Wagner: Parsifal

Wiener Staatsoper 2.4. 2015

Dirigent: Adam Fischer
Amfortas: Michael Volle
Gurnemanz: Stephen Milling
Parsifal: Johan Botha
Kundry: Angela Denoke
Titurel: Ryan Speedo Green
Klingsor: Boaz Daniel

Ein in allen Belangen erfreulicher Abend. Das Staatsopernorchester war glänzend disponiert und das Vokalensemble erlaubte sich keine Schwächen. Michael Volle als Amfortas hatte eine besonders fulminante schauspielerische Präsenz auf der Bühne.

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Wiener Staatsoper 31.3. 2013

Dirigent: Franz Welser-Möst / James Pearson
Regie: Christine Mielitz

Amfortas: Tomasz Konieczny
Gournemanz: Kwangchul Youn
Parsifal: Christian Elsner
Kundry: Evelyn Herlitzius
Klingsor: Wolfgang Bankl

Es war ein turbulenter Opernabend: Franz Welser-Möst hatte einen Kreislaufkollaps. Er kollabierte jedoch nicht am Dirigentenpult, wie heute in den Medien zu lesen ist, sondern er dirigierte bis zur ersten Pause und verließ dann völlig normal den Orchestergraben. Es sprang nach einer guten Stunde Pause Solokorrepetitor James Pearson ein, der die Aufführung rettete und hervorragend fortsetzte. Ich weiß nicht, ob er schon einmal am Pult stand. Wenn nicht, sollte man ihm nun regelmäßig diese Chance geben.
Schon vorher war der Abend nicht vom Glück verfolgt, sagte doch Jonas Kaufmann als Parsifal krankheitshalber ab. Dankenswerterweise sprang Christian Elsner ein, der gesanglich eine gute Leistung brachte, aber optisch so gar kein Parsifal ist (Phänotyp Otfried Fischer!). Erinnerte mich an stark übergewichtige Opernsänger, welche als Fidelio einen Halbverhungerten singen müssen.
Musikalisch war der Abend trotz des Dirigentenwechsels exzellent. Schon lange nicht mehr hörte ich das Staatsopernorchester so hervorragend spielen. Als Wiener Philharmoniker sind die Musiker an gelungenen Konzertabenden nicht besser. Der Staatsopernchor war ebenfalls gut in Form und trotz der langen Wagnerstrapaze hielten auch die Sänger bis zum Ende ihr hohes Niveau.

Die Inszenierung von Christine Mielitz ist für die Wiener Staatsoper erfrischend modern. Selbst Videoprojektionen kamen zum Einsatz, die ich allerdings von meinem Platz in der ersten Reihe der Galerie nur teilweise sehen konnte. Mielitz findet immer wieder starke, wirkungsvolle Bilder. Als Beispiel sei das erste Gral-Ritual genannt, während dessen sich die Bühne hebt und im Untergrund der Chor singt. Auch die Schlussszene ist beeindruckend, wo die Ritter wie heruntergekommene Soldaten nach einer Schlacht auf der Bühne liegen. Damit schafft Mielitz eine Brückenschlag vom fantastischen Universum der Oper in die Realität des Krieges.

Parsifal ist Wagners insofern anspruchsvollste Oper, als sie rätselhaft ambivalenter ist als alle anderen seiner Werke. Zwar wird sie gerne rund um Ostern aufgeführt und in der neuen Inszenierung der Salzburger Osterfestspiele darf sich sogar eine Jesusfigur ständig auf der Bühne herumtreiben, aber das Stück lässt sich nicht auf eine Apologie des Christentums reduzieren. Dafür gibt es viel zu viele mythologische und heidnische Elemente. Eher setzt Wagner seine Mythenexploration am Beispiel des Christentums fort, mit sehr viel Spielraum in andere symbolische Welten hinein. Dieser schwer zu bändigende fiktionale Raum ist, neben der Musik natürlich, der eigentliche Reiz des Parsifal.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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