[Notiz der Woche] Schiller über Goethe (1)

Brief an Christian Gottfried Körner vom 2. Februar 1789:

Oefters um Goethe zu sein, würde mich unglücklich machen: er hat auch gegen seine nächsten Freunde kein Moment der Ergießung, er ist an nicht zu fassen; ich glaube in der That, er ist ein Egoist in ungewöhnlichem Grade. Er besitzt das Talent, die Menschen zu fesseln, und durch kleine sowohl als große Attentionen sich verbindlich zu machen; aber sich selbst weiß er immer frei zu behalten. Er macht seine Existenz wohltätig kund, aber nur wie ein Gott, ohne sich selbst zu geben – dies scheint mir eine consequente und planmäßige Handlungsart, die ganz auf den höchsten Genuß der Eigenliebe calculirt ist. Ein solches Wesen sollten die Menschen nicht um sich herum aufkommen lassen. Mir ist er dadurch verhaßt, ob ich gleich seinen Geist von ganzem Herzen liebe und groß von ihm denke. Ich betrachte ihn wie eine stolze Prude, der man ein Kind machen muß, um sie vor der Welt zu demüthigen, und an meinem guten Willen liegt es nicht, wenn ich nicht einmal mit der ganzen Kraft, die ich in mir aufbieten kann, einen Streich auf ihn führe, und in einer Stelle, die ich bei ihm für die tödlichste halte.

Patrick Kingsley: Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise

Patrick Kingsley ist als Migrationskorrespondent des „Guardian“ einer der bekanntesten Journalisten weltweit, welche sich mit der Flüchtlingskrise beschäftigen. Er schreibt nämlich nicht von einem Londoner Büro aus, sondern war zur Recherche in siebzehn Ländern unterwegs. Seine Erkenntnisse sind in diesem Buch nachzulesen. Es ist eine Mischung aus investigativer Reportage und Analyse, ergänzt durch die Geschichte des Haschem al-Souki, dessen Flucht aus Syrien über Ägypten und Italien nach Schweden er emphatisch in allen Details nacherzählt. Als Einzelschicksal erzeugt diese Geschichte naturgemäß große Empathie.

Kingsley setzt in seinem Buch auf drei Schwerpunkte. Er beginnt mit der Situation in Afrika, wo er bei den meisten seiner Leser sicher viele Wissenslücken schließen kann. Bevor die Flüchtlinge nämlich auf dem Radar der europäischen Öffentlichkeit erscheinen, also rund um das Mittelmeer, spielen sich in Afrika bereits zahlreiche Tragödien ab. Nicht nur sterben jede Menge Menschen beim Durchqueren der Sahara, viele werden auch beraubt, gefoltert, entführt und erpresst. Man versteht bald, warum so viele diese Risiken und Qualen auf sich nehmen: Mangels Alternative. Nach der Lektüre wirkt die um Zäune und Grenzen drehende politische Diskussion in Europa naiv. So lange wir die Fluchtursachen nicht beseitigen, werden weiter Migranten kommen.

Der zweite Schwerpunkt beschäftigt sich mit den Schleppern am Mittelmeer, speziell in Libyen und Ägypten und durchleuchtet die lukrative Ökonomie des Menschenhandels. Korrupte Behörden spielen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Kingsley wird Augenzeuge von Flüchtlingsrettungen auf dem Mittelmeer und beleuchtet auch die italienische Perspektive.

In der zweiten Hälfte des Buches steht schließlich die Balkanroute im Fokus, welche Kingsley komplett abreist. Als Leser kann man die Fluchtroute Hunderttausender im letzten Jahr damit hautnah miterleben.

Weniger überzeugend finde ich die Passagen, welche sich mit Lösungsvorschlägen beschäftigen. Sie sind zwar alle gut gemeint und würden den Flüchtlingen sinnvoll helfen, können die Weltprobleme aber naturgemäß nicht lösen.

