Reise

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In Marokko unterwegs

Die nächsten gut zwei Wochen bin ich auf einer Marokko-Studienreise: Hier die Reiseroute. Ein paar Livefotos wird es in diesem Album geben. Ansonsten die übliche Reiseberichterstattung auf Twitter.

Armenien

Eine Reise im Mai 2012

Armenien zählt zu jenen Ländern über die ich von Reisenden fast ausschließlich Positives zu hören bekam. Womit selbstverständlich nicht gemeint war, dass es dort keine sozialen und wirtschaftlichen Probleme gäbe – das Gegenteil ist richtig. Armenienreisende preisen Land & Leute aus kulturellen Gründen.

Wer dieser Tage nach Jerewan fliegt, der kommt aus fluglogistischen Gründen meist in tiefer Nacht an. Um drei Uhr ist am Flughafen dort ein ähnlicher Betrieb wie in Wien um acht Uhr morgens. Die erste Überraschung nach der Ankunft ist die Hauptstadt, welche mit 1,2 Millionen Einwohnern das kleine Land – nur um ein Drittel größer als Niederösterreich – dominiert. Das Zentrum ist, trotz einiger heruntergekommener Ecken, so modern, dass viele Plätze mit schicken Boutiquen und Restaurants ebenso in einer westeuropäischen Großstadt liegen könnten. Verblüffend auch die Hauptstadtbewohner, deren Mentalität eine Mischung aus skandinavischer und südländischer zu sein scheint. Südländisch, was das Straßenleben angeht. Selbst nach Mitternacht sind noch Familien mit kleinen Kindern unterwegs. Skandinavisch, was vornehme Zurückhaltung angeht. So ist der Straßenverkehr so chaotisch wie in Neapel, allerdings wird kaum gehupt. Auf Kreuzungen bilden die Autos pittoreske anarchische Knoten, die sich friedlich in Stille wieder auflösen. Ein aufdringlicher Armenier ist mir während der gesamten Reise nicht begegnet.

Die alltägliche Armut in Jerewan spielt sich in den heruntergekommenen Plattenbauvierteln um das Zentrum ab. Der bauliche Zustand vieler davon ist deplorabel. Einen dieser Stadtteile haben die Jerewaner deshalb liebevoll „Bangladesh“ getauft. Wirtschaftlich hängt das Land am Tropf der Diaspora. Seien es reiche amerikanische Verwandte, die Geld schicken. Sei es der Familienvater, der in Russland als Gastarbeiter tätig ist und nur wenige Male pro Jahr nach Hause kommt. Selbst die Infrastruktur lebt von ausländischen Devisen. Reiche Exilarmenier finanzieren lebensnotwendige Straßenverbindungen oder investieren in kulturelle Institutionen. Davon gibt es viele im kleinen Armenien und mehr als in den meisten Ländern steht die Literatur und Sprache im Mittelpunkt. Die Armenier sind ein durch und durch literarisches Volk. Und damit meine ich nicht die Intellektuellen, sondern die enge Beziehung des „normalen“ Armeniers zu seiner Sprache, seiner Schrift und seiner Dichtung. Mesrop Mashtots schuf zu Beginn des fünften Jahrhunderts das armenische Alphabet und ist im ganzen Land gegenwärtig. Am prominentesten wohl in der Statue vor dem Matenadaran in Jerewan. Dort werden 14.000 der 30.000 überlieferten armenischen Manuskripte aufbewahrt. Exemplarische Beispiele aller Kategorien sind in Schauräumen für Besucher zu besichtigen. In erster Linie ist der Matendaran jedoch ein Forschungsinstitut, das von Armenienkenner aus der ganzen Welt besucht wird.

Sprache und Schrift ist eines der wichtigsten Distinktionsmerkmale für die Armenier. Ein weiteres ist die armenische Religion, geführt von einer institutionell eigenständigen Kirche. Pikanterweise legitim älter als die sich für allein seligmachend stilisierende katholische Kirche, was dem Vernehmen nach bis heute zu einem historischen Unwohlsein im Vatikan führen soll, wenn die Sprache auf die Armenier kommt. Die armenische Religion vereint Archaisches mit Pragmatischem. So werden bei diversen Gelegenheiten Tiere geopfert, wie im Alten Testament beschrieben. Vor Kirchen und Klöstern sieht man die Opferaltäre. Ganz modern ist der Klerus dagegen in Sachen Seelsorge. Gemeindepriester müssen (!) eine Familie mitbringen. Das dürfte die Zahl der begrapschten Ministranten im Vergleich zu katholischen Gemeinden ebenso signifikant reduzieren wie das Alltagswissen der Seelsorger erhöhen. Das Zölibat ist nur für die höheren Stufen der klerikalen Karriereleiter vorgesehen. Von einem Priesterseminar-Jahrgang entscheidet sich etwa ein Drittel für Ehelosigkeit. Die Restlichen suchen sich Frau & Kind für eine Gemeindestelle.
Archaisch wiederum das alttestamentarisch anmutende Patriarchat. Pater Minas, der Leiter des Priesterseminars am Sewansee, der mehr an seinem Handy als an seinem Glauben zu hängen scheint, setzt ein breites Grinsen auf als wir ihn zum Frauenthema befragen. Er verweist auf das berühmte (und vermutlich apokryphe) Pauluszitat, dass das Weib in der Kirche zu schweigen habe. Ein konservativer Katholik ginge im Vergleich als radikaler Feminist durch. Dazu passt, dass es Frauen in den Kirchen strikt verboten ist, den Altarbereich zu betreten. Sollte es trotzdem zu einem derartigen Sakrileg kommen, gibt es dafür allerdings eine pragmatische Lösung: Man weiht die Kirche neu.

