Dr. Christian Köllerers Notizen

Bibliothek: Neuzugänge

Ekkehard Martens: Die Sache des Sokrates (Reclam UB, erschienen 1992; neuer Titel „Sokrates: Eine Einführung“) Gottfried Martin: Sokrates (rororo monographie; erschienen 1967) Günter Grass: Fünf Jahrzehnte. Ein Werkstattbericht (editionWelttag, Steidl; schöne gebundene Originalausgabe für DM 10.-)

KlassikAkzente Nr. 2/2001

Verzweifelt muss sie sein, die klassische Plattenindustrie, angesichts der eigenartigen Versuche, die Verkaufszahlen zu heben. Der Titel der KlassikAkzente – das Werbemagazin von Universal Classics (DGG, Decca, Philips) – preist die neue Crossover-CD der Deutschen Grammophon an, nämlich eine Gemeinschaftsproduktion von Anne Sofie von Otter und Elvis Costello: Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…
Weiterlesen

Michel Houllebeqc: Ausweitung der Kampfzone

Ein Informatiker schreibt ein Buch und löst in Frankreich eine heftige Literaturdebatte aus. Der zynische Blick des Protagonisten, der sich von einem kalt-distanzierten im Laufe des Romans in einen verzweifelt-distanzierten verwandelt, ist handwerklich solide konzipiert. Die aus der Innenperspektive kolportierten Klischees passen gut zur Figur und runden das psychologische Portrait glaubwürdig ab. Das Formale passt…
Weiterlesen

Schubert: Winterreise

(Thomas Quasthoff / Charles Spencer) Meine elfte Interpretation des Werkes und zweifellos eine der besten. Ich hatte Quasthoff vor ein paar Jahren in Salzburg mit der Winterreise gehört, und mir nun – mit eigentlich kaum entschuldbarer Verspätung – die CD besorgt. Besonders faszinierend ist Quasthoffs differenzierter Gebrauch der stimmlichen Dynamik. Ich kenne kaum einen Sänger,…
Weiterlesen

J.S. Marcus: Shadows on the Danube

The New York Review of Books 6/2001 Eine ausgezeichnete Einführung in die österreichische Problematik nicht nur des unappetitlichen letzten Jahres, sondern auch in die historische Entwicklung der letzten Jahrzehnte, die nun in der schwarz-blauen Regierung ihren Tiefpunkt gefunden hat. Als Aufhänger des Aufsatzes* dienen zwei Bücher: ein englischsprachiger Auswahlband mit den Memoiren Bruno Kreiskys und…
Weiterlesen

Merkheft Nr. 171

Das neue Merkheft steht zum Download* bereit und bietet neben den bei Zweitausendeins üblichen Skurrilitäten – Gefühle und der Sinn des Lebens. Wer sich von Gefühlen leiten läßt, gehorcht in Wahrheit seiner Vernunft – auch wieder Interessantes, beispielsweise: Arno Schmidt: Das erzählerische Werk bis 1970 für DM 29.- (statt unlizenziert DM 320.- bei Haffmans Cervantes:…
Weiterlesen

Robert Darnton: The Great Book Massacre

„Double Fold: Libraries and the Assault on Paper“ by Nicholson Baker (The New York Review of Books 7/2001) Nicholson Baker, eigenlich Romancier, hat eine Philippika gegen das Vernichten von Büchern und Zeitungen in amerikanischen Bibliotheken geschrieben. Wortgewaltig prangert er die Praxis an, Gedrucktes auf Mikrofilm zu bannen, und die Originale anschließend zu entsorgen. Richard Darnton,…
Weiterlesen

James M. McPherson: Southern Comfort

The New York Review of Books 6/2001 Geschichtslügen scheinen eine solide anthropologische Basis zu besitzen, offenbar gibt es kaum eine Gesellschaft, die ohne sie auskäme. Ein mir bis heute unbekanntes Beispiel ist die Lost-Cause-Ideologie in der Folge des amerikanischen Bürgerkriegs. McPherson bespricht* einige Neuerscheinungen zu diesem Thema. Bereits kurz nach dem Krieg begannen Südstaatler die…
Weiterlesen

Ian Buruma: The Emperor’s Secrets

„Hirohito and the Making of Modern Japan“ by Herbert P. Bix (The New York Review of Books 5/2001) Vergangenheitsbewältigung auf Japanisch; Ian Buruma diskutiert* anläßlich des neuen Buches von Bix, inwieweit Hirohito Schuld an der Beteiligung Japans am zweiten Weltkrieg trägt. Buruma lehnt zwar radikale „Verschwörungstheorien“ ab, weist aber auf diverse Verlogenheiten der Nachkriegszeit hin,…
Weiterlesen

Bernard Williams: Philosophy as Humanistic Discipline

The Threepenny Review, Spring 2001 Lesenswerter Aufsatz über die Frage, was Philosophie als Disziplin heute leisten soll. Williams argumentiert für eine Verstärkung des historischen Ansatzes, der von analytischen Philosophen vernachlässigt würde. Auch wenn seine Kritik an der „szientistischen“ Philosophie nicht immer überzeugen kann, so legt er doch den Finger auf die richtige Stelle: Philosophiegeschichte zugunsten…
Weiterlesen