Akademietheater 08.01. 26
Regie: Marie Schleef
Mit: Jonas Hackmann, Ernest Allan Hausmann, Philipp Hauss, Alexandra Henkel, Hans Dieter Knebel, Dunja Sowinetz, Kotti Yun sowie Elias Austaller, Hannah Lou Harrison, Florian Haslinger, Stephan Klinger, Jawad Mousa, Kristyna Nytrova, Lena Reinhardt, Ivo Rigaud (Komparserie) und Yimo Ding, Yirui Liu (Kind).
Vorab: Han Kangs Roman kenne ich nicht, weshalb ich nicht beurteilen kann, wie gelungen der Text auf die Bühne transponiert wird. Meine generelle Skepsis, was Theaterfassungen von Romanen angeht, war aber schnell verflogen. Marie Schleef findet nämlich eine sehr ausdrucksstarke Bühnensprache für den Stoff: Sie inszeniert alles in Slow Motion. Sie lehnt sich damit an Filmregisseure wie Wes Anderson an, die dieses Stilmittel ebenfalls sehr extensiv verwenden. Diese Artifizialität verstärkt die Wirkung des Stoffs und wirkt „enttrivialisierend“. Die SchauspielerInnen setzen das alle auf hohem Niveau um.
Das teils reduzierte, teils durch Videoinstallationen hypermoderne Bühnenbild passt hervorragend dazu. Ebenso der Soundtrack, der semantisch eine wesentlich wichtigere Rolle spielt als sonst im Theater, weil etwa durch Krankenhausgeräusche klar signalisiert wird, was gerade passiert.
Hier wird ein wichtiger feministischer Stoff (Südkorea ist ja immer noch ein Patriarchenparadies) ästhetisch sehr gelungen präsentiert. Uneingeschränkte Empfehlung.