingend. Die Inszenierung war gewohnt aufwändig, was Bühnenbild, Kostüme und Statisten angeht. Opernästhetisch…

Shakespeare: Viel Lärm um Nichts

Theater an der Josefstadt am 7.4.02 Regie: Marcello de Nardo Michael Dangl, Valentin Schreyer, Sandra Cervik, Herbert Föttinger Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie eine 400 Jahre alte Komödie ein heutiges Theaterpublikum in den Bann zu ziehen vermag. Voraussetzung sind natürlich ausgezeichnete Schauspieler und eine plausible Inszenierung. Das Bühnenbild war vergleichsweise abstrakt (eine…

Bücherherbst (5): Haffmans Verlag

Zuletzt durch Finanznöte und eine illegale Arno-Schmidt-Lizenzausgabe bei Zweitausendeins im Gerede, weist der Verlag mit einem literarischen Zitat auf dem Umschlag der Herbst-Vorschau auf die Misere hin: In den Anfangsjahren seines Bestehens befand sich der Verlag Lilley & Chase im Zustand einer Dauerfinanzkrise. Statt mit den andern Verlagsvertretern gemeinsam jedes Jahr zur Frankfurter Buchmesse zu…

Neuerscheinungen

Harold C. Goddard: The Meaning of Shakespeare: Vol. 1 & Vol. 2 (The University of Chicago Press, 2 Bände) Juliet Floyd; Sanford Shieh (Hrsg.): The Analytic Tradition in Twentieth Century Philosophy (Oxford University Press Mai 2001)