Literaturbetrieb

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E-Books – der aktuelle Stand

Einen ausführlichen Artikel zum aktuellen Stand rund um das Thema Ebooks und Ebook-Reader gibt es bei Golem.de zu lesen: Elektrisierte Literatur. Auch die FAZ brachte einen Artikel darüber.

E-Book-Abzocker

Jedes neue Geschäftsfeld bringt fragwürdige Geschäftspraktiken hervor. Giesbert Damaschke beschreibt in seinem sehr lesenswerten Blogbeitrag drei Beispiele.

Der neue Kindle ist da

Seit kurzem gibt es bei Amazon den neuen Kindle. Ich werde ihn nach meiner Südamerika-Reise bestellen. Das Literaturcafe hat einen erfreulich ausführlichen Test publiziert.

Über den Wert der Kultur

In unserer Gesellschaft wird überwiegend monetär zum Ausdruck gebracht, was wirklich wichtig ist. Popsternchen und Fußballstars verdienen ein Vermögen, Komponisten und Autoren leben oft auf Sozialhilfe-Niveau. Viele Kulturpreise sind lächerlich dotiert. Kunstschaffende speisen Sponsoren gerne mit ein paar tausend Euro ab, Summen, die sie als jährliche Bonuszahlung als Beleidigung zurückweisen würden. Das ist ein altes, oft beklagtes Muster.

Was mir seit einigen Jahren aber verstärkt auffällt, ist der Preisverfall bei den hochwertigen Kulturprodukten. Die gesammelten Werke von Franz Kafka werden für 9,99 Euro feilgeboten. Den kompletten Beethoven gibt es für 50 Euro (80 CDs) in passabler Qualität, den kompletten Bach (160 CDs) für 170 Euro. Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Alleine mit dem Gesamtwerk Beethovens könnte man sich viele Jahre, wenn nicht sein ganzes Leben beschäftigen.

Man könnte nun argumentieren, das wäre ein großer emanzipatorischer Erfolg. Geld zu haben, sei keine Voraussetzung für Bildung und Kultur mehr. Diese Ansicht hat einen wahren Kern, und es gibt sicher eine Reihe von interessierten Menschen, die davon profitieren. Allerdings wäre mir nicht bekannt, dass Hartz 4 – Empfänger nun verstärkt Beethoven oder Bach hören, nur weil es diese Angebote gibt.

Ich befürchte dagegen, dass bei vielen Menschen der in einer Konsumgesellschaft gut trainierte Effekt einsetzt: Was nicht viel kostet, kann auch nicht sehr viel wert sein. So gesehen dürften diese kulturellen Billigpreise der Kultur mehr schaden als nützen.

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Zu Besuch bei Thomas Bernhard in Obernathal

26.2.

Einen kalten, windigen, aber sonnigen Februartag hatten wir uns ausgesucht für unsere Pilgerfahrt zu Thomas Bernhards berühmten Vierkanthof in Obernathal bei Gmunden im Salzkammergut. Bernhard zählt seit langem zu meinem Lieblingsautoren, und ich hatte auch das Privileg, mich einmal eine Zugfahrt und einen Abend lang ausführlich mit seinem Halbbruder über ihn zu unterhalten.

Aus irgendwelchen Gründen war ich noch nie in Obernathal gewesen, hatte aber ein festes Bild von dem Ort im Kopf. Ein einsamer Vierkanthof musste es sein, weit weg vom nächsten Nachbarn, und zur vermeintlichen Misanthropie eines Thomas Bernhard passend. Ein menschenfreier Rückzugsort, wo der Autor ungestört seiner Übertreibungskunst nachgehen kann.

“Obernathal” in Gmunden also schnell ins Navi eingegeben und schon bald ging die Fahrt über einen besseren Feldweg in die Einöde so schien es. Aus der Einöde wurde aber schnell eine Siedlung und als die Blechstimme “Sie haben ihr Ziel erreicht” tönte, standen wir vor einem Weiler, an dessen Rande Bernhards Bauernhof lag. Zwei Nachbarhäuser zum Greifen nahe! Eine riesige Hochspannungsleitung darüber und in sichtbarer Hörweite als Zugabe die Westautobahn. Keine Spur vom erwarteten einsamen Elfenbeinturm.