Patrick Kingsley: Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise (C.H. Beck)

Apologie des Sokrates

Sokrates Apologie zählt zu jenen Lieblingsklassikern, die ich regelmäßig immer wieder lese. In dieser Verteidigungsrede gegen jene verächtliche Anklage aus dem Jahre 399 BCE, die schließlich zu seinem berühmten Tod durch den Schierlingsbecher führt, finden sich viele geistige Schlüsselelemente für die europäische Entwicklung. Zuvörderst sind das die Autonomie des Individuums kombiniert mit dessen Kritikfähigkeit, Wahrheitsliebe sowie Gedanken- und Redefreiheit. Sokrates steht seinen Anklägern als freier Mann gegenüber und nimmt kein Blatt vor dem Mund. Er könnte wie die meisten Angeklagten rhetorisch taktieren, stattdessen spricht er uneingeschüchtert die Wahrheit über seine Anklage aus, nämlich dass sie ein leicht zu durchschauender Vorwand seien, und widerlegt die einzelnen Anklagepunkt schnell mit seinem scharfen Verstand.

Alle sokratischen Dialoge kreisen um das Thema Wahrheitssuche: Sokrates versucht durch geschicktes Befragen seinen Gesprächspartnern zu zeigen, dass ihre Theorien und Konzepte einer konstruktiven Kritik nicht standhalten. Gleichzeitig gab der Athener Jugend mit seiner Methode ein Werkzeug an die Hand, die „Allwissenheit“ der Erwachsenen anzuzweifeln. Das war sicher einer der versteckten Gründe für die Anklage:

So kommt es denn, daß die von ihnen [der Jugend] Überführten gegen mich voller Zorn sind und statt gegen sich selber und von einem gewissen Sokrates reden, einem gottlosen Menschen und Verführer der Jugend.

Er kündigt seinen Richtern und den anwesenden Athenern an, dass er sich nie ändern wird:

Solange ich noch Atem und Kraft habe, werde ich nicht aufhören, der Wahrheit nachzuforschen und euch zu mahnen und aufzuklären und jedem von euch, mit dem mich der Zufall zusammenführt, in meiner gewohnten Weise ins Gewissen zu reden“.

Bis heute eine unverzichtbare Charaktereigenschaft für freie Gesellschaften.

Lou Andreas-Salome

Filmcasino 17.9. 2016

D/Ö 2016
Regie: Cordula Kablitz-Post

Lou Andreas-Salomé war eine faszinierende Figur. Früh emanzipiert hatte sie Kontakt mit vielen zeitgenössischen Geistesgrößen von Rilke bis Nietzsche. Grund genug also, sich eine neue Verfilmung ihres Lebens anzusehen. Diese ist zwar schauspielerisch gut besetzt, darunter diverse Burgschauspieler, krankt aber an zu viel Biederkeit. Immer wieder wird es auch melodramatisch, woran die oft pathetische Filmmusik einen unerfreulichen Anteil hat. Am besten ist der Film, wenn er sich mit dem intellektuellen Werdegang von Andreas-Salomé und ihren Zeitgenossen auseinandersetzt. Wirkungsvoll ist auch die chronologische Organisation: Die alte Dame erzählt rückblickend nach der Machtübernahme der Nazis und kümmert sich dabei um einen jungen deprimierten Germanisten, der sie beim Schreiben ihrer Autobiographie unterstützt. Die Beziehung zu ihm spiegelt strukturell geschickt die Beziehungen zu früheren Männern. Diese Beziehungsdramen stehen denn auch publikumswirksam im Mittelpunkt des Films, während die intellektuelle Entwicklung viel zu kurz kommt.

Musil und Trump

In der Los Angeles Review of Books schreibt David Auerbach einen ausgesprochen ungewöhnlichen Artikel mit dem hübschen Titel Make America Austria Again: How Robert Musil Predicted the Rise of Donald Trump. Darin beschäftigt er sich ausführlich mit den Parallen zwischen Donald Trump und Christian Moosbrugger. Lesenswert.

Die Notizen im „Kurier“ vom 8. September 2016

Kurier 8. September 2016

Karl Popper: Alles Leben ist Problemlösen

Popper wird dieser Tage vom zeitgeistigen „Philosophie“zirkus gerne belächelt. Das ist eine Art Notreaktion, weil seine schlichte Sprache das Gegenteil dessen ist, womit sich Modephilosöphchen wie Peter Sloterdijk gerne vermarkten: Mit einer dunklen, raunenden Sprache. Das hat historische Gründe. Kant schuf eine komplexe, aber im Kern glasklare Philosophie. Verpackt in eine ausgesprochen umständliche Sprache allerdings. Man muss sich durch Kants Diktion kämpfen, um zu seinen philosophischen Konzepten vorzudringen. Kants Ruf war bald legendär, weshalb sich nicht wenige deutsche Philosophen einer ähnlich umständlichen Sprachen bedienten wie Kant. Mit einem kleinen Haken allerdings: Hinter dieser Sprache stecken, ganz anders als bei Kant, oft keine klaren Gedanken mehr.

Im Kopf der intellektuellen Leserschaft entstand deshalb Anfang des 19. Jahrhunderts ein bis heute verhängnisvolles Missverständnis: Dunkle Sprache wurde mit Tiefsinn assoziert, statt korrekterweise mit Unsinn. Religiöse Rhetorik verstärkt dieses Auffassung zusätzlich seit Jahrtausenden. Seit dieser Zeit bedient man sich im deutschsprachigen Raum vorzugsweise einer dunkel-raunenden philosophischen Diktion und lässt sich vom Lesepublikum als tiefen Denker feiern.

Poppers philosophischer Ansatz ist dazu konträr: Er drückt seine komplexen philosophischen Gedanken möglichst einfach aus. Aus den beschriebenen Gründen schließen hier nun viele fälschlich umgekehrt: Wer schlicht schreibt, kann keine „tiefen“ philosophischen Gedanken haben, was natürlich epistemologischer Unfug ist.

In Logik der Forschung (1934) stellte Popper das Denken über die Naturwissenschaften auf den Kopf. Weder Induktion (Empirismus) noch Deduktion (Rationalismus) seien als Beschreibung für die wissenschaftliche Vorgehensweise ausreichend, weil sie, zusätzlich zu logischen Problemen, den kreativen Anteil bei der wissenschaftlichen Hypothesenbildung ignorieren. Diese Hypothesen entstehen meist in einem kreativen Prozess. Wichtig sei, dass sie empirisch gehaltvoll sind, damit sie falsifizierbar sind. Experimentelle und logische Falsifikationsversuche sind laut Popper der Motor der wissenschaftlichen Vorgehensweise. Je intensiver und strenger eine Hypothese diese Falsifikationsversuche übersteht, desto wahrheitsnäher ist diese.

Das beschreibt nun nicht nur soziologisch die Arbeit von Naturwissenschaftlern ziemlich genau, sondern stellt gleichzeitig auch ein plausibles Kriterium für Wissenschaftlichkeit zur Verfügung: Jede wissenschaftliche Behauptung muss falsifizierbar sein.

Ethisch ist diese Ermunterung zur Kritik eng mit der politischen Philosophie Poppers verbunden, welche er 1945 in seinem Buch The Open Society and Its Enemies ausführlich darstellte. In den dreißiger Jahren während des Tiefpunkts des europäischen Nationalismus in Neuseeland geschrieben, handelt es sich dabei um eine philosophische Breitseite gegen geschlossene Gesellschaften, deren erste philosophische Ausprägung Platons Staat war, welchen Popper ausführlich kritisiert. Er plädiert dagegen für eine offene Gesellschaft, in der die Freiheit und Kritikfähigkeit des Einzelnen maßgebliche Elemente sind.

