In Vietnam und Kambodscha unterwegs

Ich bin die nächsten zweieinhalb Wochen auf einer Studienreise durch Vietnam und Kambodscha unterwegs:

Vietnam-Kambodscha

Fotos werde ich unterwegs in ein öffentliches Facebook-Album stellen.

Mein Privatkanon

Letzte Aktualisierung: 6. Juli 2013

Hier also die Liste meiner Lieblingsklassiker inklusive der Verlinkung auf die ensprechenden Notizen. Kurz: Es handelt sich um meine dringendsten Leseempfehlungen. Zuletzt nahm ich Balzacs Verlorene Illusionen in diesen illustren Kreis auf!

In den Bibliomanen Betrachtungen beschreibe ich meine derzeitigen Lesegewohnheiten. Was Lektüre zum Tagesgeschehen betrifft, verweise ich auf Was soll man lesen?.

Bibel – [Notiz]
Homer: Die Odyssee – [Notiz]
Herodot: Historien – [Notiz]
Aischylos: Orestie
Sophokles: König Ödipus; Antigone
Thukydides: Geschichte des peloponnesischen Kriegs – [Notiz]
Platon: Der Staat – [Notiz]
Aristoteles: Nikomachische Ethik
Ovid: Metamorphosen – [Notiz]
Augustinus: Der Gottesstaat – [Notiz]
Dante: Göttliche Komödie – [Notiz]
Montaigne: Essais – [Notiz]
Shakespeare: Tragödien – [Notizen]
Cervantes: Don Quijote – [Notiz]
Sterne: Tristram Shandy [Notiz]
Moritz: Anton Reiser
Schiller: Don Karlos; Wallenstein; philosophisch-ästhetische Schriften – [Notizen]
Goethe: Briefwechsel mit Schiller – [Notiz]
Goethe: Faust – [Notiz], Wahlverwandtschaften – [Notiz]
Balzac: Verlorene Illusionen [Notiz]
Flaubert: Madame Bovary
Dostojewskij: Die Brüder Karamasow – [Notiz], Böse Geister
Joyce: Ulysses – [Notiz]
Kafka: Erzählungen, Der Proceß
Thomas Mann: Buddenbrooks – [Notiz], Zauberberg, Josephs Romane – [Notizen], Dr. Faustus
Musil: Mann ohne Eigenschaften – [Notiz]
Doderer: Strudlhofstiege – [Notiz]
Thelen: Die Insel des zweiten Gesichts – [Notiz]
Johnson: Jahrestage – [Notiz]
Bernhard: Auslöschung – [Notiz]

Privatbibliothek: Neuzugänge

Peter Weibel: Media Rebel

21er Haus Wien 4.1. 2015

Peter Weibel ist einer der vielseitigsten und intelligentesten Künstler Österreichs. Nicht nur, weil seine Werke meist kreativ mit Sprache und Erkenntnis spielen, sondern auch wegen seiner Experimente mit unterschiedlichen Kunstformen. Inzwischen ist er so etabliert, dass man gerne vergisst, dass seine Kunst bis in die siebziger Jahre hinein ignoriert wurde. Er spielte auch eine Rolle bei den Studentenprotesten Ende der Sechziger in Wien und beim Wiener Aktionismus.

Im 21er Haus ist jetzt eine umfangreiche Werkschau zu sehen. Viele ältere Arbeiten wurden nachgestellt. Es sind aber auch neue Arbeiten dabei. Am ästhetisch spannendsten ist die Medienkunst. Nicht wegen der hohen Qualität der Arbeit, sondern weil sich hier kunstphilosophische Grundsatzfragen stellen: Sind die Werke als type an die ursprüngliche Technik gebunden? Die alten Tonbandgeräte, VHS Kameras usw. funktionieren jetzt oft schon nur noch unter Protest oder gar nicht mehr. Was, wenn man so eine Installation mit Röhrenfernseher aus den Siebzigern auf einen modernen Flachbildschirm transferiert? Wäre das eine legitime Interpretation oder ein werkzerstörender Eingriff in ein Kunstwerk?

(Bis 18.1.)