Der Genozid an den Armeniern durch die Türken am Ende des ersten Weltkriegs ist auf mehreren Ebenen präsent. Realpolitisch durch die geschlossenen Grenzen zur Türkei, die das alte armenische Kulturgebiet künstlich trennt, sowie durch die Geopolitik der Region, etwa die Achse Türkei – Aserbaidschan. Ironischerweise gibt es dafür ein herzliches Verhältnis mit dem Iran, was auf einen jahrhundertelangen Multikulturalismus zurückgeht. Symbolisch durch das große Genozidmahnmal in Jerewan, das in mancher Hinsicht an Yad Vashem erinnert. Hinter vorgehaltener Hand erzählen Armenier von der Konkurrenzpolitik Israels, das angeblich seine diplomatischen Beziehungen dafür einsetze, befreundete Staaten von der offiziellen Qualifizierung des Massenmords an den Armeniern als Genozid abzuhalten. Im offiziellen Selbstverständnis des Staates nimmt der Genozid in Armenien jedenfalls denselben hohen politisch-historischen Stellenwert ein wie der Holocaust in Israel.

Wie sich der Gott Israels entschieden hat, seinem auserwählten Volk den einzigen Landstreifen des Nahen Ostens anzuweisen, der kein Erdöl hat, so benachteiligt auch der armenische Gott sein Volk geographisch: Das benachtbarte Georgien ist eine Kornkammer, Aserbaidschan weiß nicht wohin mit dem ganzen Gas und Erdöl. Armenien liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 1800 Metern, weshalb Landwirtschaft nur bedingt möglich ist. Rohstoffe muss man ebenfalls mit der Lupe suchen. Ossip Mandelstam beschrieb Armenien treffend als „Land der Steine“ und tatsächlich sah ich auf keiner meiner bisherigen Reise so viele Steine wie im Südkaukasus. Der ästhetische Gewinn ist direkt proportional zur wirtschaftlichen Nutzlosigkeit der Landschaft. Die Hirten mit ihren Herden in den Hochtälern sind ebenso pittoresk wie die karge Landschaft grandios.
Eingebettet in sie sind die berühmten armenischen Kirchen. Wer je vor bombastischen Barockkirchen, gigantischen Tempelanlagen und riesigen Mausoleen stand, den wird das Understatement der armenischen Architektur überwältigen. Die Kirchen und Klöster sind das Gegenteil von religiösem Bauprotz: klein und elegant fügen sie sich in die Landschaft ein. Sie stehen einsam in Hochtälern, in geologisch spektakulären Schluchten, an Berghänge angeschmiegt, in tiefen Märchenwäldern oder über dem riesigen Sewansee. Ich bin versucht, dafür den Begriff der „Land Art“ zu missbrauchen.

Reise-Notizen: Maribor, Sarajewo & Mostar

Beruflich war ich oft auf dem Balkan unterwegs, so dass ich diese Weltgegend inzwischen gut kenne. Die einzige Ausnahme war Bosnien. Zeit für eine Kurzreise nach Sarajewo also. Einen Zwischenstopp legten wir in der Kulturhauptstadt Maribor ein. Kommt man als unvorbereiteter Kulturtourist nach Maribor ist das Angebot enttäuschend. Zwar gab es einige „Events“ in der Stadt (Bodypainting etc.), ansonsten war aber kaum etwas geboten. Dafür war die schönste Stelle der Stadt, die Flusspromenade, durch ein selten hässliches Konglomerat an Sponsoringhütten verunstaltet. Wir fuhren am nächsten Morgen gerne Richtung Sarajewo weiter.

Die Fahrt durch Nordbosnien, also durch den serbischen Teil, barg die erste große Überraschung. Erwartet hatte ich wenig Infrastruktur, kaputte Straßen und Schafherden. In Wahrheit sind die überregionalen Straßen dort besser in Schuss als so manche in Österreich. Auch das ängstliche Tanken kurz nach der Grenze stellte sich als lächerlich heraus: In jedem Dorf gibt es eine Tankstelle. Vermutlich bin ich noch nie auf einer Straße mit so vielen Tankstellen gefahren wie auf dieser in Bosnien. Selbstverständlich sieht man jede Menge von grotesk wirkenden Industrieanlagen bzw. -ruinen am Straßenrand. Generell wirkt das Land zumindest an den Hauptverkehrsrouten entlang nicht so arm wie ich das erwartet hätte. Um das Straßenthema abzuschließen: Die Route von Sarajewo nach Mostar ist ebenfalls in einem besseren Zustand als so manche andere Strecke in Mitteleuropa. Dabei führt sie überwiegend durch schwieriges Terrain und man musste viele Brücken und Tunnels bauen.

