Philip Roth: Jedermann

Hörbuch, 4 CDs (Amazon Partnerlink)

Der Tenor der Kritiken ließ nichts Gutes erwarten. Erfreulicherweise stellte sich das schnell als falsch heraus. Roth hat einen vorzüglichen kleinen Roman geschrieben, in dessen Mittelpunkt düstere Themen stehen: Alter, Tod und ein verpfuschtes Durchschnittsleben.

„Das Alter ist ein Massaker“ heißt es an einer Stelle und das könnte gut als Motto über den Buch stehen. Die Handlung setzt bei der Beerdigung des Protagonisten ein, um bald durch wohl komponierte Rückblenden prägende Lebensstationen dieses Antihelden zu beschreiben. Wenige Sätze reichen, um die Kindheit des Jungen plastisch vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen. In chirurgischen Schnitten ziehen diese Episoden an uns vorbei, in deren Mittelpunkt meist ein Krankheitserlebnis steht. Anstatt Maler zu werden, landet „Everyman“ in der Werbebranche. Als er am Ende seines Lebens endlich zu malen beginnt, folgt die schmerzliche Erkenntnis, dass er ein unbegabter Dilettant ist.

Roth zeigt das Leben als sinnlose, medizinische Abwärtsspirale, in dem kein Platz für Hoffnung oder dauerhafte Beziehungen bleibt. Kurz: Er rückt der menschlichen Existenz ohne metaphysische Verbrämungen auf den Leib. Diese Radikalität ist eine der großen Stärken des Textes, der einmal mehr bestätigt, dass Literatur ein prädestiniertes Medium ist um diese großen Fragen adäquat zu behandeln. Peter Fitz‘ Lesekunst bringt den Text vorbildlich zu Gehör.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets