Elfriede Jelinek: Winterreise

Akademietheater 4.10. 2012

Regie: Stefan Bachmann

mit
Dorothee Hartinger
Gerrit Jansen
Simon Kirsch
Melanie Kretschmann
Rudolf Melichar
Barbara Petritsch

Klavier: Felix Huber
Sänger: Jan Plewka

In meinem CD-Regal steht eine Vielzahl von Winterreise-Interpretationen, weil ich Schuberts Liederzyklus für einen Höhepunkt der Musikgeschichte halte. Deshalb war ich sehr gespannt auf Jelineks Auseinandersetzung damit. Die musikalische Interpretation zählt sicher zu den außergewöhnlichsten, die ich hörte. Jan Plewka sang die ausgewählten Lieder leise, treffend, allerdings nicht wie ein klassischer Liedsänger, sondern wie ein Folkmusiker.

Zwischen den musikalischen Einlagen gibt es einen, ich bin versucht zu sagen: klassischen, Jelinek-Text, den unterschiedliche Schauspieler sprechen. Eine inhaltliche Zusammenfassung wäre müßig, der österreichische Korruptionssumpf jedenfalls kommt nicht zu kurz. Die grandios-grotesken schauspielerischen Aktivitäten finden auf einer steilen Rampe statt, auf der sie sich an einer Seilwinde angeschlossen auf und ab bewegen. Höhepunkt ist das furiose Finale, dass ans Sportstück erinnert und Österreich treffend boshaft als debiles Schlager- und Sportland charakterisiert.

Das Ergebnis ist ein höchst sprach- und bildmächtiger Theaterabend. Damit hat das Akademietheater neben den Gespenstern eine weitere „perfekte“ Inszenierung im Repertoire.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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