Walter Scott: Ivanhoe. Roman

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Lange schon wollte ich einen Roman vom Erfinder des historischen Romans lesen und tat dies nun in einer alten DDR Ausgabe (1978), deren Seiten inzwischen ebenso vergilbt sind, wie das realsozialistische Nachwort. Die beiden – durchaus gelungen – Figuren: Gurth, der vom Schweinhirt zum Knappen befördert wird, und der weise Narren Wamba, werden darin zu Vorläufern der sozialistischen Weltrevolution stilisiert. Dahingestellt sei auch, ob das Oeuvre des Walter Scott dem des Balzac an die Seite zu stellen sei…

„Ivanhoe“ ist Scotts berühmtester Roman, allerdings nicht sein bester, wenn man der geballten lexikalischen Kompetenz des Kindler und meines alten Meyer (1906) vertrauen darf. Scott beschreibt die Rückkehr des Richard Löwenherz nach England, eingebettet in eine süffige Rahmenhandlung, in der willensstarke Jungfrauen entführt werden, malerische Rittertourniere stattfinden, und die Schlösser von Bösewichten gestürmt werden. Dass Robin Hood mehrere prominente Auftritte hat, versteht sich da von selbst.

Es wäre aber ungerecht, Scotts Buch auf eine amüsant zu lesende Ritter- und Räubergeschichte zu reduzieren. Seine Figuren sind, gerade im Vergleich mit den platten Typen aus den gothic novels, individuell charakterisiert und überaus lebendig. Dass des Volkes Stimme nicht zu kurz kommt, sei ihm als Verdienst auch nicht vorenthalten.
Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich einen weiteren Roman des Schotten lesen soll. Vermutlich werde ich ihm aber noch eine zweite Chance geben.

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