David Edmonds: The Murder of Professor Schlick. The Rise and Fall of the Vienna Circle

Während die Wiener Jahrhundertwende bei Kulturinteressierten einen beinahe legendären Status genießt, ist das beim Wiener Kreis bis jetzt anders. Die Bedeutung dieses analytisch-logischen Philosophenzirkels rund um Moritz Schlick sollte man aber auf keinem Fall unterschätzen. Nicht nur weil er maßgeblich für die analytische Wende in der (akademischen) Philosophie verantwortlich war, oder wichtige Köpfe wie Wittgenstein und Popper sich im Umfeld tummelten, sondern auch weil diese Runde anders als Heidegger und Co. nicht zu den Nazis überlief. Im Gegenteil gingen die meisten in die Emigration und nicht alle waren jüdischer Herkunft.

David Edmonds spezialisierte sich schon vor längerer Zeit auf philosophische Sachbücher. Sein Wittgensteins Poker wurde weit rezipiert. Sehr schön also, dass er jetzt den Wiener Kreis einem potenziell großen Publikum näherbringt. Zwar schildert er prägnant auch die wichtigsten philosophischen und logischen Doktrinen und Diskussionen, der Fokus liegt aber doch klar auf dem historischen Kontext und den Biographien der Beteiligten, darunter so originelle Köpfe wie Kurt Gödel. Wien kommt (kultur)historisch selbstverständlich nicht zu kurz. Gerade auch die Dreißiger Jahre und die Zeit im Exil werden noch ausführlich behandelt. Nicht nur über das Leben Otto Neuraths erfahre ich einige neue Details.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich für Philosophie oder Wien interessieren.

David Edmonds: The Murder of Professor Schlick. The Rise and Fall of the Vienna Circle (Princeton University Press)

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