Bibliomanie

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Das Ende der Encyclopaedia Britannica

Wenige Buchprojekte beeindruckten mich mehr als die Encyclopaedia Britannica. Die Vorzüge dieser Enzyklopädie habe ich hier mehrmals angepriesen, beispielweise in dieser Empfehlung. So wohlwollend ich elektronischen Büchern gegenüber stehe, in diesem Fall wird die virtuelle Ausgabe so schnell kein Ersatz für die Printausgabe sein können. Zumindest am Monitor wird man niemals Artikel in Buchlänge lesen wollen. Eine Ebook-Ausgabe für Kindle und Co. könnte eine bessere Alternative sein.

Das Ende der gedruckten Britannica ist das Ende einer Ära. Meine Ausgabe wird dauerhaft ihren Ehrenplatz in meiner Bibliothek behalten.

Encyclopaedia Britannica kapituliert vor Internet (Die Welt)

Angekommen im Digitalzeitalter
(Süddeutsche)

The sad death of the Encyclopaedia Britannica
(The Telegraph)

Die 20 schönsten Buchhandlungen der Welt?

Unbedingt muss ich hier natürlich auf diese schöne Kompilation hinweisen: The 20 Most Beautiful Bookstores in the World.

Wie liest man viele Bücher?

Ich werde oft gefragt, wie ich es in meiner Freizeit schaffe, zusätzlich zu allen anderen Kultur- und Reiseaktivitäten, auch noch so viele Bücher zu lesen. Worauf ich immer antworte, dass es so viele ja gar nicht mehr seien – hier geht es zu meiner Leseliste. Ich verweise auch gerne auf Buchverschlinger wie den Bibliomanen Markus Kolbeck.

So interessiert mich naturgemäß, wie andere Vielleser diese Frage beantworten, etwa Scott H. Young in How to Read 70+ Books in a Year. Seine Vorschläge werde ich im folgenden mit meinen eigenen Lesegewohnheiten vergleichen:

Step One: Learn to Speed Read

Für Fach- und Sachbücher kann man sich tatsächlich Schnelllesetechniken aneignen. Damit meine ich weniger, dass man die Lesegeschwindigkeit künstlich erhöht – Vielleser lesen ohnehin schnell -, sondern dass man den Mut zum Querlesen, Überblättern und zur Lücke hat. Die wenigsten Sachbücher erhalten auf jeder Seite Relevantes. So kann man durchaus zur Essenz eines Buches vordringen, ohne jeden Buchstaben gelesen zu haben.

Bei Literatur, und speziell bei Klassikern, ist das aber unmöglich, wenn man sie ästhetisch liest. Hier verlangt jedes Werk ein eigenes Lesetempo. Die Gedichte Paul Celans erlauben genauso wenig ein „speed reading“ wie Goethes Faust. Man kann sich natürlich als Literaturfachmann ein Bild über ein Buch machen, in dem man es quer liest. Das ist dann aber ein fachliches Leseerlebnis, kein ästhetisches.

Step Two: Always Have a Book

Hier gehe ich einen Schritt weiter: Man sollte immer mehrere Bücher gleichzeitig lesen, damit je nach Stimmung und Konzentrationsgrad eine Lesemöglichkeit besteht. Allerdings sollte man unterschiedliche Bücher gleichzeitig lesen. Also nicht drei Shakespeare-Stücke gleichzeitig, sondern z.B. ein Stück von ihm, einen aktuellen Roman und ein oder zwei Sachbücher.

Step Three: One Book at a Time

Nach dem oben Gesagten, widerspricht das meinen Erfahrungen.

Step Four: Fill Gap Time With Reading

Entspricht meiner Lesepraxis. Wobei ich in solchen Pausen oft auch Hörbücher mit meinem MP3-Player höre. Seit Dezember gehe ich nur selten ohne meinen Kindle aus dem Haus.

