Schiller über die Gegenwartsliteratur

Brief an Wilhelm von Humboldt vom 17. Februar 1803:

Es ist jetzt ein so kläglicher Zustand in der ganzen Poesie, der Deutschen und Ausländer, daß alle Liebe und aller Glaube dazu gehört, um noch an ein Weiterstreben zu denken, und auf eine bessere Zeit zu hoffen. Die Schlegel und Tiekische Schule erscheint immer hohler und frazenhafter, während daß sich ihre Antipoden immer platter und erbärmlicher zeigen, und zwischen diesen beiden Formen schwankt nun das Publicum. An ein Zusammenhalten ist nicht zu denken, jeder steht für sich und muß sich seiner Haut wie im Naturstande wehren.

Es ist zu beklagen, dass Goethe sein Hinschlendern so überhand nehmen läßt und weil er abwechselnd alles treibt, sich auch nichts energisch concentriert.

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