Musikverein 15.06. 26
Lorenzo Viotti, Dirigent
Francis Poulenc
Les Animaux modèles. Suite aus dem Ballett
Claude Debussy
Printemps. Suite symphonique für Orchester; instrumentiert von Paul-Henri Busser
– Pause –
Alexander Zemlinsky
Die Seejungfrau. Symphonische Dichtung nach einem Märchen von Hans Christian Andersen
Das letzte Konzert der Saison war für mich mehrfach interessant. Sowohl das erste als auch das letzte Stück kannte ich noch nicht näher und beschäftigte mich deshalb vorbereitend damit. Poulenc schrieb seine Les Animaux modèles 1941/42 während die Nazis Frankreich besetzt hatten und schmuggelte etwas Résistance in die Komposition, indem er das elsässische Lied „Vous n’aurez pas l’Alsace et la Lorraine“ zitiert. Die klangliche Komplexität der Stücke bot den Wiener Philharmonikern eine optimale Gelegenheit, ihre musikalische Spannweite zu zeigen. Das gilt selbstverständlich auch für den folgenden Debussy mit seiner Antisestablishment-Ästhetik.
Zemlinsky verarbeitet in seiner Die Seejungfrau angeblich sein eigenes Liebesdrama rund um seine Kompositionsschülerin Alma Schindler, die dann Gustav Mahler heiratete. Tatsächlich kann man mit dieser Klangwelt Schmerz und Trauer assoziieren. Wie schon bei den anderen Programmpunkten, hatte man auch hier den Eindruck, dass sich Lorenzo Viotti musikhistorisch optimal aufgehoben fühlt. Die Saison ging also düster zu Ende, was ja nicht schlecht zu unseren Zeitläuften passt.