Über den Umgang mit Büchern

Immer wieder treffe ich auf Menschen, die ihre Bücher wie religiöse Gegenstände verehren. Sie werden nervös, wenn man sie anfasst. Über einen Fleck oder einen Riss in einem Schutzumschlag ärgern sie sich mehrere Tage lang. Am liebsten würde sie ihre Bücher in einem Safe aufbewahren. Mir ist diese sakrale Haltung völlig fremd. Bücher sind für mich in erster Linie Geisteswerkzeuge. Unbenutzt aussehende Titel empfinde ich als Zweckentfremdung. Ich schreibe bei Bedarf auch Anmerkungen in sie hinein. Eine Ausnahme mache ich nur bei besonders hochwertigen (sprich: teuren) Werkausgaben und Lexika. Einen Band meiner Münchner Goetheausgabe nehme ich nicht außer Haus mit, dafür habe ich mir Leseausgaben angeschafft. Sollte ein Buch einmal durch intensive Nutzung zu sehr ramponiert sein, kaufe ich es mir einfach noch einmal. Bibliotheken, denen man die Büchernutzung ansieht, sprechen mich viel mehr an als museale Buchausstellungen, wo jedes Werk auf den Millimeter genau platziert ist.

Zwar schätze ich durchaus bibliophile Ausgaben und handwerklich schön gestaltete Bücher. Höchste Priorität hat aber ein zuverlässiger Text. Wenn ich die Wahl habe, bevorzuge ich hochwertige gebundene Bücher gegenüber Taschenbüchern. Speziell bei Klassikern ersetze ich seit Jahren immer wieder Taschenbücher durch gebundene (Werk)ausgaben.

Gegen Ebooks habe ich deshalb auch keine prinzipiellen Vorbehalte. Zwar ist jedes gedruckte Buch ein Individuum mit einer eigenen Geschichte, aber für viele Zwecke sind Ebooks dem klassischen Buch überlegen. Das gilt speziell für aktuelle Sachbücher und Nachschlagewerke. Die Vorstellung, auf Reisen immer eine Klassikerbibliothek dabei haben zu können, ist auch sehr reizvoll. Werde mir deshalb in absehbarer Zeit einen Ebook-Reader kaufen.

6 Antworten auf Über den Umgang mit Büchern

  • BigBen sagt:

    Religiös ist mein Umgang vielleicht nicht, aber schon vorsichtig. Eselsohren, gebrochene Rücken von Taschenbüchern kann ich nicht ausstehen. Markierungen und Notizen in Büchern sind für mich ein Graus. Ein Buch sollte nicht benutzt aussehen.

  • DiogenesRex sagt:

    Bücher so sehr wir sie auch lieben sind Gebrauchsgegenstände.
    Sie leben und entwickeln sich, am schönsten finde ich jene gebrauchten Ausgaben die ich am Flohmarkt finde, mit Lesezeichen der Vorbesitzer, kleine Widmungen, oder Randnotizen. Kleine Makel bilden, ihren Charakter wie auch bei uns Menschen. Durch meinen beruflichen Werdegang (Brandschäden und Wasserschäden)rettete ich hunderte Bücher vor ihrer Vernichtung. Hierbei gibt es gute Tipps zur Sanierung alter Ausgaben. Ein feines Schleifpapier wirkt Wunder, um Ränder von äusseren Vergilbungen zu befreien (nur Seiten nicht Deckel!)Radiergummis (Knetgummis) für Zeichner sind hier hervorragend geeignet um somanchen unliebsamen Fleck vom Einband zu entfernen. Stark verschlissene Deckblätter kann man einscannen und sich in einem Copyshop mit guter Papierqualität neu ausdrucken lassen. Sie werden sich wundern so manche alte Taschenbuchausgabe wirkt nach einer Kur neuer ja manche sogar wie neu gekauft. Wertvolle Prachtbände sollte man hierbei in professionelle Hände geben. Für alle Ausgaben gilt jedoch , wer Bücher liebt der liest sie auch.

    Ein ehemaliger Buchsanierer.

  • @BigBen: Dich hatte ich dabei aber im Hinterkopf beim Schreiben.
    @DiogenesRex: Spannend. Danke.

  • Bücher sind von mir aus stumme Plaudertaschen oder laute Gedankenflüge. Aber keine Gebrauchsgegenstände; das sind Schundromane. – In allem Respekt.

  • Ich kann BigBen nur zustimmen: Bücher sind zwar Gebrauchtsgegenstände, aber ich gehe auch mit allen meinen anderen Gebrauchtsgegenständen sorgfältig um. Deshalb kritzele ich keine Anmerkungen in meine Bücher, nehme Unterstreichungen nur mit Bleistift vor – wie es bei Noten übrigens allgemein üblich ist – und vermeide Eselsohren und Kaffeeflecken. Aber Bücher dürfen bei mir zerlesen sein oder kaputtgeliebt – sprich, man darf ihnen ansehen, dass sie oft und gern zur Hand genommen werden.

  • Wären Bücher für mich keine Gebrauchsgegenstände, müsste ich sie nicht in größerer Zahl im Hause haben. So wie man nur ein paar hübsche Jugendstilvasen artig ins Regal stellt, aber eben nicht Hunderte oder Tausende. Das bedeutet nicht, dass man seine Gebrauchsgegenstände mutwillig zerstört, aber zum Beispiel dicke Taschenbücher lassen sich nur lesen, indem man den Rücken knickt. Und sie zu lesen ist ja mein Ziel. Kritzeln würde ich nicht in meine Bücher. Doch Anstreichungen und Anmerkungen haben mit Kritzeln nichts zu tun, sondern mit aktivem Lesen und Verarbeiten. Wertvolle Ausgaben werden natürlich pfleglichst behandelt, aber sie dienen schließlich nicht in erster Linie dazu, aktiv und immer wieder gelesen zu werden – dafür ist dann eine günstigere Neuauflage geeigneter. Die darf auch gern aus zweiter Hand sein.
    Herzlich
    Petra Gust-Kazakos

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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