Goethe: Briefwechsel mit Schiller 1798-1805 [2.]

Münchner Ausgabe Band 8

Im Sommer las ich die erste Hälfte des Briefwechsels zum zweiten Mal, inzwischen auch den Rest. Alles im August Geschriebene gilt natürlich auch für diese Jahre der Korrespondenz. Die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller ist am Höhepunkt und die Vielfalt der Themen zu denen sich die beiden austauschen, zeigt das deutlich.

Die Polemik bleibt erfrischend:

Boutterwecks [hübscher Name, nebenbei bemerkt; CK] ästhetischer Kramladen ist wirklich merkwürdig. Nie hab ich den flachen belletristischen Schwätzer mit dem konfusen Kopf so gepaart gesehen, und eine so unverschämte Anmaßung auf Wissenschaft bei einem so erbärmlich rhapsodischen Hausrat.
[Schiller an Goethe am 12.1.1798]

Ab und an wütet Schiller auch amüsant gegen die Idealisten („Die Schrift hat mich angeekelt“), was auch aus heutiger Sicht philosophisch durchaus nachvollziehbar ist. Was die Werke der beiden angeht, so drängt Schiller seinen Freund immer wieder, den Faust nicht liegen zu lassen. Bei ihm dagegen steht der Wallenstein im Mittelpunkt, dessen Entstehung in den Briefen ausführlich kommentiert wird.
Schiller zieht Ende 1799 nach Weimar, was der Korrespondenz natürlich schadet. Statt ausführlicher Abhandlungen gibt es nun sehr häufig nur noch ein paar organisatorische Zeilen, die zwischen den Häusern hin und her gehen. Allerdings ist Goethe oft aus Weimar abwesend, was dann wieder zu langen Briefen führt.

Ich kann es nicht oft genug sagen: Ein fulminantes Buch.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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