Studienreisen-Planung

Aktualisiert am 6. Dezember 2014.

Die dazu gehörigen Reise-Notizen finden sich hier.

Griechenland (Herbst 2002)
Sizilien (Frühjahr 2003)
Westtürkei (Frühjahr 2004)
Ägypten (Frühjahr 2005)
Israel (Frühjahr 2006)
China (Frühjahr 2007)
Rom und Golf von Neapel (Frühjahr 2008)
Jordanien (Herbst 2008)
Zentralasien (Frühjahr 2009)
Zentralanatolien (Herbst 2009)
Toskana/Umbrien (Frühjahr 2010)
Indien/Rajasthan (Oktober 2010)
Malta (März 2011)
Südamerika (Oktober 2011)
Armenien (Mai 2012)
Marokko (Dezember 2012)
Paris (Kunstgeschichte) (April 2013)
Äthiopien (Oktober 2013)
Iran (Mai 2014)
Kreta (Herbst 2014)

Gebucht:
Vietnam & Kambodscha (Januar 2015)
Andalusien (Oktober 2015)

Geplant:

Mexiko (Frühjahr 2016)
Japan (2017)

Wunschliste:

Skandinavien
Kykladen
Georgien
Südindien
Südliches Afrika
Rom
Ile de France
Schottland
Peru

Wien im Ersten Weltkrieg

Wien Museum 8.12. 2014

Sehr umfangreich ist sie nicht, die aktuelle Ausstellung im Wien Museum. Der Untertitel Stadtalltag in Fotografie und Grafik fasst die gezeigten Exponate gut zusammen. Wie wirkte sich der Erste Weltkrieg auf die Wiener aus? Zu sehen sind einige der Jubelbilder am Beginn des Krieges, Schwerpunkte der Schau sind allerdings die zahlreichen Übel, die sich bald einstellen. Hunderttausende an Kriegsflüchtlingen und Kriegsgefangenen kommen nach Wien und lösen neben zahlreichen logistischen Problemen auch viele Ressentiments aus. Dem “normalen” Wiener ging es schon unter normalen Umständen schlecht, das zugewanderte Elend machte alles noch viel schlimmer. Frappant sind die Zitate aus den damaligen Polizeiberichten, die groß an die Ausstellungswände geschrieben sind, und die bescheidene Stimmung der Bevölkerung bestens zusammenfassen.

Weitere Themenschwerpunkte sind – neben den bereits erwähnten – die Lazarette in Wien (mit hübschen Propagandafotos), die Auswirkungen auf Kinder und Frauen, Kultur und Unterhaltung sowie die Kriegswirtschaft. Dazu werden Rationierungen und kreative Materialverwendung anhand von Beispielen vorgeführt. Die Kriegsgewinnler kommen völlig zu kurz.

Die Zahl der Fotos hält sich in Grenzen. Sie werden, schon alleine wegen des Größenunterschieds, von den zahlreichen bemerkenswerten Plakaten und Aushängen dominiert. Darunter sehr hübsche:

“Sammelt Knochen! Kein Knochen darf verloren gehen!”
(Wiener Magistrat, Abteilungen VI, 1917)

(Bis 18.1.)

Turrini: Bei Einbruch der Dunkelheit

Burgtheater 15.11. 2014

Regie: Christian Stückl

Die Gräfin: Barbara Petritsch
Ihre Tochter: Dorothee Hartinger
Der Mann ihrer Tochter, Komponist: Markus Meyer
Der Anwalt der Familie, Dr. Meier-Waldhof: Falk Rockstroh

Die Haushälterin Elisabeth Ratschnig: Elisabeth Augustin
Ein Lyriker als Gast: Sven Dolinski
Ein Maler als Gast: Laurence Rupp
Ein Junge aus dem Dorf, Alois Mitteregger: Matthias Hecht / Sebastian Kranner

