Bibliomanie

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Der Manesse-Verleger im Interview

Der Manesse Verlag ist nach wie vor einer der wichtigsten Klassikerverlage im deutschsprachigen Raum. Verlagsleiter Horst Lauinger gab der Zeit ein Interview:

ZEIT ONLINE: Jetzt kann man einwenden: Manesse gehört zu Random House, ist ein Konzernverlag. Wenn Sie Verluste machen, fallen Sie weich.
Lauinger: Das ist ein weitverbreiteter Irrtum. Jedes große Unternehmen, egal in welcher Branche, wird mittlerweile nach dem Profitcenter-Prinzip geführt. Das heißt: Jede zum Konzern gehörende Einheit muss für sich selbst bestehen können. Es ist also durchaus nicht so, dass, wenn zum Beispiel der Blessing-Verlag mit dem neuen Schirrmacher-Buch Erfolg hat, ich davon in der Querfinanzierung etwas abbekomme. Querfinanzieren kann ich mich nur selbst, mit Manesse-Erfolgen. Man hat bei Random House selbstverständlich eine gewisse Renditeerwartung. Die muss ich nicht zu hundert Prozent erfüllen. Aber die schwarze Null am Ende des Jahres ist das Mindeste. Und das gelingt uns seit Jahren recht passabel.

Egon Friedell an Anton Kuh

Sehr geehrter Herr,

überrascht stelle ich fest, dass Sie meine bescheidene Erzählung „Kaiser Josef und die Prostituierte“ unverändert, nur unter Hinzufügung der drei Worte „von Anton Kuh“ im „Querschnitt“ veröffentlicht haben.

Es ehrt mich selbstverständlich, dass Ihre Wahl auf meine kleine, launige Geschichte gefallen ist, da Ihnen doch die gesamte Weltliteratur seit Homer zur Verfügung gestanden hat.

Ich hätte mich deshalb gerne revanchiert, aber noch Durchsicht Ihres ganzen Oeuvres fand ich nichts, worunter ich meinen Namen hätte setzen mögen.

Egon Friedell

Stirbt die ISBN?

The Economist berichtet in Book-keeping über das mögliche Sterben der ISBN:

But publishing is changing. Self-published writers are booming; sales of their books increased by a third in America in 2011. Digital self-publishing was up by 129%. This ends the distinction between publisher, distributor and bookshop, making ISBNs less necessary.

Alternatives are appearing, too. Amazon has introduced the Amazon Standard Identification Number (ASIN). Digital Object Identifiers (DOI) tag articles in academic journals. Walmart, an American supermarket chain, has a Universal Product Code (UPC) for everything it stocks—including books. Humans are also getting labels: the Open Researcher and Contributor ID system (ORCID) identifies academics by codes, not their names. And ISBNs are not mandatory at Google Books.

Mein zweiter Kindle – Eine Reflexion

Meine erste Begegnung mit dem Kindle dokumentierte ich für The Gap und die Notiz zählt immer noch zu den am meisten gelesenen. Mehr als ein Jahr später und inzwischen mit einem Paperwhite ausgestattet, ist es Zeit für eine Zwischenbilanz.

Die Diskussion über Ebook-Reader ist eine rege, steht doch nicht zuletzt das Überleben der Buchhandlungen auf dem Spiel. Für mich wäre ein Leseleben ohne Kindle inzwischen schwer vorstellbar. Unterwegs habe ich das Gerät immer dabei und damit fast alle meine Lieblings-Klassiker nebst jeder Menge anderer Büchern. Die Beleuchtung beseitigte eines der ärgerlichsten Probleme meines Leselebens: Mangelndes Licht. Ob halbdunkle Kaffeehäuser oder halbdunkle Bars, ob durch funzelige Energiesparlampen dreivierteldunkle Hotelzimmer: Diese Ärgernisse sind kein Thema mehr. Ich kann lesen, wann & wo ich will. Sehr bewährt hat sich diese Tatsache auf meiner letzten Marokko-Reise.

