Tom Standage: History of the World in 6 Glasses

Wer sich für Getränke interessiert, wird an diesem Buch seine Freude haben. Standage hatte nämlich die originelle Idee, eine Weltgeschichte aus der Perspektive der jeweils wichtigsten Flüssigkeiten zu schreiben. Auftakt macht das Bier, das in Mesopotamien und Ägypten eine herausragende Rolle spielte und sogar als Währung Verwendung fand. Standage beschreibt jeweils die Entstehung und Verwendung des Getränks, um dann Bezüge zur (Kultur-)geschichte der jeweiligen Epoche herzustellen. Eines sei aber gleich klar gestellt: Wer geschichtlich bewandert ist, der wird nichts Neues erfahren. Geboten wird eine solide und präzise Zusammenfassung. Viele Fakten rund um die Getränke waren mir allerdings völlig neu.

Nach dem Bier kommt der Wein an die Reihe und damit die Griechen und die Römer. Der Abschnitt über die Spirituosen beschäftigt sich zu einem überwiegenden Teil mit der Rolle des Hochprozentigen (Rum!) während der Entdeckungsreisen und danach. Beim Kaffee stellt Standage die Aufklärung und die Entstehung der modernen Geschäftswelt in London in den Mittelpunkt, während der Tee sich natürlich mit China, Indien und dem britischen Empire beschäftigt.

Sehr aufschlussreich ist der letzte Teil des Buches über die Entstehung und Verbreitung von Coca-Cola quer durch die Welt. Nicht nur beschreibt Standage zu Beginn die schräge Welt der „Medizin“getränke im 19. Jahrhundert, sondern es gelingt ihm auch gut, den symbolischen Wert dieser koffeinhaltigen Flüssigkeit für die USA und den Rest der Welt herauszuarbeiten. Mit welchem Aufwand Coca-Cola während des Zweiten Weltkrieges an die amerikanischen Soldaten verteilt wurde, ist kaum zu glauben. Nach dem Krieg war Coca-Cola Teil des Kulturkampfes. So warnten die österreichischen Kommunisten dringend für der ersten Abfüllanlage in Österreich. Sie könne jederzeit in eine Atombombenfabrik umgewandelt werden!

Ein informatives, unterhaltsames Sachbuch. Allerdings kein historisches Meisterwerk.

Tom Standage: History of the World in 6 Glasses (Frank R Walker Co)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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