Dr. Christian Köllerers Notizen

Merkheft Nr. 171

Das neue Merkheft steht zum Download* bereit und bietet neben den bei Zweitausendeins üblichen Skurrilitäten – Gefühle und der Sinn des Lebens. Wer sich von Gefühlen leiten läßt, gehorcht in Wahrheit seiner Vernunft – auch wieder Interessantes, beispielsweise: Arno Schmidt: Das erzählerische Werk bis 1970 für DM 29.- (statt unlizenziert DM 320.- bei Haffmans Cervantes:…
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Robert Darnton: The Great Book Massacre

„Double Fold: Libraries and the Assault on Paper“ by Nicholson Baker (The New York Review of Books 7/2001) Nicholson Baker, eigenlich Romancier, hat eine Philippika gegen das Vernichten von Büchern und Zeitungen in amerikanischen Bibliotheken geschrieben. Wortgewaltig prangert er die Praxis an, Gedrucktes auf Mikrofilm zu bannen, und die Originale anschließend zu entsorgen. Richard Darnton,…
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James M. McPherson: Southern Comfort

The New York Review of Books 6/2001 Geschichtslügen scheinen eine solide anthropologische Basis zu besitzen, offenbar gibt es kaum eine Gesellschaft, die ohne sie auskäme. Ein mir bis heute unbekanntes Beispiel ist die Lost-Cause-Ideologie in der Folge des amerikanischen Bürgerkriegs. McPherson bespricht* einige Neuerscheinungen zu diesem Thema. Bereits kurz nach dem Krieg begannen Südstaatler die…
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Ian Buruma: The Emperor’s Secrets

„Hirohito and the Making of Modern Japan“ by Herbert P. Bix (The New York Review of Books 5/2001) Vergangenheitsbewältigung auf Japanisch; Ian Buruma diskutiert* anläßlich des neuen Buches von Bix, inwieweit Hirohito Schuld an der Beteiligung Japans am zweiten Weltkrieg trägt. Buruma lehnt zwar radikale „Verschwörungstheorien“ ab, weist aber auf diverse Verlogenheiten der Nachkriegszeit hin,…
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Bernard Williams: Philosophy as Humanistic Discipline

The Threepenny Review, Spring 2001 Lesenswerter Aufsatz über die Frage, was Philosophie als Disziplin heute leisten soll. Williams argumentiert für eine Verstärkung des historischen Ansatzes, der von analytischen Philosophen vernachlässigt würde. Auch wenn seine Kritik an der „szientistischen“ Philosophie nicht immer überzeugen kann, so legt er doch den Finger auf die richtige Stelle: Philosophiegeschichte zugunsten…
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Gordon S. Wood: The Greatest Generation

The New York Review of Books 5/2001 Besprechung mehrerer Neuerscheinungen über die Väter der amerikanischen Verfassung. Besonders hervorgehoben wird das Buch von Joseph J. Ellis, den Wood als wichtigsten zeitgenössischen Historiker zu diesem Themenkomplex bezeichnet: Founding Brothers: The Revolutionary Generation. Wood stellt einen Bezug zu allgemeinen Tendenzen in der Geschichtswissenschaft her und kritisiert das gängige…
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Goethe: Wilhelm Meisters Wanderjahre (1821)

Münchner Goethe-Ausgabe Band 17 (Amazon Partnerlink) Die Erstfassung von 1821 ist nur halb so lang wie die zweite und endgültige Fassung der Wanderjahre, die acht Jahre später erschienen ist. Nicht zuletzt deshalb wirkt der Roman auf heutige Leser moderner, weil disparater. Eigenartige Mischung aus Elementen der Aufklärung, wie das Plädoyer für ein humanes Justizsystem und…
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Colin McGinn: Can You Believe It?

„The Threefold Cord: Mind, Body and World“ by Hilary Putnam (The New York Review of Books 6/2001) Der Artikel* läßt sich nur als Verriss bezeichnen. McGinn zerpflückt genüßlich die wichtigsten Argumente Putnams und hält ihm seinen Postionswechsel zum ontologischen Realismus vor, den er (wie ich) natürlich begrüßt. * Teil des kostenpflichtigen NYRB-Archivs. Update Oktober 2011:…
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Helen Epstein: Time of Indifference

New York Review of Books 6/2001 Sammelrezension von Bänden, die sich mit dem globalen Gesundheitswesen auseinandersetzen. Epstein ist wohl eine der besten Journalistinnen, die sich mit (sozial)medizinischen Themen auseinandersetzen. Sie schreibt jährlich mehrere Aufsätze in der NYRB. Dass die Lektüre des Artikels ziemlich deprimierend ist, wird angesichts des Themas niemanden überraschen …

Albert Schlögl: Herodot

Eine der besten Monographien der Reihe. Umfassendes Eingehen auf geistesgeschichtliche Bezüge ebenso wie kritische Auseinandersetzung mit vorherrschenden Positionen der Herodot-Forschung. Vertretene Minderheitenmeinungen werden als solche gekennzeichnet und durch schlüssige Argumente plausibel gemacht. Schlögel schließt sich beispielsweise der Meinung an, dass viele Quellenangaben bei Herodot fingiert sind, was nach wie vor von vielen Kollegen als „Tabubruch“…
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