Skeptizismus

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Bemerkungen zum Islam (2)

Die Absurdität der Wahrheitsansprüche der Religionen wird sofort evident, wenn man sich mit deren Entstehung beschäftigt. Der Islam ist hier keine Ausnahme. Bereits kurz nach dem Tod Mohammeds begannen diverse Spaltungsbewegungen und Sektenbildungen. Konträre Interpretationen von Texten, historische Verfälschungen je nach ideologischer Präferenz und Verbrämung sozialer Machtverhältnisse als religiöse „Gesetze“ prägen das Bild. Als Beleg genannt seien nur Mu’tazilah, eine rationaler Theologie verpflichtete Schule, und die völlig unterschiedliche mystische Bewegung des Sufismus.

Die Missionierungsaktivitäten der vor allem dem islamischen Mystizismus verpflichteten Mönche, führte zu weiteren Verfälschungen. Denn es erwies sich – wie auch beim Christentum – als sehr zweckmäßig lokalen (Aber-)Glauben zu tolerieren bzw. sogar zu integrieren. Das erklärt die immer noch vorhandenen enormen Unterschiede in der religiösen Alltagskultur islamischer Länder (z.B. zwischen Arabien und Indonesien).

Allein diese Vielfalt führt den religiösen Wahrheitsanspruch erkenntnistheoretisch ad absurdum. Abstrakter gilt das natürlich für alle Weltreligionen, vertreten sie doch zahlreiche sich widersprechende Dogmen, die sich gegenseitig ausschließen. Deshalb ist es schon aus logischen Gründen unsinnig, religiöse Dogmen als Erkenntnisquelle auch nur in Erwägung zu ziehen.

Das größte Verdienst der islamischen Kultur ist philosophischer Natur. Es gab erstaunlich früh eine Reihe von Philosophen, ohne deren Einfluss die (abendländische) Geistesgeschichte anders verlaufen wäre. Bekannt sind vor allem Avicenna und Averroes sowie die Rezeptionsgeschichte der griechischen Philosophie, die über die Werke islamischer Gelehrter zurück nach Europa fand.

Weniger weiß man von anderen Denkern, etwa von Ibn Bajjah (gestorben 1138), der schon früh die Philosophie von der Theologie emanzipieren wollte und den erkenntnistheoretischen Wert der Wissenschaften betonte:

Philosophy, he claimed, is the only way to the truly blessed state, which can be achieved only [!] by going through theoretical science, even though it is higher than theoretical science […] He is contemptuous of allegories and imaginative representation of philosophic knowledge, silent about theology [!], and shows no concern with improving the multitude’s opinions and way of life. [Britannica (1997) Band 22 S. 27]

Mir fehlt der Überblick über die geistesgeschichtlichen Forschungsgebiete an den moderneren islamischen Universitäten. Es wäre aber sehr zu wünschen, dass diese Geschichte des aufgeklärten Islam in Forschung und Lehre angemessen berücksichtigt wird.

Postmoderne Dummheiten: Jacques Derrida zu den Terroranschlägen

Frankfurt – Der französische Philosoph Jacques Derrida, der am Samstag in der Paulskirche von Frankfurt den Theodor-W.-Adorno-Preis (703.500 Schilling) erhielt, fühlt sich nach den Terroranschlägen in seiner Philosophie der Dekonstruktion, in der es keine absolute Wahrheit und keinen letzten Sinn gibt, bestätigt. (dpa)

Dabei würde ein Blick in seine Bücher genügen, um die Existenz von Sinn-losigkeit an sich grandios zu belegen. Seine anderen Thesen sind bereits ein paar tausend Jahre alt, aber das scheint ihn ja nicht zu stören: Marketing statt Philosophie ist angesagt.

KlassikAkzente Nr. 2/2001

Verzweifelt muss sie sein, die klassische Plattenindustrie, angesichts der eigenartigen Versuche, die Verkaufszahlen zu heben. Der Titel der KlassikAkzente – das Werbemagazin von Universal Classics (DGG, Decca, Philips) – preist die neue Crossover-CD der Deutschen Grammophon an, nämlich eine Gemeinschaftsproduktion von Anne Sofie von Otter und Elvis Costello:

Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen Elvis Costello, dem intellektuellen Postpunk-Barden mit hochkulturellen Absichten, und Anne Sofie von Otter, der klaren Stimme aus dem Norden.

Frau von Otter über ihre ästhetische Strategie:

Ich musste die ganze klassische Ausbildung außen vor lassen…und mich quasi in die Situation versetzen, wenn ich zu Hause bin. Da stehe ich auch nicht in der Küche und schmettere mit meiner Opernstimme.

Das ist sicher ein spannendes Hörerlebnis, Postpunk-Barde und Küchenstimme…

Merkheft Nr. 171

Das neue Merkheft steht zum Download* bereit und bietet neben den bei Zweitausendeins üblichen Skurrilitäten – Gefühle und der Sinn des Lebens. Wer sich von Gefühlen leiten läßt, gehorcht in Wahrheit seiner Vernunft – auch wieder Interessantes, beispielsweise:

  • Arno Schmidt: Das erzählerische Werk bis 1970 für DM 29.- (statt unlizenziert DM 320.- bei Haffmans
  • Cervantes: Gesamtausgabe 4 Bände diesmal für DM 35.-

Das Durchblättern des Merkheftes ist wie immer amüsant, so wird Short Cuts 4 von Gilles Deleuzes unter dem Titel „Kleine Bücher großer Denker“ angepriesen, anstatt korrekt unter „Angeblich große Bücher kleiner Denker“. Der geneigte 2001-Kunde bekommt auch einen kleinen Vorgeschmack:

Philosophie ist eine schöpferische Kunst, nicht weniger als Malerei und Musik. Sie erschafft Begriffe. Begriffe sind keine Allgemeinheiten, nicht einmal Wahrheiten. Sie haben mit dem Singulären zu tun, mit dem Neuen, mit dem, was einen trifft.

Natürlich sind Begriffe per definitionem Allgemeinheiten und natürlich wird hier die formal-logische Revolution der letzten 100 Jahre furios ignoriert, aber das kennt man ja aus dieser geistigen Ecke :-)

* Link führt zum datumsmäßig unabhängig jeweils aktuellen „Merkheft“.

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Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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