Zusätzlich die Zeitschriften und Zeitungen. Mit meiner 3G-Version des Paperwhite bekomme ich weltweit in Echtzeit nicht nur die Neue Zürcher Zeitung oder den The Economist. Letzterer ist insofern ein gutes Beispiel, als meine Printausgabe in der Vergangenheit immer am Montag zugestellt wurde, während ich jetzt die neue Ausgabe bereits am Donnerstagabend bekomme und damit vier Tage früher. An diese Bequemlichkeiten gewöhnt man sich rasch und möchte sie nicht mehr missen.

Dieser Bequemlichkeit steht allerdings eine Fülle von kritischen Beobachtungen gegenüber, die sich jeder bewusst machen muss, wenn er sich dieser Technik bedient. Zu Beginn drängt sich die Frage auf, wie nachhaltig eine Kindle-Bibliothek sein kann. Technisch kann Amazon jederzeit jedes Buch von jedem Kindle löschen. Was passiert, wenn es Amazon in 10 Jahren nicht mehr gibt? Im Internetgeschäft verschwinden immer wieder innerhalb weniger Jahre Platzhirsche vom Markt. Mindestens ebenso kritisch ist das Thema Privatsphäre. Es ist bekannt, dass in den USA die Geheimdienste offiziell ohne Gerichtsbeschluss Zugriff auf alle Daten der großen Internet-Firmen besitzen. Als amerikanische Geheimniskrämer vor längerer Zeit Zugriff auf die Ausleihdaten amerikanischer Bibliotheken wollten, gab es einen Aufschrei der Empörung und der Verstoß scheiterte. Dabei wäre es doch so praktisch zu wissen, wer islamistische oder marxistische oder anarchistische Bücher liest, nicht wahr? Kindle-Leser erfüllen diesen Traum freiwillig. Amazon speichert natürlich nicht nur, welche Titel man gekauft hat. Die Datenbanken wissen auch, was man wirklich liest, wie schnell man dies tut, wo man ein Buch abgebrochen hat. Bei Lesern bekommt man hier schon nach kurzer Zeit ein aussagekräftiges Persönlichkeitsprofil. Die jüngsten Enthüllungen über die Arbeitsbedingungen bei Amazon durch eine ARD-Reportage verschärfen das ethische Dilemma. Wobei Amazon für die Auslieferung von Ebooks im Gegensatz zu Büchern ja keine Lagerarbeiter benötigt.

So viel zum Elektronischen. Die geschilderten Vorteile heißen nun natürlich nicht, dass ich Bücher nicht mehr schätze. Ein gedrucktes Buch hat das Zeug zu einem Gesamtkunstwerk und in meiner Privatbibliothek finden sich auch bibliophile Ausgaben. Aber gerade diese schönen Ausgaben nimmt man nicht mit außer Haus. Ich plädiere deshalb für eine friedliche Koexistenz zwischen Gedrucktem und Elektronischem. Ein Kindle ist ideal für unterwegs. Man kann hunderte Bücher und Zeitschriften in die Jackentasche stecken und sie jederzeit und bei allen Lichtverhältnissen verwenden. Bücher dagegen sind für mich wertvolle Individuen, denen man sich zu Hause widmet. Auf dem Sofa ist es selbstverständlich schöner, in einer Leviathan-Ausgabe der Londoner Folio Society zu lesen als in einer mit Tippfehler angereicherten Gratis-Klassiker-Ausgabe auf dem Kindle. Letztere Ausgabe ist trotzdem hilfreich, wenn man auf Reisen einmal kurz einige Passagen nachlesen will.

Für mich ersetzen Ebooks billige Taschenbücher sowie Sach- und Fachbücher, die ich ohnehin nicht dauerhaft in meiner Bibliothek aufbewahren will. Die Bücher in den Regalen werden zukünftig fast nur noch gebunden sein und schöner als in der Vergangenheit. Die Freunde des Gedruckten sollten sich aber über den Vormarsch der Ebooks keinen Illusionen hingeben. Fast alle Büchermenschen in meinem Bekanntenkreis, von Literaturkritikern über Lektoren bis hin zu Literaturwissenschaftlern, nutzen inzwischen intensiv Kindle & Co. Mit anderen Worten: Gerade für die kleine Minderheit an großen Lesern – und damit die Hauptumsatzbringer der Buchbranche – sind Ebooks bereits Teil des Alltags.

