Michael Bulgakow: Der Meister und Margarita. Roman

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Dieses berühmte Buch gehört zu denjenigen, die ich seit Jahren dringend lesen wollte, und von denen man als Literaturfreund ein gewisses Bild im Kopf hat. Ein Bild, das in meinem Fall nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun hatte, wie sich bei der Lektüre herausstellte.

Der Reichtum dichterischer Fantasie, den Bulgakow hier entfaltet, ist zugegebenermaßen oft beeindruckend. Die Abfolge der grotesken Szenen zeigen einen literarischen Könner, so dass ich den Ruf des Romans durchaus nachvollziehen kann.

Die offensichtlich intendierte Totalitarismuskritik funktioniert in meinen Augen jedoch eher schlecht denn recht. Der Grund dafür dürfte in den eben angedeuteten Qualitäten liegen. Die satanische Märchenwelt ist zu überzeugend geschildert. Die beiden wichtigsten fiktionalen Ebenen des Werks, das kommunistische Moskau und das fantastische Teufelsreich, sind strukturell nicht genügend verbunden. Der Roman driftet in zwei Teile auseinandern, was ästhetisch in der Moderne natürlich legitim wäre, sollte die zweite Ebene nicht als kritische Folie (und Ursache) für die erste funktionieren.

Vergleicht man zeitgenössische ästhetische Strategien für eine Totalitarismuskritik (Kafka oder Beckett etwa), wird man die Bulgakows für gescheitert erklären müssen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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