Sarajewo! Dass es sich hier um eine muslimische Stadt handelt, merkt man eigentlich nur an den Moscheen, deren Gebetsrufe übrigens wesentlich dezenter erfolgen als in allen anderen mir bekannten islamischen Ländern. Die Menschen sind europäisch gekleidet (kurze Hosen und Röcke!) und auch sonst sieht man vieles, was in anderen vom Islam geprägten Ländern unvorstellbar wäre. Die Türkei einmal ausgenommen.

Die Altstadt Sarajewos ist schnell besichtigt. Kriegsschäden und sozialistische Bausünden sieht man nicht wenige, trotzdem wirkt die Innenstadt überwiegend saniert. Das Straßenleben ist südländisch und speziell im Basarviertel, das eigentlich mehr einer europäischen Restaurantmeile ähnelt, tobt das urbane Leben. Eine durch und durch sympathische Stadt. Das Nationalmuseum hatte leider geschlossen, es gibt aber eine Reihe kleinere Museen und Gedenkstätten, die man besichtigen kann. Darunter auch jene, welche dem berühmtesten Attentat der Stadt gewidmet ist.

Im Hinterkopf hatte ich natürlich immer den Balkankrieg. Wenn man im Zentrums Sarajewos steht und sich vorstellt, dass mehr als hundert Geschütze von den Hügeln auf die Stadt feuerten, entwickelt man unweigerlich antiserbische Gefühle.

Die Fahrt nach Mostar ist sehr malerisch. Man fährt durch Gebirgstäler und an Seen entlang. Mostar selbst wirkt orientalischer als Sarajewo. Zu diesem Eindruck trug freilich die trockene Hügellandschaft bei, in deren Mitte die Stadt liegt. In der Gasse die zu und von der berühmten Brücke führt fühlte ich mich an die Fremdenverkehrsumtriebigkeit der Salzburger Getreidegasse erinnert. Sobald die Tagestouristen abziehen, wird es ruhiger.

Bosnien ist eine Reise wert.

Wo Jesus Meerschweinchen verspeist

Eine Reise durch Peru und Bolivien [Oktober/November 2011]

Als Francisco Pizarro Lima als Hauptstadt Perus gründete, suchte er sich am Pazifik ausgerechnet einen Platz aus, der neun Monate pro Jahr von einer trüben Dunstglocke eingenebelt wird. Lima ist die erste Station meiner Peru-Erkundung und eine prototypische Stadt Lateinamerikas. Die meisten der siebeneinhalb Millionen Einwohner leben in wenig ansprechenden Wohnblöcken. Die wohlhabende Minderheit findet man in hübschen modernen Stadtvierteln am Meer, wo die Bobo-Dichte ähnlich hoch ist wie in den Wiener Innenstadtbezirken. Die Slums wiederum schlängeln sich malerisch die Hügel hinauf.

Die Altstadt Limas zeigt das koloniale Machtgefüge bis heute: Regierungspalast und Kathedrale liegen am zentralen Platz. Unweit davon die Klöster der Dominikaner und der Franziskaner, die von Beginn an in einem heftigen Konkurrenzverhältnis bei der Verbreitung des Seelenheils standen. Diese bauliche Konstellation findet man in den meisten Städten Südamerikas.

Abgesehen von der Altstadt gibt es an Sehenswürdigkeiten noch einige Museen, allen voran das archäologische Museum. In Europa ist man zwar mit den Inka gut vertraut. Diese Zivilisation stand allerdings erst am Ende einer unglaublich vielfältigen Kulturentwicklung. Ich versuchte vor der Reise, mich einzulesen, aber angesichts einer zweistelligen Zahl an unterschiedlichen Prä-Inka-Kulturen, war das ein vergebliches Unterfangen. Erst als ich im Museum vor den unterschiedlichen Kunstwerken und Gebrauchsgegenständen stehe, lichtet sich langsam der Nebel im Kopf.

