Tschechow: Drei Schwestern

Burgtheater 23.4. 2016

Regie: David Bösch

Andrej Segerjewitsch Prosorow: Philipp Hauß
Natalja Iwanowa, seine Braut: Stefanie Dvorak
Olga, seine Schwester: Katharina Lorenz
Irina, seine Schwester: Marie-Luise Stockinger
Mascha, seine Schwester: Aenne Schwarz
Kulygin, Fjedor Iljitsch, Gymnasiallehrer, Maschas Mann: Dietmar König
Werschinin, Alexander Ignatjewitsch, Kommandeut der Artilleriegarnison: Fabian Krüger
Soljony, Wassilij Wassiljewitsch, Hauptmann im Stab: Michael Masula
Tusenbach, Nikolaj Ljowitsch, Baron, Leutnant: Martin Vischer
Tschebutykin, Iwan Romanowitsch, Militärarzt: Falk Rockstroh
Anfissa, Njanja: Elisabeth Augustin

Heute arbeiten sich die Eliten zu Tode. Selbst Milliardäre hetzen sich von einem Projekt zum anderen. Ganz anders die Eliten vor dem 20. Jahrhundert: Sie langweilten sich zu Tode. Für das Theater hat diesen Ennui niemand besser auf die Bühne gebracht als Tschechow. In diesem Stück langweilen sich die titelgebenden drei Schwestern, welche sich nach dem Tod ihres Vaters aus ihrer öden Provinzstadt vergeblich nach Moskau sehnen. Dynamik gewinnt die Handlung erst als ihr vom hoffnungsvollen Intellektuellen zum spielsüchtigen Provinzler herabgesunkener Bruder eine gehässige und intrigante Provinzlerin aus der Stadt ehelicht.

Tschechow ist ein Autor der mit der Behutsamkeit des gesprochenen Wortes arbeitet und mehr als andere Dramatiker auf den Dialog setzt. David Bösch bringt erfreulicherweise den Mut auf, die Drei Schwestern als klassisches Literaturtheater auf die Bühne zu bringen, und verzichtet deshalb auf zwanghaft originelle Regieeinfälle. Die Schauspieler danken es ihm durch eine sehr erfreuliche Leistung. Eine Empfehlung für alle Freunde der Weltliteratur.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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