November 2025
Die Albertina zeigt(e) im Haupthaus derzeit ausschließlich sehr sehenswerte Ausstellungen. Als Gotik-Freund war ich primär neugierig auf Gothic Modern. Munch, Beckmann, Kollwitz (bis 11.1.). Das Herausarbeiten des Einflusses der mittelalterlichen Gotik auf die Kunst der Moderne war das Ziel der Kuratoren. Sie vergleichen themenspezifisch unterschiedliche Motive und ästhetische Konstellationen. Es sind eine Reihe gotischer Werke zu sehen, etwas mehr hätten nicht geschadet. Auch einige der berühmtesten Grafiken wurden aus dem Archiv geholt. Der Fokus liegt aber klar auf der Kunst der Moderne. Üblicherweise betont man kunsthistorisch hier gerne den großen Bruch mit der Vergangenheit. Hier wird der erfrischende Versuch gemacht, die Kontinuitäten zu betonen. Eine erfrischende Provokation, die zum Nachdenken anregt.
Im Keller war bis vor einigen Tagen eine Retrospektive der Wiener Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz zu sehen und damit ein gelungener Kontrapunkt zur eher düsteren Gothik-Ausstellung weiter oben. Kowanz‘ Werke von den ersten bis zum Spätwerk sind immer wieder beeindruckende Licht-Arbeiten, etwa das für die Venediger Biennale 2017 geschaffene Infinity and Beyond. Auch ihr semiotisches Interesse an Sprache und Codes wird immer wieder deutlich.
Ganz oben schließlich gibt es eine weitere Retrospektive, nämlich die Fotos der Lisette Model (1901–1983). Aus einer Wiener jüdischen Familie stammend, entwickelte sie sich zu einer der besten Fotografinnen des letzten Jahrhunderts. Die zahlreichen ausgestellten Fotos bestätigen dieses Urteil fulminant. (Bis 22.2.)