Literaturnobelpreisträger Mo Yan

Schon lange war kein Literaturnobelpreisträger politisch so umstritten wie Mo Yan. Chinakenner Perry Link beschäftigt sich in der New York Review of Books No. 19/2012 ausführlich mit dem Autor: Does This Writer Deserve the Prize? Die politische Kritik scheint durchaus berechtigt zu sein:

Some criticized the Nobel committee, but their main criticism was of Mo Yan himself, primarily for some of his recent political choices. At the opening ceremonies of the Frankfurt Book Fair in October 2009, he read an officially vetted speech in which he claimed that literature should be above politics; but, when Chinese authorities ordered a boycott of a session where the freethinking writers Dai Qing and Bei Ling appeared, Mo Yan joined the walkout, later explaining that he “had no choice.”

In December 2009, after the announcement of Liu Xiaobo’s unexpectedly harsh prison sentence of eleven years, Cui Weiping, a film scholar, conducted a telephone survey of more than a hundred prominent Chinese intellectuals to get their responses. Many, at personal risk, expressed disgust and told Cui she could publish what they said. Mo Yan, who also gave permission to publish what he said, said, “I’m not clear on the details, and would rather not comment. I have guests at home right now and am busy.”

But most galling to Mo Yan’s critics was his agreement, in June 2012, to join in a state-sponsored project to get famous authors to hand-copy Mao Zedong’s 1942 “Talks at the Yan’an Forum on Literature and Art” in celebration of their seventieth anniversary. These “Talks”—which were the intellectual handcuffs of Chinese writers throughout the Mao era and were almost universally reviled by writers during the years between Mao’s death in 1976 and the Beijing massacre in 1989—were now again being held up for adulation. Some of the writers who were invited to participate declined to do so. Mo Yan not only agreed but has gone further than others to explain that the “Talks,” in their time, had “historical necessity” and “played a positive role.”

Economist: Best Books 2012

Inzwischen hat auch The Economist seine Buchempfehlungen 2012 vorgelegt und fast das Bücherjahr so zusammen:

The best books of 2012 were about Richard Burton, Titian, Rin Tin Tin, the revolution in Iran, the great famine in China, secret houses in London, good oil companies, bad pharma and management in ten words.

Suhrkamp vor Gericht

Der Rechtsstreit um Suhrkamp erreicht eine neue Eskalationsstufe: Die Suhrkamp Chefin Ulla Unseld-Berkewicz wurde vom Berliner Landgericht abgesetzt, wie man im Spiegel nachlesen kann. Noch nicht rechtskräftig.

New York Times: Best Books 2012

Wie jedes Jahr im Dezember veröffentlicht die Buchredaktion der New York Times zwei Listen mit den ihrer Meinung nach besten Büchern des Jahres:

The 10 Best Books of 2012

100 Notable Books of 2012

Es freut mich natürlich, dass es eines meiner Lieblingsbücher des Jahres auf den ersten Platz bei den Sachbüchern geschafft hat: Behind the Beautiful Forevers: Life, death, and hope in a Mumbai undercity.

Larry McMurtrys letzter Buchverkauf

In den USA ist Larry McMurty den Büchermenschen als Büchermensch kein Unbekannter. Nicht nur nennt er eine Privatbibliothek mit 28.000 Bänden sein eigen, als Antiquar waren ihm sogar 400.000 Bücher zur Verfügung gestanden. 300.000 davon bot er in einer großen Auktion an, über die er im Blog der New York Review of Books berichtet: The Last Book Sale:

Everything sold but the fiction. Everyone who deals in fiction has plenty, and more is spilling onto the market from the sale of the Serendipity Books stock now being dispersed on the West Coast. Many people asked me if I was sad to see so many books go. I wasn’t—mainly I was irritated to discover that I still had 30,000 novels to sell.

Neulich in der Buchhandlung

Ein virtueller Bekannter will seine neue kommentierte „Felix Krull“ – Ausgabe abholen:

Ich ging in meine Stammbuchhandlung, sage zur neuen Mitarbeiterin: „Krull.“ Sie schaut irritiert. Ich sag: „Thomas Mann.“ Sie: „Hm. hier ist wohl ein Thomas Mann, Herr Krull, aber der ist für einen Herrn Beck…“

Liebe Buchhandlungen, hört auf über Amazon zu jammern oder beschäftigt keine literarischen Troglodyten mehr!

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Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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