Gelesen im November und Dezember

Henri de Toulouse-Lautrec & Lust am Schrecken

Kunstforum Wien 3.1. 2015

Das Kunstforum zeigt die Werke des Franzosen ohne viel kuratorischen Firlefanz in chronologischer Reihenfolge. Obwohl es immer wieder schön ist, alte Museumsbekannte wieder zu sehen, finde ich mangels bisheriger Begegnung vor allem das Früh- und Spätwerk interessant. Zu Beginn gibt es etwa diverse Naturmotive zu bestaunen, am Ende den kurz vor seinem Tod entstandenen Zirkuszyklus. Im Zentrum stehen natürlich jene Darstellungen der Halbwelt des Montmartre für die Toulouse-Lautrec zu Recht schnell berüchtigt wurde. War er doch einer der ersten, welche sich ein naturalistisches Milieu als Motivgeber auserkor. Berühmt in Paris wurde er allerdings durch seine Plakatkunst, von der in Wien auch viele Beispiele gezeigt werden.
(Bis 25.1.)

Gemäldegalerie der Akademie der bildenen Künste Wien 3.1. 2005

Die Gemäldegalerie ist für Wiener Verhältnisse ja ziemlich unbekannt, obwohl sie einige herausragende Bilder im Bestand hat. Darunter das Weltgerichts-Tryptichon des Hieronymus Bosch. Um dieses herum wurde nun diese kleine, aber feine Schau mit dem Untertitel Ausdrucksformen des Grauens entwickelt. Passend eingeleitet durch einen Abguss der berühmten Laokoon-Gruppe zeigt sie überwiegend Grausamkeitsdarstellungen anhand religiöser und mythologischer Motive. Die Popularität der IS-Köpfungsvideos lässt einen ja schnell vergessen, wie gerne auch im Alten Testament geköpft wird und wie realitätsnah das in der bildenden Kunst oft dargestellt wurde.
Um ebenfalls den Aspekt des Erhabenen abzudecken finden sich Bilder über Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche, Unwetter auf dem Meer…).
(Bis 15.3.)

Citizenfour

Filmcasino 1.1. 2015

USA 2014

Regie: Laura Poitras

Seit Hitler und Stalin Hand in Hand Europa verwüsteten, waren Freiheit und Demokratie im Westen nicht mehr so stark gefährdet wie heute. Eine unrühmliche Rolle spielen dabei die Religionen, die auf der ganzen Welt Extremisten produzieren, welche mit Gewalt vormoderne Zustände erreichen wollen. Das trifft nicht nur für die besonders aktiven Islamisten zu. Auch christliche Fanatiker (z.B. Evangelisten in Afrika) oder brandschatzende Buddhisten in Südostasien arbeiten heftig an der Rückkehr zu archaischen Zeiten mit. Gleichzeitig werden die meisten Demokratien mit Geld und Korruption von innen her ausgehöhlt.

Die mit Abstand größte Bedrohung für Freiheit und Fortschritt ist aber die inzwischen universelle Überwachung. Jede Diktatur der Weltgeschichte hatte und hat ein ausgeklügeltes Spitzelwesen. Die westlichen Geheimdienste haben nun unter dem Vorwand der Sicherheit nach 9/11 ungehindert die größte Überwachungsinfrastruktur der Geschichte aufgebaut, allen voran die amerikanische NSA und der britische GCHQ.

Viele haben es seit Jahren geahnt: Es gab diverse Indizien dafür. Seit aber Edward Snowden im Juni 2013 anfing, diese Praktiken als Whistleblower offen zu legen, liegen viele Fakten auf dem Tisch. Genützt hat es insofern, als die Weltöffentlichkeit nun darüber informiert und eine breite Gegenbewegung entstanden ist. Passiert ist bisher allerdings nichts. Der Direktor der NSA hat nachweislich Kongress und Öffentlichkeit belogen: Er ist immer noch im Amt. Sollte der “point of no return” bereits erreicht sein, wird das 21. Jahrhundert einen sehr unerfreulichen Verlauf nehmen. Die zukünftigen Putins und Erdogane bekommen das perfekteste Unterdrückungsinstrument aller Zeiten in ihre Hände.

Laura Poitras ist jene Journalistin, mit der Edward Snowden zuerst eine verschlüsselte Kommunikation zustande brachte. Im Hotelzimmer in Hong Kong sitzt dann auch Glen Greenwald, der die ersten Enthüllungsgeschichten für den Guardian schreibt. Poitras filmt die erste Woche der Begegnung mit dem jungen Ex-Geheimdienstmitarbeiter und diese Szenen sind der Kern ihres Dokumentarfilms. Wie sehr es Snowden um die Sache geht und wie wenig um seine Person, wird schon nach wenigen Sätzen deutlich. Er spricht intelligent und bescheiden.