Christian Stückl inszeniert Turrinis autobiografische Abrechnung als wilde Groteske. Das nimmt dem Stück zwar viel von seiner Aggressivität, funktioniert aber überzeugend. Bereits die völlig überzogenen Kostüme nehmen der Aufführung jeglichen Realismus, was das Bühnenbild mit einem klischeehaften Baum und gelegentlich verfremdender Beleuchtung noch unterstreicht. Stückl schreckt selbst vor Flatulenz als running gag nicht zurück. In diesem Setting findet die Konversation statt, mit welchem das Drama vor allem arbeitet. Hier kommen dann auch die beißende Sozialkritik an Kärnten und die satirische Behandlung dieser aristokratischen Kärntner Künstlerversammlung ins Spiel, die den Mittelpunkt des Textes bildet, und die der junge Turrini beobachten konnte. Für seine Erfahrungen steht ein dicklicher Bauernbub, der brav seine Demütigungen seitens der Intellektuellen einsteckt. Die satirische Abrechnung versagt allerdings im Falle des jungen Lyrikers, der anscheinend den damals ebenso jungen Thomas Bernhard verkörpert. Der Kern von Bernhards Ästhetik war nicht jene verbittert-zynische Apokalypse, als welche sie hier gezeigt wird. Aber vielleicht ist diese Distanz von Turrini auch beabsichtigt.

Schauspielerisch ist der Abend grandios, speziell Barbara Petritsch brilliert als alte Gräfin. Die satirisch-musikalischen Kitscheinlagen verfehlen ihre Wirkung ebenfalls nicht. Der Radau der Groteske übertönt allerdings die dunkleren Töne des Textes zu sehr. Einige im Publikum ließen sich sogar zu Buhrufen provozieren. Sehenswert.

Zwei Tage, eine Nacht

Filmcasino 14.11. 2014

F/B/I 2014
Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne

Mit Zwei Tage, eine Nacht ist den Dardennes eine fulminante Sozialstudie über die europäische Wirtschaftskrise gelungen. Was sie in den Köpfen des Mittelstands anrichtet, zeigen sie mit Hilfe einer exzellenten erzählerischen Idee:
Die Belegschaft einer kleinen belgischen Firma wird von ihrem Chef gezwungen, sich zwischen einer Prämie von 1000 Euro und der Entlassung einer Kollegin zu entscheiden. Die erste Wahl am Freitag geht klar zu Gunsten der Prämie aus. Die Betroffene, Sandra Baye, steht im Mittelpunkt des Films, und kann eine zweite Wahl am Montag durchsetzen. Sie hat damit zwei Tage und eine Nacht Zeit, ihre 16 Kollegen davon zu überzeugen, für sie und gegen die Prämie zu stimmen.
Ohnehin ein nervliches Wrack, klappert sie, vollgepumpt mit Psychopharmaka, ihre Kollegen ab, die höchst unterschiedlich reagieren: Von Verständnis bis Gewalt. Ergebnis ist ein deprimierendes Mittelstandspsychogramm. Großartig die schauspielerische Leistung von Marion Cotillard in der Hauptrolle. Europäisches Kino wie wir es brauchen.

Diego Velázquez und Alberto Giacometti

Kunsthistorisches Museum Wien (15.11. 2014)
Leopold Museum Wien (8.11. 2014)

Das Kunsthistorische Museum hat viele Gemälde des Diego Velázquez’ in seiner Sammlung, weshalb sich eine Werkschau beinahe aufdrängt. Wer allerdings die Gelegenheit hat, sollte sie sich nicht im Rahmen der aktuellen Blockbuster-Ausstellung ansehen. Im normalen Museumsbetrieb kann man sich ihnen fast immer ungestört widmen, während sich jetzt Menschenmassen davor drängen. Ich beschränke mich also auf die Besichtigung der vielen Leihgaben (Madrid, Berlin, Dresden, Boston, London…). Interessant der erste Raum mit dem Frühwerk, das beeindruckend veranschaulicht, wie schnell der junge Velázquez seinen Stil fand. Auffällig auch, wie wenig ihn religiöse Malerie interessierte, was für einen Barockmaler sehr ungewöhnlich war: Nur etwa ein Zehntel seiner Werke zeigen religiöse Motive. Mehr als tolle Gemälde bietet die Schau aber nicht: Es fehlt jeglicher übergreifende konzeptuelle Rahmen. Das berühmteste Bild des Malers, Las Meninas, ist nur in einer großen Reproduktion zu sehen.
(Bis 15.2.)