Machu Picchu

Von Lima aus reise ich mit einem Zwischenstopp zum Traum aller Touristen: Machu Picchu. Der bequemste Weg ist mit dem Zug zur kleinen Stadt unterhalb der Stätte zu fahren. Die Lok schlängelt sich durch ein beeindruckendes Andental und man durchkreuzt in knapp neunzig Minuten mehrere Klimazonen. Die Alternative wäre eine mehrtägige Wanderung auf dem berühmten Inka-Trail, wo heutzutage allerdings so viel los ist wie auf der Einkaufsstraße einer Großstadt. Beim Bahnhof besteigt der Kulturtourist dann den Bus, der langsam den Berg hinauf kriecht. Die Zahl der Besucher ist auf dreitausend pro Tag limitiert. Auf dem Ticket steht deshalb Datum und Name. Am Eingang wird der Pass kontrolliert. Je berühmter die Sehenswürdigkeit, desto skeptischer bin ich vor einem Besuch. Machu Picchu wird aber zu Recht gerühmt. Die spektakuläre Lage legt sämtliche Schalter um, die ein durchschnittlich sozialisierter Mitteleuropäer in Sachen Naturerlebnis eingebaut bekommen hat: Romantisch! Mystisch! Grandios! Die Archäologen streiten seit der Entdeckung – genauer wäre: Bekanntmachung – Machu Picchus durch Hiram Bingham über die Funktion der Stadt. Ich schlendere durch die Ruinen und versuche mir ein eigenes Bild zu machen. Die beliebteste Theorie derzeit ist, dass es sich um die Sommerresidenz des Inka-Herrschers Pacha Kutiq handelte. Vor den gewaltigen der Landwirtschaft dienenden Terrassen der Bergstadt stehend, frage ich mich allerdings, ob sie zu einem Herrscherlandsitz passt. Pacha Kutiq konnte sich Lebensmittel aus dem ganzen Reich liefern lassen. Wieso sollte er ausgerechnet ein paar Meter von seinem Sommerpalast entfernt einen so störenden Betrieb gestatten?
Das Inka-Reich ist die einzige mir bekannte Zivilisation, wo Planwirtschaft exzellent funktionierte. Trotz der Millionenbevölkerung war die Nahrungsmittel-Logistik so ausgereift, dass es vor der Ankunft der Spanier kein Wort für „Hunger“ gab. Auf der Hochebene zwischen Cusco und dem Titacacasee liegt Raqchi, eine alte Tempelanlage aus der Prä-Inka-Zeit, wo man eine große Menge dieser Getreidespeicher besichtigen kann. Selbstverständlich hatten die Priester dort als Machtinstrument ihre Hände auf den gehorteten Lebensmitteln.

Religion und Kunst

Peru und Bolivien sind zwei Reiseländer, die einem viele Einblicke in das Funktionieren von Religion ermöglichen. Nach der für die Einheimischen verhängnisvollen Ankunft der Spanier gründeten die Franziskaner und Dominikaner ihre Bekehrungsfabriken. Die Franziskaner setzten auf Quantität: Möglichst viele sollten möglichst schnell getauft werden. Die Dominikaner wählten als Hunde des Herrn eine dogmatischere Vorgehensweise und wollten gewisse theologische Mindeststandards nicht unterschreiten. Deutlich später traten die Jesuiten in Aktion. Sie gingen erst buchstäblich bei den Indianern zur Schule. Nachdem sie deren Weltbild und Religion verstanden hatten, entwickelten sie ein maßgeschneidertes Bekehrungsprogramm. Es entstanden so riesige, von Jesuiten dominierte Gebiete, dass es die spanische Regierung mit der Angst zu tun bekam, und 1767 den Orden dort verbot.
Schon sehr früh setzten die Orden die kirchliche Kunst zu Missionierungszwecken ein. Die Marketingstrategie war eine zweifache: Erstens wollte man die Einheimischen durch Prunk beeindrucken. Dazu wurden die Kirchen mit viel Gold ausgestattet. Ich stehe immer wieder vor in barocker Fülle glänzenden Altären, die teils lange vor dem europäischen Barock geschaffen wurden, aber eine ähnliche Wirkung haben. In der Religion der Inka spielte Gold ebenfalls eine überragende Rolle, so konnte man hier mit Hilfe eines Materials eine Brücke zwischen zwei völlig inkompatiblen Weltanschauungen schlagen. Raffinierter war die zweite Variante, nämlich die Anpassung der christlichen Ikonographie an die indianische Kultur. Die Missionsverantwortlichen gingen dabei mit einem erstaunlichen Pragmatismus zu Werk. Nichts veranschaulicht das besser, als die Innenausstattung der Kathedrale von Cusco, der ehemaligen auf dreitausendsechshundert Meter Höhe gelegenen Inka-Hauptstadt. Mehr als dreihundertfünfzig Gemälde sind in der Kirche zu sehen und ermöglichen einen detaillierten Einblick in die Malschule von Cusco. Bereits ab 1580 wurden Elemente des italienischen Manierismus übernommen und die länglich-gestreckt gezeichneten Figuren entsprachen praktischerweise sehr dem indianischen Formempfinden. Weniger subtil war die Anpassung der Sujets: Auf der berühmten Darstellung des letzten Abendmahls liegt vor Jesus ein detailreich gemaltes gegrilltes Meerschweinchen – bis heute das Gericht der Wahl bei feierlichen Anlässen. Ich ließ mir eines Abends in Cusco ein Meerschweinchen servieren und empfehle allen Mitteleuropäern hiermit dringend, auf dieses kulinarische Experiment zu verzichten. Jesus bewirtete seine Jünger in einem andinischen Ambiente ferner mit Papayas, Avocados und Maisbrot.
Madonnen-Skulpturen sind durch geschickten Einsatz der Kleidung unten oft sehr breit und laufen zum Kopf hin spitz zu. Es gehört wenig Fantasie dazu, bei dieser Form einen Berg zu assoziieren. Kein Zufall selbstverständlich: Berge und speziell Vulkane spielten im Glauben der Inka eine überragende Rolle. Die Skulpturen erinnerten die Missonierungsopfer an Pachamama, die Mutter Erde. Die von den Ordensleuten überzeugten Peruaner nannten Pachamama also „Maria“ und alle waren mit dieser Farce zufrieden.
Religionswissenschaftler nennen die Verschmelzung zweier Glaubensrichtungen bekanntlich Synkretismus und im Andenraum ist das bis in die Gegenwart der vorherrschende Glaube. Selbst im Gespräch mit Angehörigen des (kleinen) Mittelstands begreift man schnell, wie tief diese alten Vorstellungen wurzeln, welche vom Katholizismus so weit entfernt sind wie der Titicacasee vom Traunsee. Der Vatikan klassifiziert diese Länder mit der ihm eigenen Chuzpe natürlich als hochkatholisch.