Citizenfour selbst ist zwar eine der wichtigsten Filme seit Jahren und unbedingt sehenswert, strukturell finde ich ihn aber etwas verwirrend. Grandios gelungen ist das Porträt Snowdens in Hong Kong. Die Vor- und Nachgeschichte bestehen aus unterschiedlichen Szenen, die sich mit den Enthüllungen beschäftigen. Diese rütteln zwar auf, sind für meinen Geschmack aber doch etwas konfus aneinander gereiht. Etwas mehr Struktur, hätte dem Werk gut getan.

Edward Snowdens Zivilcourage und seine Bereitschaft, für seine Überzeugung ein komfortables Leben in Hawaii mit dem Leben eines Flüchtlings einzutauschen, beeindruckt auf jeden Fall tief. Wir können alle nur hoffen, dass die Welt noch viele Snowdens hervorbringen wird. Es gibt kaum ein Wort, das ich weniger mag als “Held”. Wenn aber jemand diese Bezeichnung voll und ganz verdient, ist es Edward Snowden.

Ein Geschenk der Götter

Filmcasino 31.12. 2014

D 2014

Regie: Oliver Haffner

Neun Langzeitarbeitslose landen via Jobcenter statt im ursprünglich geplanten Computer- in einem Theaterkurs. Den gibt Anna, die sich eigentlich arbeitslos melden wollte, weil ihr Vertrag am Stadttheater nicht verlängert wurde. Haffner drehte den Film in und um Ulm herum. Herausgekommen ist deshalb auch ein Porträt der deutschen Provinz. Die neun Protagonisten stehen alle auf der Verliererseite des deutschen Wohlstands und Haffner leuchtet kurz, aber hell, in ihre Hartz-4-Existenzprobleme hinein. Das gibt dem Werk auch eine politische Dimension.

Was den Film aber grandios macht, ist der Bezug zum Theater. Nach heftigen Konflikten zu Beginn erarbeitet diese inhomogene Gruppe mit zunehmender Hingabe eine Aufführung von Sophokles’ Antigone. Als Kontrast dient die alles andere als sympathische Provinztheaterszene. Wider aller Wahrscheinlichkeit gelingt ihnen ein toller Theaterabend.

Das Prinzip “Underdogs treffen auf Theaterklassiker” funktionierte ja bereits in Cäsar muss sterben ausgezeichnet.

Ein Interview mit dem Regisseur brachte die Süddeutsche Zeitung.

Wilhelm Genazino: Bei Regen im Saal

Vor gut zwei Monaten las ich den neuen Roman Wilhelm Genazinos und stelle fest: Es sind mir kaum Details im Gedächtnis geblieben. Vermutlich liegt das daran, weil der Autor immer wieder dasselbe Buch schreibt: Ein Intellektueller Ich-Erzähler fortgeschrittenen Alters ist in einer Lebens- und Beziehungskrise. Mal ist der Beruf des Betroffenen origineller, mal weniger. Jetzt ist es ein studierter Philosoph, der sich mit diversen Jobs über Wasser halten muss und schließlich bei einer schäbigen Provinzzeitung landet. Er ist selbstverständlich auch nicht der erste Lokaljournalist in Genazinos Werk.
Höhepunkt ist einmal mehr in diesem Text die urbane Beobachtungskunst. Nach der Lektüre promeniert man einige Tage mit offeneren Augen durch die Stadt. Bei Regen im Saal birgt also keine Überraschungen. Ich habe es gerne gelesen.

Wilhelm Genazino: Bei Regen im Saal Roman (Hanser)

Ausgrabungen auf Kreta

September 2014

Eine langjährige Lücke sollte diese Studienreise schließen: Ich hatte die minoischen Ausgrabungen auf Kreta bisher noch nicht besichtigt. Dieses Ziel erreiche in dieser Woche auf Kreta, allerdings nur unter verschärften Bedingungen. So hatten wir zwei Tage lang in der zweiten Septemberhälfte noch 38 Grad im Schatten, was das Stehen zwischen Steinen nicht angenehm macht. Gleichzeitig bin ich in sogenannten “besseren” Badehotels untergebracht, einem kleinkinderreichen Ambiente, auf das ich keinen gesteigerten Wert lege. Ich bevorzuge immer zentrumsnahe Hotels in Städten. Auf meiner nächsten Europa-Studienreise (Andalusien im Oktober 2015) wird das auch wieder überwiegend der Fall sein.