Nach einer kurzen Verstörung über meine Naivität dann schnell die Erkenntnis: Bernhards Doppelbödigkeit, sein subversiver Sarkasmus und sein ständiges Auf-Dem-Sprung-Sein fand in Obernathal den ideale Ort.

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Hans Falladas “neuer” Roman

Der Aufbau Verlag hat die Rechte an Falladas Werken gekauft und legt diese nun neu editiert vor. So erschien eben erstmals Jeder stirbt für sich allein in einer unzensierten Fassung. Der ORF hat lobenswerterweise einen ausführlichen Artikel über den Roman und seinen Kontext online gestellt.

Zur Rezension

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Neue Brockhaus-Enzyklopädie geplant

In einem Interview mit buchreport äußert sich Wissenmedia-Geschäftsführer Christoph Hünermann zu den Plänen, eine weitere Auflage des großen Brockhauses anzugehen. Siehe auch die Meldung bei Heise dazu.

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Gerd Haffmans über Samuel Pepys

Im Februar berichtete ich in einer Notiz über das ambitionierte Projekt, die berühmten Tagebücher des Samuel Pepys (1633-1703) erstmals komplett auf Deutsch herauszugeben. Links auf Detailinformationen über die Ausgabe finden sich dort.

Anläßlich des bevorstehenden Erscheinungstermins, äußert sich Gerd Haffmans nun in einem ausführlichen Gespräch mit dem Buchmarkt über die Hintergründe dieser Edition:

Bitte, wer mit Bändchen wie “Tafeln mit Goethe”, “Kegeln mit Kant” oder “Nicht-ganz-bei-Trost bei Bohlen“ sein Genüge findet, dem reicht vielleicht “Peepen mit Pepys”, das kann er nämlich auch. Nein, erst der ganze Pepys erzählt den Roman seines Lebens. Mit dieser Einsicht in mehr wuchs die Lust aufs Ganze. Was dieses Tagebuch so einzigartig macht, ist
erstens die einmalige, zuweilen geradezu grausame Ehrlichkeit, zweitens die Regelmäßigkeit und Dauer: kein Tag ohne Eintrag – und das zehn Jahre lang, und schließlich das hemmungslose Mitteilungsbedürfnis eines intelligenten, wachen und vergleichsweise vorurteilslosen Autors.

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Buchbranche und Ebooks

Ken Auletta stellt ihrem erfreulich ausführlichen Artikel im New Yorker die Frage: “Can the iPad topple the Kindle, and save the book business?”. Er berichtet auch ausführlich über den Preis- und Machtkampf, den sich Apple, Amazon und die Verleger zum Thema Ebooks liefern. Schwerpunkt ist die amerikanische Buchbranche, aber der Artikel ist insgesamt sehr aufschlussreich.

Interessant auch die Passage über die Zukunft des Verleger-Autoren-Verhältnisses:

Amazon seems to believe that in the digital world it might not need publishers at all. In December, the Simon & Schuster author Stephen Covey sold Amazon the exclusive digital rights to two of his best-sellers, “The 7 Habits of Highly Effective People” and “Principle-Centered Leadership.” The books were sold on Amazon by RosettaBooks, and Covey got more than half the net proceeds. One publisher said, “What it did for us was confirm that Amazon sees itself as much as a competitor as a retailer. They have aspirations to be a publisher.”

A close associate of Bezos puts it more starkly: “What Amazon really wanted to do was make the price of e-books so low that people would no longer buy hardcover books. Then the next shoe to drop would be to cut publishers out and go right to authors.” Last year, according to several literary agents, a senior Amazon executive asked for suggestions about whom Amazon might hire as an acquisitions editor. Its Encore program has begun to publish books by self-published authors whose work attracts good reviews on Amazon.com. And in January it offered authors who sold electronic rights directly to Amazon a royalty of seventy per cent, provided they agreed to prices of between $2.99 and $9.99. The offer, one irate publisher said, was meant “to pit authors against publishers.”

Grandinetti concedes that Amazon has tried to make more direct deals with authors: “We’re constantly looking for ways we can do something more efficiently.” He suggested that this was nothing new. “There’s a long history of booksellers in the publishing business,” he said, mentioning Barnes & Noble. Major publishers, he points out, all sell books directly to consumers on their Web sites. “It seems like they’re in our business, so it’s a strange argument to worry about this in the other direction,” he said. But publishers’ sales through their own Web sites are negligible, and though Barnes & Noble’s publishing program antagonized publishers, it did not threaten a wholesale devaluation of their products. O’Reilly believes that publishers have good reason to be anxious. “Amazon is a particularly farsighted, powerful, and ruthless competitor,” he says. “I don’t think we’ve seen a business this competitive in the tech space since Microsoft.”

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“Publishing: The Revolutionary Future”

Jason Epstein analysiert in seinem Artikel für die aktuelle New York of Review of Books (Nr. 4), welche Auswirkungen der digitale Wandel auf die Buchbranche haben wird:

The transition within the book publishing industry from physical inventory stored in a warehouse and trucked to retailers to digital files stored in cyberspace and delivered almost anywhere on earth as quickly and cheaply as e-mail is now underway and irreversible. This historic shift will radically transform worldwide book publishing, the cultures it affects and on which it depends. Meanwhile, for quite different reasons, the genteel book business that I joined more than a half-century ago is already on edge, suffering from a gambler’s unbreakable addiction to risky, seasonal best sellers, many of which don’t recoup their costs, and the simultaneous deterioration of backlist, the vital annuity on which book publishers had in better days relied for year-to-year stability through bad times and good. The crisis of confidence reflects these intersecting shocks, an overspecialized marketplace dominated by high-risk ephemera and a technological shift orders of magnitude greater than the momentous evolution from monkish scriptoria to movable type launched in Gutenberg’s German city of Mainz six centuries ago. [...]

The resistance today by publishers to the onrushing digital future does not arise from fear of disruptive literacy, but from the understandable fear of their own obsolescence and the complexity of the digital transformation that awaits them, one in which much of their traditional infrastructure and perhaps they too will be redundant. Karl Marx wrote of the revolutions of 1848 in his Communist Manifesto that all that is solid melts into air. His vision of a workers’ paradise was of course wrong by 180 degrees, the triumph of wish over experience. What melted soon solidified as industrial capitalism, a paradise for some at the expense of the many. But Marx’s potent image fits the publishing industry today as its capital-intensive infrastructure—presses, warehouses stacked with fully returnable physical inventory, its retail market constrained by costly real estate—faces dissolution within a vast cloud in which all the world’s books will eventually reside as digital files to be downloaded instantly title by title wherever on earth connectivity exists, and printed and bound on demand at point of sale one copy at a time by the Espresso Book Machine[1] as library-quality paperbacks, or transmitted to electronic reading devices including Kindles, Sony Readers, and their multiuse successors, among them most recently Apple’s iPad. The unprecedented ability of this technology to offer a vast new multilingual marketplace a practically limitless choice of titles will displace the Gutenberg system with or without the cooperation of its current executives. [...]

Seiner plausiblen Prognose nach wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Epstein betont die Chancen dieser Entwicklung, anstatt in eine kulturpessimistische Tirade zu verfallen.

Ich sehe die Ebook-Technologie als willkommene Ergänzung zum “klassischen” Buch. Für viele Anwendungsfälle werden Ebooks ihre Vorläufer auf Papier ablösen: Nachschlagewerke, Fachbücher, Gebrauchsliteratur. Die iTunes-Generation wird ihre Harry Potters und Grishams ohne Berührungsängste am Display lesen.

Das gedruckte Buch wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Wie auch in der Vergangenheit werden die Kulturpessimisten nicht Recht behalten, die mit erhobenem Zeigefinger altklug und neudumm gegen neue Technologien predigen.

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