Cusco

Das Zentrum der Inka-Hochkultur lag rund um Cusco, weshalb die Zahl archäologischer Stätten dort besonders hoch ist. Obwohl die Spanier nach ihrer Ankunft vieles aufschrieben, was sie beobachteten, gibt es noch viele Rätsel. So viel wir über das Weltbild der Inka und über das Funktionieren ihrer Gesellschaft wissen, desto weniger ist über wichtige Details bekannt. Die Bautechnik beispielsweise wirft viele Fragen auf. Ich fahre deshalb bei blauem Himmel und dünner Luft nach Saqsaywaman, das über Cusco thront. Die meisten Archäologen halten die Anlage für eine Festung. Dafür sprechen die riesigen, mehrfach gestaffelten Mauerwälle. Allerdings gab es offenbar auch Räumlichkeiten, die nicht militärisch genutzt wurden, und der Ort liegt an einer Seite, von der eigentlich keine Angriffe zu erwarten waren. Ich gehe die Überreste der Mauer entlang und bestaune die Felsblöcke, deren schwerster über hundert Tonnen wiegt. Die Inka verwendeten das Rad nicht und selbst der Einsatz von Hebeltechniken war beschränkt. Zehntausende Einheimische mussten diese Bergbrocken mit Muskelkraft bewegt haben. Plötzlich fällt mir ein, was ich in den Anden schon die ganze Zeit beobachtet, aber bisher noch nie auf den Punkt gebracht hatte: Es ist bis heute eine Träger-Gesellschaft. Obwohl es keinen Mangel an Fahrzeugen aller Art gibt, sieht man jede Menge Menschen zu Fuß, die auf dem Rücken Lasten schleppen. Ich konnte mich nicht erinnern, auch nur eine Schub- oder Sackkarre gesehen zu haben. Auf dem Hinflug nach Lima saß ich neben einem jungen Belgier unterwegs zu seiner fünften Trekkingreise in Peru. Auch er berichtete beeindruckt, wie mühelos die Träger seiner Touren selbst große Lasten trugen. Ich stehe vor den Felsblöcken von Saqsaywaman, blicke auf die Ebene hinter mir und stelle mir tausende von Indianern vor, die mit Seilen riesige Gewichte bewegen. Aber wie konnte man in Zeiten ohne Megaphone unzählige Arbeiter gleichzeitig koordinieren? Jedenfalls hatten die Inka-Herrscher aufgrund ihrer ausgefeilten Administration die Möglichkeit, innerhalb von wenigen Tagen hunderttausende ihrer Untertanen zur Arbeit oder zum Krieg zu mobilisieren.

In der Nähe des berühmten Plaza de Armas, auf dem man früher Mumien der verblichenen Inka-Herrscher in Prozessionen herum trug, liegt die Stadtbibliothek. Im Gegensatz zu Klagenfurt lässt sich die Stadtverwaltung Cuscos nicht lumpen, und stellt ihren Einwohnern ein Haus des Wissens zur Verfügung. Die Größe ist bescheiden und die alten Zettelkästen passten mehr ins neunzehnte als ins einundzwanzigste Jahrhundert. Dafür gibt es einen Raum mit Internetstationen. Die Leseplätze sind überfüllt. Junge und Alte drängen sich um die Pulte und bilden teils kleine Menschentrauben. Die zerlesenen Zeitschriften sind besonders begehrt. Wer verstehen will, welche Hoffnungen Menschen auf Bildung setzen können, der besuche Bibliotheken in Entwicklungsländern.

Titicacasee

Von Cusco aus fahre ich weiter zum Titicacasee. Die Hochebene liegt auf knapp viertausend Meter. Die Klimazonen sind nach oben verschoben, weil unterhalb der Berge der Dschungel liegt. Die Bäume Perus machen sich über unsere mitteleuropäischen Baumgrenzen lustig und versammeln sich in dieser Höhe noch zu Wäldern. Spektakuläre Wolkenformationen sind zum Greifen nahe. Darunter sehe ich dasselbe Schauspiel wie in vielen anderen armen Ländern, die ich besuchte. Immer wenn ich auf Reisen sehe, wie sich die Kleinbauern mit ihren armseligen Mitteln für ihren noch armseligeren Lebensunterhalt abplagen, sei es in Zentralchina, sei es in Nordindien, sei es in Kasachstan, drängt sich mir die Frage auf, ob die Menschen nicht doch besser Jäger und Sammler geblieben wären, statt sich auf das mühselige Landwirtschaftsabenteuer einzulassen. In einem armen Land ohne Sozialhilfe ist der Kampf um das tägliche Überleben selbstverständlich für viele Millionen Menschen an der Tagesordnung.

