Orchester und Chor des Mariinski Theaters St. Petersburg

Konzerthaus 16.4.

Dirigent: Valery Gergiev

Dmitri Schostakowitsch
Symphonie Nr. 1 f-moll op. 10 (1924-1925)
Symphonie Nr. 2 H-Dur op. 14 «Widmung an den Oktober» (1927)
***
Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 20 «Der 1. Mai» (1929)
Symphonie Nr. 9 Es-Dur op. 70 (1945)

So viel Schostakowitsch auf einen Schlag hörte ich in einem Konzert noch nie. Erfreulich ist, dass Gergiev mit seinem Mariinski Orchester auch drei selten gespielte Symphonien des Komponisten auf das Programm setzte. Die erste Symphonie hatte schon Bruno Walter sehr beeindruckt. Schostakowitsch verwendet bereits die meisten seiner sinfonischen Stilmittel, die er in den späteren Werken zur Perfektion trieb.

Die Symphonien Nr. 2 und Nr. 3 sind aufgrund des ideologischen Gehalts problematisch und selten dürfte im Konzerthaus so laut „Lenin“ gebrüllt worden sein wie am Ende der Zweiten. Ich selbst kann hier musikalisch auch keine Ironie ausmachen, bin aber wohl nicht der Berufenste, das zu beurteilen.

Nr. 9 zählt mit zu den furiosesten Kompositionen des Russen und „furios“ ist wohl auch ein gutes Adjektiv, den Konzertabend zu beschreiben. Schon die sowjetischen Top-Orchester spielten Schostakowitsch kongenial. Man kann festhalten: Es hat sich nicht geändert. Gergiev und das Mariinski Orchester spielen die Musik in allen ihren leisen Feinheiten, ihrem Pomp, ihrer Härte aus. Pathos wird so weit es die Partitur zuläßt vermieden.

Schostakowitisch zählt sicher zu den besten Komponisten des letzten Jahrhunderts und ich kann nur dringend empfehlen, sich mit seiner Musik zu beschäftigen, vor allem den Symphonien und den Streichquartetten.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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