Endlich stehe in Knossos, einer der berühmtesten antiken Ausgrabungen. Beeindruckend nicht zuletzt deshalb, weil es die – nach aktuellem Wissensstand – erste alte Stadt war, in der vielstöckig gebaut wurde. Das gab es in dieser Form vorher weder in Mesopotamien noch in Ägyten. Was Sir Arthur Evans daraus machte, ist mit guten Gründen umstritten: Er baute viele der Gebäude wieder auf und stößt damit noch heute die Authentizitätsfreunde unter den Archäologen vor den Kopf. Zu Recht muss man sagen, denn Teile der Stätte erinnern tatsächlich an ein archäologisches Disneyland. Die Farben leuchten, die Mauern stehen wie frisch gebaut. Den Touristen kommt das natürlich entgegen, können sie doch ihre Augen statt ihr Hirn benutzen, was im Urlaub ja deutlich bequemer ist.
Evans Interpretationen der Funde sind meist auch von der schlichteren Art: Ein großes Gebäude, das zu Beginn an jener Straße liegt, die vom Meer herführt, konnte für ihn etwa nur ein Zollhaus sein. Es störte ihn nicht, dass keinerlei Funde diese Hypothese stützen.

Zwei Tage später überrascht mit Górtis. Ich war so auf Knossos und Phaistos fixiert, dass ich mich vorher nicht damit beschäftigt hatte. Ein Fehler! Es handelt sich um die Reste einer Stadt, die ab der dorischen Zeit einflussreich wurde und mit einer außergewöhnlichen Inschrift aufwartet: Mit altgriechischen Rechtstexten, welche die Bewohner als Dekoration für ihr Theater verwendeten und die heute in dieser Form einzigartig sind. Das Odeíon selbst ist aus dem 1. Jahrhundert und ebenfalls ungewöhnlich gut erhalten. Die Überreste der Basilika Agios Títos kann ich wegen einer Restaurierung leider nicht besichtigen.

Die zweite berühmte minoische Ausgrabung auf Kreta ist Phaistos, hoch über der Messara-Ebene gelegen, was damals natürlich viel Sicherheit bot. Anders als Knossos gibt es hier erfreulicherweise keinen Archäologiekitsch zu sehen. Es gilt also die unterschiedlichen Schichten auseinanderzuhalten. Der erste Palast wurde 1900 vor unserer Zeitrechnung errichtet, fiel aber schon nach zweihundert Jahren einem Erdbeben zum Opfer. Ein noch umfangreicherer Neubau wurde versucht, konnte aber vor dem Untergang der minoischen Kultur gegen 1450 nicht mehr fertig gestellt werden. Wackelige Interpretationen gibt es aber auch hier, etwa zu einem Podest im Zentralhof, das zum damals bei der Jugend beliebten Stierspringen hätte dienen können.

Die Beliebtheit dieses Stierspringens ist durch Fresken belegt. Sie kann man im Archaölogischen Nationalmuseum in Heraklion bewundern. Dieses Museum ist nicht nur deshalb sehr sehenswert, weil die dort gezeigten minoische Stücke großen Seltenheitswert haben (z.B. der Diskos von Phaistos und die Schlangengöttin-Skulptur), sondern auch, weil es didaktisch und architektonisch sehr geschmackvoll gestaltet ist. Die minoischen Fresken, denen der zweite Stock des Hauses gewidmet ist, muss man gesehen haben.

Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach

Filmcasino 26.12. 2014

SE/NO/F/D 2014

Regie: Roy Andersson

Der Film gibt sich als Komödie aus und ist das etwa in der Art wie Becketts Warten auf Godot eine Komödie ist: Eine verstörende Abrechnung mit der Menschheit, die stellenweise verzweifelt-komisch daher kommt. Eine seltsame Mischung aus Kaurismäki, Bergman und Kafka ist dieser Reigen an in Beigetönen gehalten Szenen. Zusammengehalten durch gemeinsame Figuren und wenige Handlungsstränge zeigen sie Menschen in überwiegend grotesken, teils surrealen Situationen. Gegen Ende dann ein verstörendes Traumbild, welches an Kafkas In der Strafkolonie erinnert. Die Filmsprache ist selbst für einen Autorenfilm anspruchsvoll: Zwei junge Zuseherinnen waren damit so überfordert, dass sie das Kino vorzeitig verließen. Ein sperriges Kunstwerk, das völlig zurecht dieses Jahr den Goldenen Löwen in Venedig bekam.

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“Die Presse” meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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