Trist ist auch die Stadt Puno, die direkt am Titicacasee liegt. Das Erklimmen eines Hotelstockwerks ist auf dieser Höhe bereits eine sportliche Großtat. War Cusco das machtpolitische Zentrum der Inka, so ist der Titicacasee das mythologische. Die Vorfahren der Inka sollen von der Sonneninsel dort stammen. Mit einem Durchmesser von fünfundsechzig Kilometer ist der See breiter als das Land Israel an vielen Stellen. Beinahe zweihundert Kilometer lang und bis zu dreihundert Meter tief wirkt der Titicacasee wie ein Binnenmeer. Haupttouristen-Attraktion sind die aus Schilf gebauten Inseln der Uros-Indianer. Sie zogen ursprünglich auf den See, um den Kriegszügen der Inka zu entgehen. Als ich eine dieser Do-it-yourself-Inseln betrete, wird mir aber schnell klar, dass sie heute nur noch ein Erlebnispark für Touristen sind.
Authentischer ist die Insel Taquile auf der noch tausendfünfhundert Einheimische wohnen. Die vielen bereits fertigen und noch in Bau befindlichen neuen soliden Häuser zeigen uns, dass wir Tagestouristen auch dort die Wirtschaft ordentlich ankurbeln. Trotz der Rucksack- und Kulturreisenden ist die Insel noch nicht am Stromnetz angeschlossen. Auch fließendes Wasser in den Häusern ist eine Seltenheit.

Bolivien

Am tiefblauen Titicacasee entlang, hinter dem sich schneebedeckte Sechstausender erheben, fahre ich Richtung bolivianische Grenze weiter. Im sonst verschlafenen Grenzort war aufgrund eines Marktes Hochbetrieb. Kaum hatte ich mich auf der peruanischen Seite zu den grotesken Grenzformalitäten vorgeschoben, gibt es ein neues Hindernis: Eine Wasserleiche treibt friedlich auf dem Fluss und die zum bolivianischen Grenzübergang führende Brücke war vollgestopft mit enthusiasmierten Schaulustigen.

Auf dem Weg nach La Paz bietet sich ein Zwischenstopp in Tiwanaku an, auch wenn von der einst monumentalen Kultstätte nur noch rekonstruierte Reste zu sehen sind. Die Ruinen dienten über Jahrzehnte als Steinbruch für neue Bauprojekte. Der Grundriss der Akapana-Pyramide gibt eine Vorstellung über die Größe der Anlage. Das erhaltene Sonnentor von Tiwanaku zählt zu den wichtigsten erhaltenen Denkmälern des gesamten Andenraums.

Eine gute Stunde Fahrzeit später, vorbei an der gespenstisch wirkenden Millionenstadt El Alto, wo unzählige unverputzte Häuser eine ebenso trostlose wie spektakuläre Landschaft zieren, und ich stehe über La Paz, die gleich mehrere Superlative für sich beanspruchen darf. Sie ist auf dreitausendsechshundert Meter die höchst gelegene Hauptstadt der Welt. Passionierte Radfahrer sollten die Stadt allerdings meiden: Vom tiefst bis zum höchst gelegenen Viertel sind neunhundert Höhenmeter zu überwinden. Hat man Geld, wohnt man im Tal, wo man die eisigen Winde des Hochlands weniger spürt und die Temperatur bis zu zehn Grad wärmer ist als auf den Höhen Laz Paz‘. Geld mit Touristen wird in La Paz noch direkter verdient als an anderen Orten: Auf dem bunten Bauernmarkt der Stadt nehmen mir Könner ohne Federlesens mein Smartphone ab. La Paz hebt die Fremdheit der Andenkultur auf eine neue Stufe. Das Rätsel, wie sie funktioniert, kann ein kurzer Besuch dort nicht lösen. Die an den Läden baumelnden getrockneten Alpacaföten werde ich jedenfalls nicht so schnell vergessen.

Der Artikel ist als Kulturbrief in Literatur und Kritik Juli 2012 erschienen.

Nächste Station war Buenos Aires.