Ein paar Schritte weiter, im Museumsquartier, zeigt das Leopold Museum eine umfangreiche Werkschau Alberto Giacomettis. Seine stiftählichen späten Skulpturen faszinieren mich seit ich sie das erste Mal sah. Völlig unbekannt war mir bisher das frühe und mittlere Werk des Künstlers, das von den Kuratoren vorbildlich aufbereitet ausgestellt wird: Es finden sich nicht nur repräsentative Beispiele aus jeder Schaffensperiode, es sind auch Werke anderer Künstler zu sehen, welche den kunsthistorischen Kontext ergänzen. Abgerundet wird die Kunst durch Atelierfotos und eine Filmdokumentation. Sehr sehenswert!
(Bis 26.1.)

Privatbibliothek: Neuzugänge

Büchner: Dantons Tod

Burgtheater 31.10. 2014

Regie: Jan Bosse

Bühne: Stéphane Laimé

George Danton: Joachim Meyerhoff
Camille Desmoulins: Peter Knaack
Lacroix: Daniel Jesch
Thomas Payne/Richter: Ignaz Kirchner
Robespierre: Michael Maertens
St. Just: Fabian Krüger
Julie, Dantons Gattin: Adina Vetter
Lucile, Gattin des Camille Desmoulins: Aenne Schwarz

Zwei Stars beherrschen diesen Theaterabend: Joachim Meyerhoff und die Bühnentechnik des Burgtheaters. Stéphane Laimé ließ eine aufwändige Drehbühne konstruieren, die fast pausenlos in Bewegung bleibt, und auf zwei Ebenen unterschiedliche Schauplätze zeigt, die aber jeweils nur kurz benutzt werden. Darunter sehr hübsch ein Haufen konfiszierter Kruzifixe. Die Choreografie der Bühne selbst sowie der körperliche Einsatz der Schauspieler führen zu einem beeindruckendem Theatererlebnis: Es gibt fast keinen Moment der Ruhe. Selbst ein Kinderchor wird intelligent in das Gesamtensemble einbezogen.

Dieser Burgtheaterbühnendauerbetrieb hat allerdings einen gravierenden Nachteil: Er passt so gar nicht zum intellektuellen Duktus von Dantons Tod. Die ausgesprochenen Gedanken bedürfen eines ruhigen Resonanzraums und verlieren viel, wenn sie von einem im Kreis laufenden Meyerhoff gerufen werden. Mir wurde zum ersten Mal bewusst, dass Büchners intellektueller Anspruch bereits auf Musils Die Schwärmer voraus weist. Es hilft auch nicht, dass die Aufführung mit zusätzlichen Büchnertexten angereichert ist. Von Briefausschnitten bis zum Märchen im Woyzeck. Meyerhoffs Leistung ist freilich wie immer auf hohem Niveau und man merkt, dass er sich intensiv mit jedem Satz auseinandersetzte. Maertens steht ihm da als Robespierre um nichts nach, und spielt den Tugendterroristen mit einer subtilen salafistischen Schmierigkeit. Der Rest des Ensembles spielt ausnahmelos auf hohem Niveau.

Jan Bosses Inszenierung scheitert also auf so hohem Niveau, dass sie trotzdem sehr sehenswert ist.

