Manfred Trojahn: Orest

Wiener Staatsoper 20.11. 19

Dirigent: Michael Boder
Regie: Marco Arturo Marelli

Orest: Georg Nigl
Menelaos: Michael Laurenz
Apollo/Dionysos: Daniel Johansson
Hermione: Audrey Luna
Helena: Laura Aikin
Elektra: Ruxandra Donose

Bis zum Ende der Ära Dominique Meyer dauerte es also bis sich verstärkt Gegenwartsoper auf dem Spielplan findet. Ich gehe unvorbereitet in Trojahns Orest. Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass er in der Tradition der zweiten Wiener Schule steht: Er denkt Bergs Wozzeck musikalisch weiter, d.h. die Musik ist noch kompromissloser dieser Ästhetik verpflichtet. Das Staatsopernorchester scheint die Partitur sehr sorgfältig einstudiert zu haben: Die Musik klingt präzise exekutiert. Auch die komplexen vokalen Partien werden erstklassig gesungen. Trotz dieser diffizilen Herausforderung drücken alle Beteiligten beeindruckend überzeugend die Emotionen ihrer Protagonisten aus.

Das Libretto fokussiert auf die Düsterheit des Orest-Stoffes und die ebenfalls gelungene Inszenierung geht hier keine „Wellness“-Kompromisse ein. Für einige Zeit liegen viele Leichen auf der Bühne herum. Selbst beim ersten Mal trifft einen der anthropologische Pessimismus der Oper emotional hart. Passt so gesehen hervorragend zur weltpolitischen Lage.

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