Wer diese und andere von Poppers umfangreichen Hauptwerken nicht lesen will, kann sich durch Sammelbände einen guten Eindruck über dessen Kritischen Rationalismus verschaffen. Einer davon ist Alles Leben ist Problemlösen. Das Buch besteht aus thematisch zusammengestellten Vorträgen, Reden und Artikeln aus einem halben Jahrhundert. Alle sind sehr gut lesbar, auch wenn das Format natürlich einige Wiederholungen bedingt.

Viele Aussagen sind Jahrzehnte alt und gleichzeitig hoch aktuell. So schreibt er 1961 über den Fanatismus:

Diese Lehre, die nicht oft genug wiederholt werden kann, ist, daß der fanatische Glaube immer ein Übel und unvereinbar mit dem Ziel einer pluralistischen Gesellschaftsordnung ist; und daß es unsere Pflicht ist, uns dem Fanatismus in jeder Form zu widersetzen – auch dann, wenn seine Ziele ethisch einwandfrei sind, und vor allem auch dann, wenn seine Ziele die unseren sind.
Die Gefahr des Fanatismus, und die Pflicht, sich ihm dauernd entgegenzustellen, ist wohl eine der wichtigsten Lehren, die wir aus der Geschichte ziehen können.
[S. 159]

In Zeiten der „post-truth politics“, wo Fakten keine Rolle mehr spielen, sondern Gerüchte, Halbwahrheiten und Lügen inzwischen im Mainstream angekommen sind, ist Poppers Philosophie so wichtig wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Zusätzlich gefährden neue Überwachungstechnologien und deren Befürworter freie Gesellschaften ebenso sehr wie die klassischen Totalitarismen.

Die Bändigung unserer Leidenschaften durch die sehr begrenzte Vernünftigkeit, deren wir unvernünftige Menschen fähig sind, ist nach meiner Ansicht die einzige Hoffnung für die Menschheit.
[S. 196]

Wir können uns deshalb nur sehr viele Popper-Leser wünschen.

Karl R. Popper: Alles Leben ist Problemlösen. Über Erkenntnis, Geschichte und Politik.

Wie kann man sich seriös informieren?

Letztes Update: 13.9. 2016

Ich bin in fast allen Belangen ein Qualitätsfanatiker. Das gilt auch für meine Informationsquellen: Meine Ansprüche an journalistische Standards und Analysen sind die höchsten. Seit Jahrzehnten war und bin auf der Suche nach den besten Medien. In Zeiten, in denen sich viele Menschen glücklich in ihrem Informationsmüll suhlen, hier ein Leitfaden, wie man sich seriös informieren kann.

Einschränkend sei hinzugefügt, dass ich bereits vor Jahrzehnten überwiegend bei englischsprachigen Medien gelandet bin, weil deutschsprachige (leider!) nur selten die Qualität der besten angelsächsischen Angebote erreichen. Fakt ist auch: Wer die beste Qualität will, muss dafür bezahlen. Meine dringende Empfehlung ist also: Wer auf exzellente Informationen wert legt, muss zumindest gut Englisch lesen können.

Vorab die Technik: Für Podcasts nutze ich die Android-App Pocket Casts, als RSS Reader verwende ich Feedly. Einfach die unten erwähnten Podcasts bzw. RSS-Feeds in diesen Apps suchen und abonnieren. Beide sind bei mir im Dauereinsatz. Oft benutze ich auch den Kindle (Paperwhite & Apps). Als Geräte im Einsatz sind derzeit ein Nexus 6P für unterwegs sowie ein Samsung Tab S2 für daheim.

