Der Ring des Nibelungen

Wiener Staatsoper April 2018

Dirigent: Adam Fischer
Regie: Sven-Eric Bechtolf
Bühne: Rolf Glittenberg

Das Rheingold 4.4. 18

Wotan: Tomasz Konieczny
Loge: Norbert Ernst
Fricka: Michaela Schuster
Erda: Monika Bohinec
Alberich: Martin Winkler
Mime: Herwig Pecoraro
Fafner: Sorin Coliban

Die Walküre 8.4. 18

Siegmund: Christopher Ventris
Hunding: Jongmin Park
Wotan: Tomasz Konieczny
Sieglinde: Simone Schneider
Brünnhilde: Iréne Theorin
Fricka: Michaela Schuster

Siegfried 11.4. 18

Siegfried: Stephen Gould
Brünnhilde: Iréne Theorin
Der Wanderer: Tomasz Konieczny
Alberich: Martin Winkler
Mime: Herwig Pecoraro
Fafner: Jongmin Park

Götterdämmerung 15.4. 18

Siegfried: Stephen Gould
Hagen: Eric Halfvarson
Brünnhilde: Iréne Theorin
Gunther: Tomasz Konieczny
Alberich: Martin Winkler
Gutrune: Anna Gabler

Nachdem ich hier ja schon mehrmals über den Ring des Nibelungen schrieb, werde ich mich für diese Wiener Aufführung des Zyklus primär auf die musikalische Qualität beschränken. Vokal ist dieser Ring fantastisch. Alle Hauptrollen singen in Höchstform. Tomasz Koniecznys Wotan und Gunther sind famos. Es dürfte weltweit wenige Wagnersänger geben, welche dieses Niveau erreichen. Martin Winkler als Alberich kann gut mithalten und wird schauspielerisch von Mal zu Mal besser. Brünnnhilde hörte ich schon überzeugender als jene von Iréne Theorin. Allerdings steht sie hinter ihren Kollegen nur unwesentlich zurück. Christopher Ventris ist nach wie vor ein grandioser Siegfried und der Beginn der Walküre gemeinsam mit Simone Schneider fesselt. Jongmin Park singt einen fast beängstigend bassvollen Hunding. Stephen Gould spielt, je älter er wird, den Siegfried immer kindlicher. Gesanglich reicht ihm aber auch kaum jemand das Wasser.

Leider ist das Wiener Staatsopernorchester am Angang des Zyklus nur bedingt disponiert. Speziell die Bläser leisten sich einige ungewöhnliche Patzer. Im Verlauf der Tetralogie werden sie aber zunehmend besser. Das orchestrale Niveau war guter Durchschnitt, weshalb der Ring insgesamt leider nicht so makellos war, wie er aufgrund dieser Besetzung hätte sein können.

Was mir ästhetisch bei diesem Durchgang ungewöhnlich stark auffällt, ist die kunstvoll mehrfach verschachtelte tragische Situation des Wotan‘. Dagegen wirken die tragischen Konflikte der antiken Tragödien beinahe schlicht. Speziell in der Walküre wird das deutlich: Nicht nur gibt es wohl kaum etwas Tragischeres als einen Gott ohne Willensfreiheit. Dass ihn dann seine von ihm selbst begründeten Gesellschaftsregeln dazu zwingen, seinen Sohn umzubringen, spitzt diesen Konflikt maximal zu. Wagner macht hier ein weites Alusionsspektrum auf: Von Abrahams verlangtem Opfer Isaaks bis hin zur sozialphilosophischen Diskussion, was Gesellschaften begründet.

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