Reise-Notizen: Lissabon

März/April 2005

Mit einem literarischen Lissabon im Kopf reiste ich zum ersten Mal an den Tejo. Nicht nur Thomas Mann schickte seinen Felix Krull in diese schöne Stadt, auch Antunes‘ Bücher spielen regelmäßig dort. Schließlich noch der kürzlich gelesene Roman „Nachtzug nach Lissabon“ des Pascal Mercier…

Steht man schließlich über der Altstadt auf einem der Aussichtspunkte des Castelo‘, kann man den romantischen Reiz der Stadt gut nachvollziehen. Stadtplanerisch interessant: Die Anlage der alten Viertel. Baixa wurde nach dem Erdbeben mit rechtwinkligen Straßen neu angelegt, ganz wie bereits von Hippodamus im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung empfohlen. Diese geometrische Struktur geht rund um das Castello in ein Gassenlabyrinth über.

Überrascht hat mich auch die Mentalität der Lissaboner. Im Vergleich zu den Turbulenzen italienischer Städte geht es dort zurückhaltend zu. Mich erinnerte es mehr an hanseatische Distinguiertheit als an südländisches Temperament. Eine Erwähnung verdient auch das mit modernen Bauten vollgestopfte EXPO Gelände, wo sich das berühmte Ocenario befindet, und das viel urbanen Flair ausstrahlt. So baute man ehemalige Messehallen in eine Restaurantmeile um, wo sich 20-30 kleine Lokale aneinanderreihen.

Sehenswert ist das berühmte Hieronymuskloster, das mit einem in orientalischen Prunk verzierten Kreuzgang aufwartet. Das unmittelbar daran anschließende archäologische Museum hat keine spektakulären Kunstwerke zu bieten, wohl aber sorgfältige Dokumentationen römischer Ausgrabungen. Im Mittelpunkt steht ferner das römische Ingenieurwesen. Eine bessere Einführung in Technik und Funktion des Äquadukts traf ich bisher nicht an.

Das Marinemuseum schließlich ist didaktisch etwas lieblos gemacht, was durch spektakuläre Schiffsmodelle, Originalkarten und Instrumente aber aufgewogen wird. Der Schwerpunkt liegt naturgemäß auf den Entdeckungsfahrten.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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