Die Grundversorgung

Völlig unverzichtbar für mich als intellektuelle Grundversorgung ist die New York Review of Books. Seit ziemlich genau zwanzig Jahren lese ich jede Ausgabe. Geboten wird einerseits bester Journalismus zu (welt)politischen Themen, oft als Kombination von Reportage & Analyse, so dass es kein wichtiges Thema gibt, über das man nicht regelmäßig auf höchstem Niveau informiert wird. Gleichzeitig gibt es ein weites Spektrum an Artikeln über kulturelle und wissenschaftliche Themen: Von der Kunstgeschichte bis zur Physik. Herausragend auch die vielen historischen Aufsätze, von der Antike bis in die Gegenwart. Die Autoren zählen alle zu den besten ihres Faches. Die Artikel sind ausführlich und meist hervorragend geschrieben. Ich beziehe ein Printabonnement, lese die Artikel inzwischen aber auch oft online im Web, was im Abo inkludiert ist. In dem hypothetischen Szenario, dass ich mich auf ein Medium beschränken müsste, wäre das zweifellos die NYRB.

Der zweite Grundpfeiler ist The Economist, den ich ausschließlich digital rezipiere. Die Korrespondenten und Journalisten gehören weltweit zu den besten ihrer Zunft. Nicht wenige sind im klassischen Sinne gebildet und deshalb in der Lage, ihre Themen (kultur)historisch überzeugend einzuordnen. Einzigartig ist die umfangreiche Auslandsberichterstattung. Keine aktuelles Medium bietet mehr Informationen über mehr Länder dieser Erde, von Afrika bis Zentralasien. Sehr gut ist auch die Wissenschafts- und Technologieberichterstattung sowie die ausführlichen Hintergrundberichte (Briefings) in jeder Ausgabe zu einem breiten Themenspektrum. Die Blattlinie ist im besten Sinne (Menschenrechte, Fokus auf individuelle Freiheit) liberal. Weniger sympathisch ist mir die Verteidigung der Finanzindustrie und die teilweise neoliberalen Positionen. Aber der Dogmatismus hält sich auch hier in Grenzen, wie etwa das regelmäßige Eintreten für einen Mindestlohn oder für Globalisierungsverlierer zeigt.

Erwähnenswert ist, dass die App eine Audio-Ausgabe inkludiert: Alle Artikel werden von guten britischen Sprechern gelesen, so dass man sie auch unterwegs anhören kann. Abgerundet wird das Angebot von Economist Espresso (Android App). Hier bekommt man einen – angesichts der Kürze – sehr gut gemachten Tagesausblick sowie einen Rückblick auf den Vortag. Auch mit dem Podcast Economist Radio macht man als Ergänzung nichts falsch.

Der günstigste Weg den Economist zu lesen ist übrigens über das Kindle-Abo. Für 10 Euro im Monat bekommt man alle Ausgaben. Nachteil: Der unbegrenzte Zugang zur Webausgabe (und damit zum Archiv) ist nicht inkludiert. Ebensowenig die sehr praktische Audioversion und der Espresso.


Tagesaktuelles

Von Fernsehnachrichten bin ich seit längerem fast völlig abgekommen. Falls doch einmal, dann bevorzuge ich Euronews. Klassische Hauptnachrichtenquelle für mich ist der Deutschlandfunk, sowohl die Nachrichten als auch die Informationssendungen. Alles höre ich überwiegend zeitversetzt als Podcast, manchmal auch klassisch als Internetradio. Auf die tägliche Sendung Hintergrund sei ebenfalls hingewiesen.

Statt traditionelles Fernsehen empfehle ich die You Tube Channels von Reuters, Al Jazeera, Vice News sowie (mit einigen Vorbehalten bezüglich der Themenauswahl) die amerikanischen Young Turks. Letztere als Gegenpol zu den amerikanischen Mainstream-Medien.

Von Ö1 höre ich als Podcast überwiegend die Kulturnachrichten und ab und zu auch ein Journal.

Für aktuelle Technik-News bevorzuge ich den heise Newsticker als RSS.

Aus Zeitgründen nicht täglich, aber doch oft lese ich ausgewählt die New York Times, überwiegend via Tablet App. Nachdem ich ein Probeangebot kündigen wollte, zahle ich derzeit nur 6 Euro pro Monat statt des Listenpreises von 30 Euro pro Monat. Ein gutes Investment.

