Bibliomane Betrachtungen (4)

    Ohne Bücher bleibt die Geschichte stumm, die Literatur sprachlos, die Wissenschaft verkrüppelt, das Denken kommt zum Stillstand, Bücher sind Zeugen des Wandels, Fenster zur Welt, sie sind Banken des Geistes, Bücher sind gedruckte Humanität.
    (Barbara Tuchmann)

Bezüglich der von mir gelobten historischen Differenz bei Klassikern wies mich ein Freund berechtigterweise darauf hin, dass es bei der Gegenwartsliteratur als Ausgleich eine kulturelle Differenz gäbe. Wie könnte man andere Kulturen, seien sie uns näher wie die amerikanische oder ferner wie die arabische, besser verstehen lernen als durch ihre Literatur?
Dem kann ich nicht widersprechen. Ein Teil meiner Reisevorbereitungen besteht immer auch aus literarischer Lektüre, um mich auf andere Kulturen vorzubereiten. Ein Leser Nagib Machfus‘ wird Ägypten ebenso besser verstehen, wie ein Kenner der Romane John Updikes die amerikanische Provinz. Wobei die beiden wohl schon das Prädikat „Klassiker“ verdienen, allerdings dachte ich bei historischer Differenz an deutlich ältere Büchern (Antike bis frühe Neuzeit).
Eine punktuelle Lektüre in diese Richtung ändert aber nichts an meinem Gesamteindruck, dass die Lektüre der großen Alten in Summe einen größeren Mehrwert hat. Die Umsetzung dieser Erkenntnis in die Praxis war hier unschwer zu übersehen. So beschäftigte ich mich in den letzten Jahren ausführlich (lange) mit Augustinus Gottesstaat, mit Dantes Göttlicher Komödie, mit Thukydides‘ Peloponnesischen Krieg, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Gegenwärtig stehen Montaignes „Essais“ auf dem Programm.
Mich nun sukzessiv aufmerksam durch diese alten Bücher zu bewegen, erscheint mir eine sehr reizvolle Aussicht zu sein. Ich bin aber davon überzeugt, dass man sich mit einer Auswahl von ihnen immer wieder beschäftigen sollte. Sie verdienen es, regelmäßig aus dem Regal genommen zu werden. Dabei ist es gar nicht notwendig, immer den kompletten Text zu lesen. Ein paar Gesänge des Dante oder einige Kapitel aus dem „Don Quijote“ reichen manchmal aus, damit das Werk wieder präsent ist. Aus zeitlichen Gründen muss man leider eine vergleichsweise enge Auswahl treffen. In meinem Fall haben sich bisher folgende Bücher als dauerhafte Begleiter bewährt:

Das sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, derzeit die Bücher, welche ich regelmäßig in die Hand nehmen und immer wieder einmal lesen werde.
Weil obige Liste keine naturwissenschaftlichen Bücher beeinhaltet, möchte ich betonen, dass sie in meinem Klassikerverständnis enthalten sind. Galilei, Newton, Darwin sind natürlich unverzichtbar. Auszüge aus vielen davon las ich bereits, eine systematischere Lektüre ist geplant.

Teil 5

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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