Step Five: Cut the Television and Web-Surfing

Ein sehr valider Tipp. Würde aus eigener leidvoller Erfahrung noch „cut social media“ ergänzen wollen.

Step Six: Keep a To-Read List

Noch besser als eine Leseliste, ist ein sogenannter SUB (Stapel ungelesener Bücher). Man sollte immer ungelesene Bücher daheim haben, damit man eine Auswahl hat.

Andere Erfahrungen?

Die Österreichische Nationalbibliothek und Google

Die Österreichische Nationalbibliothek lässt von Google 600.000 Bücher digitalisieren. Max Kaiser beschreibt das Projekt in Liber Quarterly unter dem Titel Putting 600,000 Books Online (PDF).

Neues Reclam-Design

Es ist wieder so weit: Reclam hält ein neues Design der Universalbibliothek für notwendig. Auf einer Verlagsseite wird es vorgestellt. Zusätzlich gibt es ein von Karl-Heinz Fallbacher herausgegebenes Heft mit Erläuterungen der Hintergründe, das auch als PDF-Datei zur Verfügung steht. Mein erster Eindruck ist negativ, aber erst einmal anhand eines gedruckten Beispiels ansehen…

Tim Parks über den Kanon

Im Blog der New York Review of Books berichtet Tim Parks, wie wenig zukünftigen Autoren anscheinend die inzwischen weit verbreiteten „world literature“ Kurse helfen:

Every year I send a number of my Italian students in the Masters in Translation program at IULM University, Milan to England on an exchange. Years ago they would take general courses in English and American literature; then it was post-colonial literature; now they study “world literature.” Looking at the reading lists, which range far and wide chronologically and geographically, from the Epic of Gilgamesh to Ernest Hemingway, the Tale of Genji to Jorge Luis Borges, it is hard to imagine how a strong sense of context can be built up around any of the individual works. Or rather, the only relevant context is the human race, planet Earth, post 5000 BCE, circa.

Bücher in den Müll?

Bibliothekar und Germanist Dale Askey publizierte in seinem Blog einen kontroversen Beitrag: Why I no longer collect books. Er wirft Bücher auch weg, was für viele Bücherfreunde natürlich unverständlich ist:

The inability to discard even the most pointless book appears to be some universal human problem. No normal person has problems throwing out cracked dishes, old shoes, cassette tapes, dead plants, and so on. But old books, no matter how moldy, battered, or pointless, just never get the treatment they deserve, which is sometimes a trash bin. Ask any librarian how many people have tried to donate their lovingly boxed and preserved National Geographic magazines, their basic and battered Shakespeare sets, and so forth, and you’ll get epic tales of pointless gifts that just put an expensive burden on libraries. Who hasn’t seen a garage sale where someone isn’t trying to sell a Gideon’s Bible or a Book of Mormon (the point being that they are given away freely)? How many people still have their college textbooks on their shelves with those little yellow USED stickers intact? People, throw away your own trash!

Ich selbst habe kein Problem, Bücher unter gewissen Umständen zu entsorgen. Mein Verhältnis zu Büchern kann man in dieser Notiz nachlesen.

Karlheinz Deschner über das Lesen

Lesen hat nie meinen Schmerz erleichtert. Las ich, litt ich nie sehr, und litt ich, konnte ich nie lesen. Literatur gab mir Trost nur, solang ich keinen brauchte.

Ein Wiener Bibliomane

Ein sehr schönes Porträt des Wiener Büchersammlers Wolfgang Telesklav kann man in der Wiener Zeitung nachlesen. Bald 30.000 Bücher nennt Telesklav sein eigen und sammelt immer noch intensiv weiter.

Die Buchskulpturen des Guy Laramee

Guy Laramee schafft beeindruckende und assoziationsreiche Skulpturen, indem er als Materialien Bücher verwendet. Fotos dieser Werke kann man auf seiner Webseite bewundern. Eine Zusammenstellung findet sich ebenfalls bei Visual News.

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Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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