Für die Österreichberichterstattung bevorzuge ich Die Presse als RSS-Feed bzw. seltener auch die App.

Folgende RSS-Feeds nutze ich in Feedly:
Politik: Reuters Top News, DiePresse.com, FAZ Ausland, wien.orf.at
Kultur: Die ZEIT Kultur, Standard.at Kultur, DiePresse.com Kultur, FAZ Feuilleton

Zur Abrundung und als Gegenpol zu den traditionellen Medien schließlich verwende ich Reddit, eine unter Nerds legendäre Crowdsourcing-Newsseite. Jeder kann dort anonym Links posten, die von allen bewertet werden. Je höher die Wertung, desto besser das Ranking. Was Nachrichten angeht, empfehle ich hier die Wordnews. Man muss dabei allerdings seinen Verstand einschalten, weil darunter auch fragwürdige Quellen auftauchen können.

Wöchentliches

Über die Wochenzeitschrift The Economist ist bereits alles gesagt. Bleibt noch die Wiener Stadtzeitung Falter, den ich als Printabo beziehe. Einerseits wegen der Wienberichterstattung (Kultur!), aber auch um in Sachen österreichischer Politik auf dem Laufenden zu bleiben. Der Falter bietet in Österreich mit die beste journalistische Qualität, was Recherchehandwerk und Themenauswahl angeht.

Hintergründiges und Spezielles

Nach Themen, welche mich interessieren, durchforste ich etwa zwei Mal im Monat die New York Times, speziell die Sektionen Books, Science und Technology.

Im Kindle-Abo lese ich ferner die amerikanische Monatszeitschrift The Atlantic. Weltklasse-Journalismus bieten hier regelmäßig die monatlichen Features, an denen man ab und an mehrere Stunden liest.

Für Technik-Themen schließlich lese ich seit mindestens 25 Jahren im Printabo die c’t, ergänzt durch den Podcast c’t Uplink.

Viele der erwähnten Medien informieren auch über Buch-Neuerscheinungen. Zusätzlich verwende ich hier den Perlentaucher, hier wieder gerne den Newsletter Bücher des Monats. Eine gute Anlaufstelle dafür ist auch Literaturkritik.de, besonders auch der praktische Newsletter.
Als Podcast höre ich schließlich ausgewählte Rezensionen der täglichen Deutschlandfunk-Sendung Büchermarkt sowie fast immer zeitversetzt das Buch der Woche, wo jeden Sonntag im Büchermarkt eine einzige wichtige Neuerscheinung vorgestellt wird. Hörenswert ist auch der Inside The New York Times Book Review.

Abschließend möchte ich noch an einen alten Bekannten erinnern, den ich sehr intensiv nutze, nämlich die Google Alerts, von denen ich knapp hundert aktive habe. Die meisten sind auf wöchentlich eingestellt, es gibt aber auch eine Reihe von täglichen Alerts, etwa Österreich, Austria, Wien und Vienna. Die Alerts lese und manage ich über die Google Inbox App.

Die ersten Bände der neuen Robert-Musil-Ausgabe

Auf die neue Gesamtausgabe der Werke Musils wies ich bereits an anderer Stelle hin. Hier nur der kurze Hinweis, dass nun die ersten beiden dicken Bände erschienen sind. 38 Jahre nach der letzten Edition!

Mann ohne Eigenschaften 1: Erstes Buch, Kapitel 1-75

Mann ohne Eigenschaften 2: Erstes Buch, Kapitel 76-123

Vom großzügigen Satzspiegel her sicher die bisher best lesbare Buchausgabe dieses grandiosen Romans.