Brahms-Museum in Mürzzuschlag

Die Zahl an gelungenen Provinzmuseen ist überschaubar. Eine erfreuliche Ausnahme ist das Brahmsmuseum in Mürzzuschlag auf das ich durch Zufall stieß als ich einige Tage in der Semmeringgegend unterwegs war. Es widmet sich dem Thema „Brahms in der Sommerfrische“, so dass man auch von einer Dauerausstellung sprechen könnte. Brahms verbrachte mehrere Sommerurlaube dort, insgesamt wohnte er neun Monate in der kleinen Stadt. Diese Aufenthalte sind durch diverse Ausstellungsobjekte und Fotos dokumentiert. Trotz des Themas wird der Kontext nicht vergessen und die Kuratoren versorgen die Besucher ebenfalls mit Informationen über die wichtigsten Stationen seiner Biographie und zentrale musikalische Werke.
Als Ergänzung gibt es auch einen Brahms Weg, der beim Museum startet und über mehrere Stationen einem der Lieblingsspaziergänge des Komponisten folgt. Wen man also in dieser Region unterwegs ist: Ein Abstecher ist empfehlenswert!

Reise-Notizen: Bratislava

Mai 2012

Bratislava ist von Wien leicht zu erreichen: Wien und Bratislava sind die am nächsten gelegenen Hauptstädte des Kontinents. Trotzdem war ich bisher noch nie dort. Als Anreiseweg wähle ich die Donau und ein Schnellboot der Twincityliner, das einen in etwa 75 Minuten vom Zentrum Wiens in die Altstadt der slowakischen Hauptstadt bringt.

Ich erwarte den Charme den Ostblocks, aber eine Stadtrundfahrt zeigt den Sanierungsfortschritt. Nicht nur die Gebäude in der Innenstadt sind überwiegend renoviert, auch das Stadtschloss wurde von Grund auf neu hergerichtet. Ansprechende Parkanlagen runden das positive Bild ab. Die Sowjetzeit sieht man freilich auch: Jenseits der Donau ist eine riesige Plattenbausiedlung. Doch selbst dort versucht man durch bunte Farben die Tristesse zu mildern.

Der Urbanitätsgrad ist hoch. Jede Menge Straßencafes und Restaurants mit Gastgärten sorgen für ein adäquates Straßenleben. Kurz, ein sympathisches Ausflugsziel. Neugierig betrat ich Slowakische Nationalgalerie, ein Labyrinth! Um zu den Alten zu kommen, muss man das Gebäude wechseln und eine versteckte Treppe finden, die irgendwo an einen modernen Ausstellungsraum anschließt. Die aktuellen Exhibitionen über moderne Kunst waren „state of art“, was man von der Präsentation der Alten Meister nur bedingt behaupten kann. Hier ist der Umbau des Museums noch im Gange, und man bewegt sich frei in einer Baustelle. Leere Galerieräume, fast leere Stockwerke: Alles da! Ich finde schließlich einige sehr schöne (spät)gotische Skulpturen. Auch die grafische Sammlung braucht sich nicht zu verstecken. Bei den Gemälden sind alle Epochen mit Zweitklassigem vertreten. Künstlerische Sensationen sollte man nicht erwarten.

Reise-Notizen: New York

März 2012

New York gehört zu den wenigen Städten, in denen ich mich sofort zuhause fühle. Das liegt nicht nur am sensationellen kulturellen Angebot, sondern auch an der Akzeptanz der New Yorker für alles Fremde: Jeder gehört sofort zur Stadt. Egal woher er kommt, egal wie gut sein Englisch ist. New York ist das beste Beispiel, dass Menschen unterschiedlichster Kulturen und Herkunft auf engem Raum zusammenleben können. Deshalb ist es Ideologen aller Couleur so verhasst. Andererseits versichern mir Bekannte, die viele Jahre in New York wohnten, dass der überwiegende Teil dieses Funktionierens auf das Konto der Gleichgültigkeit gebucht werden kann. Das geht freilich nicht alles bei so einer Menschenmasse.

Ich bin nun zum zweiten Mal in der Stadt. Fünf Tage nur und als ich am Ende mit einem exzellent deutsch sprechenden pakistanischen Taxifahrer zum JFK fahre, fasse ich den Entschluss: Nächstes Mal werde ich 2 Wochen in New York verbringen! Mein Vorsatz war, einiges in Ruhe anzusehen anstatt viel in kurzer Zeit. Über den grandiosen Don Giovanni in der MET berichtete ich bereits. Diesem Prinzip fiel unter anderem das Guggenheim Museum zum Opfer. Ausführlich dagegen besuche ich ich das Metropolitan Museum, mit Schwerpunkt auf den klassischen Gemälden, der Mittelalter- und der Orientsammlung. Dass im Metropolitan eine Vielzahl von hochwertigen Kunstwerken zu sehen sind, ist bekannt. Die Art der Präsentation verdient aber auch der Hervorhebung. So sind die mittelalterlichen Skulpturen in großen Hallen ausgestellt, deren Atmosphäre an Kirchenräume erinnert. Oder die famose Präsentation des Tempels von Dendur in einem eigens errichteten riesigen Ausstellungsraum mit einer enormen Glaswand.

