“Cicero”

Dieses „Magazin für politische Kultur“ wollte ich einmal näher unter die Lupe nehmen, nachdem es inzwischen in der deutschen Öffentlichkeit schon mehrmals Themen vorgegeben hat, und damit publizistisch große Beachtung genießt. Eine neue gute Zeitschrift auf den qualitativ bescheidenen deutschsprachigen Magazinmarkt? Drei Ausgaben mutete ich mir zu.

Die Ernüchterung setzte gleich mit dem ersten Heft ein: Die Oktoberausgabe hatte einen Philosophieschwerpunkt und stellte wichtige junge Philosophen vor. Wie geht man das journalistisch am Besten an? Man könnte nun vermuten, man gebe dem Raum, was den Kern des Philosophierens ausmacht, nämlich der (präzisen) Sprache, mit der die Vertreter dieser Disziplin ihrem Handwerk nachgehen. Ausführliche Portraits samt Zusammenfassung der Denkansätze also? Weit gefehlt! Die meisten der buchstäblich von diesem Machwerk Betroffenen werden auf einer (!) Seite vorgestellt. Ein apartes Portraitfoto füllt Dreiviertel der Seite, während am Ende dieses Blattes etwa fünf inhaltliche Sätze zu finden sind.

Eine großartige Leistung der Philosophieberichterstattung also, welche „Cicero“ als ernszunehmendes Organ disqualifiziert. Ansonsten kleben die Mehrzahl der Artikel an Personen. Man lernt ja auf der Journalistenschule, dass „die Leser“ gerne „menschliche“ Geschichten wollen. Reflexion und Analyse kommen deshalb viel zu kurz. Naturgemäß gibt es auch einige sehr gute Artikel pro Heft, von denen ein Teil aus englischsprachigen Quellen stammt. Diese seltsame Mischung aus Stern und Geo (viele hübsche Fotos) kann man getrost liegen lassen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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