Isabel Allende: Das Geisterhaus

Akademietheater 30.10. 2014

Regie: Antú Romero Nunes

Mit
Jasna Fritzi Bauer
Sabine Haupt
Dörte Lyssewski
Caroline Peters
Aenne Schwarz
Adina Vetter
August Diehl
Ignaz Kirchner

Musiker: Sergio Pinto

Warum ich mir die Theaterfassung eines Romans ansehe, den ich absichtlich nicht las? Die Antwort lautet: Akademietheaterabonnement. Obwohl die Inszenierung einige kindische Elemente verwendet (etwa ein von einer Schauspielerin gespielter Hund), findet Antú Romero Nunes einen plausiblen Ansatz, die Geschichte zu erzählen. Dieser theatralische und schauspielerische Aufwand steht aber in keinem Verhältnis zur narrativen Schlichtheit des Erzählten. Leider wieder ein eindeutiger Fall von Akademietheaterverschwendung!

P.S. Ich verließ das Theater in der Pause, nach mehr als zwei Stunden des Abends.

Gelesen im August, September und Oktober

Wagner: Tannhäuser

Wiener Staatsoper 22.10. 2014

Dirigent: Peter Schneider
Regie: Claus Guth

Hermann: Kwangchul Youn
Tannhäuser: Robert Dean Smith
Wolfram von Eschenbach: Christian Gerhaher
Elisabeth: Camilla Nylund
Venus: Iréne Theorin

Von allen Wagner-Opern mag ich den Tannhäuser am wenigsten. Das Niveau der ästhetischen Reflektion bleibt weiter hinter dem der Meistersinger zurück, und die propagierte christliche Tugendethik ist viel naiver und ungebrochener als beim Parzival. Opern mit einem happy ending machen mich aber grundsätzlich depressiv.

Claus Guth verlegt den Tannhäuser in das Wien der Jahrhundertwende, was wenigstens zu einigen Highlights Anlass gibt. So treten die Pilger am Ende in Zwangsjacken auf, was ein hübsches kritisches Bild für die Entmündigung durch die Religion im Mittelalter ist.

Musikalisch war der Abend mit zwei Ausnahmen erfreulich. Robert Dean Smith war ein völlig uninspirierter Tannhäuser, dem es vokal an jeglichem Glanz mangelte. Der Wiener Staatsopernchor setzt auf Lautstärke statt auf eine präzise Phrasierung. Dafür legte das Staatsopernorchester eine formidable Leistung hin und die übrigen Sänger ebenso. Herausragend stimmlich und schauspielerisch der Wolfram Eschenbach des Christian Gerhaher. Besser kann man diese Rolle nicht geben.

Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit

Burgtheater 9.10. 2014

Regie: Georg Schmiedleitner

Mit
Bernd Birkhahn
Gregor Bloéb
Sven Dolinski
Stefanie Dvorak
Alexandra Henkel
Dietmar König
Christoph Krutzler
Dörte Lyssewski
Peter Mati?
Petra Morzé
Elisabeth Orth
Thomas Reisinger
Laurence Rupp

Die unlösbare Aufgabe, das Mammutmerk des Karl Kraus auf die Bühne zu bringen, konnte auch Georg Schmiedleitner nicht zufriedenstellend lösen. Speziell die Blasmusikbegleitung passt so gar nicht zu den aristokratischen Wortkreationen des Karl Kraus. Die Inszenierung versucht mehrere Linien durch das Riesendrama zu ziehen, indem sie die Szenenauswahl so gestaltet, dass die von Kraus konzipierte Struktur sichtbar wird. So treffen der Optimist und der Nörgler regelmäßig aufeinander. Trotz einiger starker Bilder und trotz vieler starker Kraus-Sätze, lässt einen dieser diffuse Abend aber unzufrieden zurück.

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“Die Presse” meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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  • @Conny451 Ob das stimmt, weiß ich nicht. Kann man aber sicher an der Uni erfragen, was man studiert ;)
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  • Indische Kinder gehen für pakistanische Kinder auf die Straße. Der Atomkrieg zwischen Indien und Pakistan ist damit kurzfristig verschoben.
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