Zum ersten Mal betrete ich die Frick Collection, die mich durch ihre Ungewöhnlichkeit sehr beeindruckt. Das Museum ist in der Villa des Multimillionärs Henry Clay Frick (1849-1919) eingerichtet, der sein enormes Vermögen in hochkarätige Klassiker investierte. Die Sammlung ist zwar klein, enthält aber mehr Meisterwerke als viele bekannte Museen, in denen bekanntlich ja auch viel Zweitklassiges ausgestellt wird. Vermeers (Plural!), Rembrandts und Bellinis hängen im buchstäblich im Wohnzimmer der Villa. Keine Nebenwerke versteht sich, sondern das Beste vom Besten. Dieser verrückte Qualitätsanspruch imponiert. Noch nie sah ich so viel großartige Kunst auf so engem Raum.

Wie zu den Zeiten Fricks ist auch heute New York ein Pflaster, auf dem arge Armut neben ungeheuerlichen Reichtum gleichzeitig existiert. Auf einer Schiffsfahrt umrunde ich Manhattan komplett und bin erstaunt, welche hochgradig heruntergekommenen Plattenbauten man in der Bronx sieht. Dermaßen schäbige Wohnsubstanz sah ich zuvor nur in armen Entwicklungsländern. Auf der anderen Seite schlendert man durch dynamische Bobostadtviertel mit ihren Schallplatten- und edlen Weinläden wie Tribec und SoHo.

In Armenien unterwegs

Ich fliege heute Abend nach Eriwan für eine Studienreise. Fotos von unterwegs werde ich in dieses Facebook-Album stellen. Ansonsten gibt es wie immer Live-Tweets von unterwegs.

Andrej Bitow: Armenische Lektionen

Schon im 19. Jahrhundert spielte der Kaukasus eine symbolbeladene Rolle in der russischen Literatur. Die Faszination mit dieser Weltgegend scheint bei den dortigen Literaten auch später ungebrochen zu sein. Das Armenien-Buch des Ossip Mandelstam stellte ich ja bereits vor (Notiz). Andrej Bitow bereiste Armenien 1967 und schrieb seine Reiseerlebnisse in den Armenischen Lektionen nieder. Die Zensur hatte wenig Freude mit dem Buch. 2001 erschien eine überarbeitete Neuausgabe.

Im Gegensatz zu Mandelstams poetischem Zugang, ist Bitovs Annäherung an das kleine Land leichter zugänglich. Einige Lektionen sind sogar sehr didaktisch, etwa jene, die sich mit der armenischen Sprache und dem Alphabet beschäftigen. Die Qualität ist jedoch sehr unterschiedlich. Manche Kapitel sind spannende und intelligente Alltags-Vignetten, andere dagegen waren mir zu substanzlos, und es drängte sich mir der Verdacht auf, dass es galt, noch ein paar Seiten zu füllen.

Ausgezeichnet gelungen ist die Charakterisierung der Armenier und ihr kompliziertes Verhältnis zu ihrem Land. Folgende kurze Stelle etwa spricht Bände:

„Also, wie gefällt es Dir in Armenien?“ Sanft und fordernd schauen sie mich an.
„Sehr gefällt es mir“, sage ich natürlich. Und sie schauen mich an wie einen hoffnungslosen Fall.
[S. 62]

Die Lektion über den Genozid an den Armeniern bringt den Lesern die grafisch geschilderten Grausamkeit durch Quellenzitate nahe. Bitovs intellektuelle Reflexionen sind zwar lesenswert. Zu diesen Themen wurde aber Besseres geschrieben.

Für die Vorbereitung einer Armenienreise zu empfehlen.

Andrej Bitow: Armenische Lektionen. Eine Reise aus Russland (Suhrkamp)

Mozart: Don Giovanni

Metropolitan Opera (New York) 14.3. 2012

Musikalische Leitung: Andrew Davis
Leporello: Bryn Terfel
Donna Anna: Marina Rebeka
Don Giovanni: Gerald Finley
Donna Elvira: Ellie Dehn
Zerlina: Isabel Leonard

Dieses Mal wollte ich auf keinen Fall nach New York reisen ohne die Metropolitan Opera zu besuchen, weshalb ich mir die Karte schon viele Wochen vorher sicherte. Das Publikum ist deutlich divergenter als in der Wiener Staatsoper. Eine Gemeinsamkeit sind viele Touristen in beiden Häusern.

Nun kenne ich Aufführungen der MET durch diverse elektronische Medien, weshalb meine Erwartungshaltung hoch war. Zu Recht! Die musikalische Qualität des Abends war makellos. Selten hörte ich eine so perfekt gesungene Mozart-Oper. Nicht nur das Duo Finley und Terfel als Don Giovanni und Leporello war superb. Jeder einzelne Sänger lieferte eine Spitzenleistung. Das Orchester stand dem kaum nach. Dabei handelte es sich um einen ordinären Repertoireabend, nämlich die 530. Aufführung dieser Inszenierung. In Wien können „normale“ Abende zwar auch dieses Niveau erreichen, aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Der einzige Einwand: Bühnenbild, Kostüme und Regie waren museal. Allerdings war die Bühne nicht so heruntergekommen wie in Wien bei den älteren Inszenierungen, die seit Jahrzehnten aufgeführt werden. Dieser „Don Giovanni“ war einer der besten Opernabende seit langem. Kein New-York-Besuch ohne MET zukünftig!

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Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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