Oberes Belvedere: Die neue Hängung

Das Obere Belvedere beherbergt die zweitwichtigste „klassische“ Gemäldesammlung in Wien nach dem Kunsthistorischen Museum. Der Bestand erstreckt sich vom Mittelalter bis zur klassischen Moderne (Klimt!). Vor einiger Zeit ordnete man die Bilder neu an. Heute hatte ich die erste Gelegenheit, die neue Hängung anzusehen. Der kleine mittelalterliche Bereich im Erdgeschoss blieb meiner Erinnerung nach gleich. Dort ist der großartige Znaimer Alter (ca. 1440-1450) zu sehen. Ein holzgeschnitzter Flügelaltar mit einer für diese Epoche überraschenden Fülle an realistischen Figuren, die nur ein großer Menschenkenner geschaffen haben kann.

Ging man früher durch das Museum, hatte man am Ende den Eindruck, man hätte vor allem (zu) viel Biedermeier-Malerei gesehen. Das neue Konzept beugt diesem ungerechten Urteil vor. Die Anordnung ist zwar nach wie vor chronologisch. Sie wurde aber durch thematische Zusammenstellungen samt Erläuterungen ergänzt. Das macht einen Rundgang abwechslungsreicher und informativer als bisher. Gleichzeitig wurden viele Werke aus dem Depot geholt. Man erkennt sie an einem roten Ausrufezeichen neben der Beschreibung. Das neue Ausstellungskonzept ist sehr überzeugend. Selbst ohne Bilder wäre freilich das fulminante Gebäude des Lukas von Hildebrandt eine Besichtigung wert. Übrigens ist diese Kunstsammlung einer der seltenen Orte, wo man in Ruhe einen van Gogh ohne Menschentrauben ansehen kann.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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