Jonathan Gottschall: The Storytelling Animal. How stories make us Human

Menschen mögen Geschichten. Schon Kinder fesselt selten etwas mehr als Fiktionales. Viel spricht dafür, dass „Stories“ als eine Art verbindende Mythologien für den Zusammenhalt menschlicher Gesellschaften unerlässlich sind. Hier sind nicht nur klassische Mythen gemeint, sondern etwa auch das Funktionieren des Geldes. Diese Seite der narrativen Medaille kann man hervorragend in Yuval Noah Harari: Sapiens – A Brief History of Humankind [Notiz] nachlesen.

Der anthropologischen Seite dieser Frage geht Jonathan Gottschall in The Storytelling Animal nach. Seine starke Annahme:

Story – sacred and profane – is perhaps the main cohering force in human life.
[138]

Er spannt einen weiten Bogen und berichtet über die aktuellen Hypothesen aus unterschiedlichsten Fachgebieten, warum Menschen so sehr auf Erzähltes aller Art stehen. Von der Psychologie bis zur Religion:

It is not just the planet’s monotheisms that are built on stories. This seems to be true of all religions, major and minor, throughout world history. Read through the folklore of tradtional peoples, and the dominant story type will be myths explaining why things are the way they are. In traditional societies truths about the spirit world were conveyed not through lists or essays – they were conveyed through story. The world’s priests and shamans knew what psychology would later confirm: if you want a message to burrow into a human mind, work it into a story.
[119]

Insgesamt gelingt Gottschall ein exzellenter Überblick über den Stand der Narratologie außerhalb der Literaturwissenschaft. Gleichzeitig eröffnet dieser Ansatz interessante methodische Perspektiven für die Geisteswissenschaften. Für Freunde der Fiktionalität jedenfalls lesenswert.

Jonathan Gottschall: The Storytelling Animal. How stories make us Human (Mariner)

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