Koestler: Sonnenfinsternis

Dieser deutsche Roman, der 1940 zuerst auf Englisch unter dem Titel Darkness at Noon erschien, ist ein Klassiker des politischen Romans und gehört damit in eine Reihe mit Orwells 1984 und Huxleys Brave New World. Auch in Sonnenfinsternis stehen die Auswirkungen des Totalitarismus im Zentrum des Romans, allerdings jener der Gegenwart. Der fiktive Rubaschow war während der russischen Revolution eine wichtige Figur und findet sich plötzlich, wie viele seiner prominenten Kollegen, auf Anordnung Stalins im Gefängnis wieder. Die Handlung kreist um die Vorbereitung seines Schauprozesses. Zuerst verhört in ein alter Bekannter, der dann selbst in die Mühle der stalinistischen Säuberungen gerät. Danach ein amtseifriger jüngerer Fanatiker. Körperlich gefoltert wird er nicht – im Gegensatz zu einem Kronzeugen gegen ihn. Allerdings arbeiten seine Peiniger mit Schlafentzug. Hier gerät nun eine wichtige Ebene des Romans in den Fokus, nämlich was eine totalitäre Ideologie im Kopf eines Menschen anrichtet. Schon die Zeitgenossen wunderten sich über die vielen „freiwilligen“ Geständnisse im Gerichtssaal. Wie es zu dieser „Freiwilligkeit“ kommen kann, führt Koestler in seinem Buch im Detail aus: Zentral ist die Überzeugung auch in diesem Moment noch einen Beitrag für die gute Sache des Kommunismus leisten zu müssen. Das Individuum demütigt sich für eine Utopie und opfert sich selbst für einen vermeintlich höheren Zweck. Psychologisch sind hier ganz ähnliche Muster am Werk wie bei islamistischen Selbstmordattentätern. Die Enttarnung dieser Mechanismen brachte Koestler nach der Veröffentlichung den Hass vieler Kommunisten ein.

Erzählerisch ist Sonnenfinsternis ebenfalls gelungen. Koestler gelingt es nicht nur die psychischen Prozesse seiner Hauptfigur überzeugend darzustellen. Er macht den Charakter Rubaschows auch durch gut ausgewählte Rückblenden plausibel.

An der Oberfläche wird der Roman aktuell bleiben, so lange politische Gefangene in Gefängnisse gesteckt werden, wie in diesen Wochen Zehntausende in Erdogans Türkei. Ein Klassiker bleibt das Buch, weil es das Wesen des Totalitarismus und der menschlichen Psyche seziert – gültig auch für die nächsten Zeitalter der Menschheit.

Ich las eine ältere antiquarische Ausgabe. Letztes Jahr wurde erfreulicherweise ein neues frühes Manuskript des Romans gefunden. Die Details können in folgendem Artikel der New York Review of Books nachgelesen werden: A Different ‚Darkness at Noon‘.

Sonnenfinsternis Roman (Europaverlag)

Turandot

Wiener Staatsoper 7.9. 2016

Dirigent: Marco Armiliato
Regie: Arturo Marelli

Turandot: Lise Lindstrom
Timur: Dan Paul Dumitrescu
Calaf: Marcello Giordani
Liù: Olga Bezsmertna

Puccini starb, bevor er Turandot abschließen konnte. Das Ende der Oper ist auch deshalb kein Glanzstück, weil die plötzliche Wandelung der grausamen und kaltherzigen Prinzessin Turandot in eine heißblütige Julia völlig unglaubwürdig ist. Überhaupt ist das Libretto mit seiner Mischung aus Märchen und Brutalität stellenweise misslungen. Dieses Misslingen transponiert Arturo Marelli in seine Inszenierung, wo zirkushafte Einlagen mit Clowns und Akrobaten so gar nicht zu den prominent platzierten abgeschlagenen Köpfen passen wollen.

Vokal war der Abend hervorragend. Das Wiener Staatsopernorchester war dagegen hörbar noch in der Sommerpause. Auch der Chor neigte zur klanglichen Schwammigkeit. Insgesamt aber ein akzeptabler Opernabend.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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